Europäischer Elektronikschrott: Recycling und Heuchelei

Veröffentlicht auf von Jan

Man schätzt, dass jeder Italiener im Durchschnitt 14 Kilo Elektronikschrott im Jahr produziert, was für die Gesamtbevölkerung des Landes jährlich eine Masse von 850.000 Kilo ergibt. Davon enden nur 13% in den dafür vorgesehenen Sammellagern (CdR), wie sie von einem Ministerialerlass aus dem Jahr 2007 geschaffen wurden. Die Einführung dieser Richtlinie wurde zwei Jahre lang vertagt, und musste am 31. Dezember  2009 dann schließlich Gesetzeskraft erlangen.

Die Rechtsprechung zur Entsorgung in der Richtlinie WEEE legt fest, dass nicht mehr die Gemeinden, sondern die Hersteller für das Müllmanagement zuständig sind und für die Sammlung an geeigneten Öko-Standorten sorgen müssen.

Die Eigenschaften, die diese Standorte aufweisen müssen, sind in der Richtlinie aufgelistet. Greenpeace hat diese in einer Untersuchung von 50 Recyclingzentren (von den etwa 2700 in Italien vom Koordinationszentrum der WEEE angegebenen) geprüft [...].
Die Studie "Hi-Tox" von Greenpeace Italien hat jedoch ergeben, dass nur 20% der untersuchten Sammelzentren die für diese Tätigkeit vorgesehenen Normen zufriedenstellend einhalten. Während bei der Sammlung der Konsumgüter bereits verschiedene Anbieter von Elektronikartikeln die Verbraucher davon überzeugen konnten, ihr altes Gerät zurück in den Laden zu bringen und - natürlich nur gegen Kauf eines neuen - dort kostenfrei abzugeben, haben die Sammelzentren, die von den Gemeinden stellvertretend für die Hersteller und auf deren Kosten geleitet werden, Schwierigkeiten, sich durchzusetzen.

Laut der Untersuchung des Umweltschutzvereins ist anscheinend noch ein langer Weg zurückzulegen. Die Studie zeigt, dass einige der erwähnten Standorte auf der Webseite des Koordinationszentrums in Wirklichkeit gar nicht existieren und sich manchmal sogar unter der Adresse des Rathauses befinden sollen…

Zu unserem Leidwesen hat Greenpeace nicht die kalabresischen Sammelzentren untersucht, daher müssen wir uns mit einer Milchmädchenrechnung begnügen. Laut offiziellen Angaben gibt es für die Bevölkerung der Provinz von Reggio (565.830 Bewohner) die stolze Summe von 7 Sammlungszentren für WEEE (wie aus den Angaben des Koordinationszentrums hervorgeht). Die Anzahl der Müllerzeuger pro Sammlungszentrum ist demnach mit 80.833 Bewohnern wirklich beeindruckend!

Die Abfallsortierungsprobleme der Drittweltländer rühren auch zum nicht geringen Teil daher, dass wir (mit "wir" meine ich alle Bewohner der westlichen Hemisphäre) unfähig sind, eine so heikle Frage wie diese auf organisierte und effiziente Weise zu lösen.

Daher ist es überhaupt nicht falsch, das Problem der Entsorgung des Elektronikmülls sowohl als globales als auch als lokales Thema anzusehen. Vieles passiert direkt vor unserer Haustür.

Dazu muss noch gesagt werden, dass wir Süditaliener uns auch beim Abtransport dieser Abfallprodukte schon immer hervorgetan haben. Zum Beispiel wurden im Jahr 2006 in den Häfen des Südens 270 Container voller Elektronikschrott beschlagnahmt (2009 wurden über 150 allein im Hafen von Gioia Tauro abgefangen). Diese Container waren auf dem Weg in den Osten, nach China vermutlich.

Aber das ist wohl noch ein anderes Thema…
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Veröffentlicht in Italien

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