Expo Shanghai 2010: Vermiete Großeltern für den Besuch der Expo ohne langes Schlangestehen
Die Besucher der Expo von Shanghai werden nicht müde, sich neue Arten auszudenken, um die langen Wartezeiten vor den Messehallen zu umgehen. Der letzte Geistesblitz in dieser Richtung, wie die Shanghai Daily berichtet, besteht darin, ältere Menschen zu vermieten und auf diese Weise direkt in den VIP-Eingang zu gelangen, der illustren Gästen und behinderten Gästen sowie in ihrer Bewegung eingeschränkten Personen vorbehalten ist, die Schwierigkeiten haben, stundenlang sich die Beine in den Bauch zu stehen - also besonders ältere Menschen. Gemäß den neuen Reglements der Weltausstellung, die diesen Monat nach Beschwerden über die langen Warteschlangen unter der brennenden Sonne eingeführt wurden, können ab jetzt Personen über 75 Jahren und Behinderte mit einem Begleiter direkt, ohne Schlange zu stehen, den privilegierten Eingang zustreben. Das hat natürlich die Idee aufgebracht, dass viele Leute nun ältere Menschen für die Begleitung bezahlen, um problemlos in die Hallen zu schlüpfen. Es scheint aber auch so zu sein, dass viele ältere Menschen sich direkt den Begleitern anempfehlen, um etwas dazuzuverdienen. Der ”Trick” ist bereits sattsam bekannt: Die Leiter der italienischen Messehalle haben bestätigt, dass in einigen Fällen die fehlende Beziehung zwischen älterer Person und Begleiter nur allzu deutlich ist, man aber nichts machen könne, auch wenn keine Verwandtschaftsbeziehungen am reservierten Eingang zwischen den Personen festgestellt werden. Sogar im Internet erscheinen nun Anfragen zum ”Verleih von Alten” zum Besuch der Expo. ”Ich möchte in den Pavillon Saudi-Arabiens – schreibt Sanzishu, ein junger Chinese in einem Kommentar auf der Seite liba.com – aber ich weiß, dass es mindestens 4 Stunden Schlangestehen dauert, bis man drin ist”. Sanzishu bietet dem älteren Menschen, dem er seine Begleitung anträgt, die Bezahlung des Expo-Tickets an, will ihn abholen kommen, ihn wieder nach Hause bringen und ihm ein gutes Mittagessen in einem der Restaurants auf dem Expo-Gelände ausgeben. Seit Beginn der Veranstaltung nehmen die Beschuldigungen gegen falsche Behinderte zu, da es auf dem Gelände von Rollstuhlfahrern nur so wimmelt, auf denen zwar auch alte Menschen unterwegs sind, die laufen könnten, aber der Bequemlichkeit halber um einen Rollstuhl gebeten haben. Das hat die Betreiber nun gezwungen, mehr dieser Ausrüstungsgegenstände anzuschaffen. All diese Rollstuhlfahrer genießen privilegierten Zugang zu den Ausstellungshallen, für die man, zumindest was die Pavillons Italiens, Saudi Arabiens, Großbritanniens und anderer Staaten angeht, immer noch im Schnitt vier Stunden ansteht.
