Haiti in den Zeiten der Cholera

Veröffentlicht auf von Jan

[caption id="attachment_9818" align="aligncenter" width="500" caption="Foto IFCR/Flickr mit Creative Commons-Lizenz"][/caption]


In der Dominikanischen Republik wurde angesichts der Cholera-Epidemie in Haiti der Notstand ausgerufen. Die Epidemie war in einem Teil Haitis ausgebrochen, der zwar nicht vom Erdbeben betroffen war, aber dicht von Flüchtlingen aus Port-au-Prince bevölkert ist.


In Dajabon wurde die Grenze geschlossen und der zweimal wöchentlich am Montag und Freitag stattfindende Markt abgeblasen, an dem dominikanische und haitianische Händler teilnehmen. Über die voraussichtliche Dauer dieser Vorsichtsmaßnahme, die den Haupthandelsplatz zwischen den beiden Ländern sperrt, ist noch nichts bekannt.

Die Europäische Kommission plant eine Verstärkung der humanitären Hilfe für Haiti, die jedoch erst entsendet wird, wenn die örtlichen Behörden tatsächlich mehr Hilfe anfordern. Wie so oft wäre es aber vielleicht geboten gewesen, daran ein wenig früher zu denken...

Was die haitianische Agentur Fas a Fas meldet, klingt zu unglaublich, um wahr zu sein. Es geht um das private Krankenhaus von Port-au-Prince namens CDTI du Sacre Coeur. Nach dem Erdbeben wurde dieses Gebäude als einziges in der Hauptstadt vom Beben verschont und hat daraufhin kostenlos über 12.000 Patienten sowie französischen und amerikanischen Ärzteteams Unterkunft geboten. Heute steht das Krankenhaus leer, es ist geschlossen, und seine brandneuen Krankenwagen stehen geparkt unter zwei Zeltdächern. Der Grund? Die Regierungen - die haitianische, die US-amerikanische und die der Vereinten Nationen - haben sich nicht auf die Finanzierung des Krankenhauses einigen können. Die Weltgesundheitsorganisation wollte keine Gelder und Gehälter zahlen, sondern nur Decken und Medikamente austeilen. Diese leeren Flure sind der physische Beweis für das Scheitern der internationalen Hilfe in Haiti.

Das vor dem Erdbeben vorhandene Gesundheitswesen in Haiti wurde durch die Hilfseinsätze förmlich paralysiert. Die Apotheken haben geschlossen, weil so viele Medikamente kostenlos erhältlich sind, und die Ärzte haben alle ihre Patienten verloren. Die internationalen Hilfsorganisationen waren nicht in der Lage, den Übergang des humanitären Einsatzes auf den privaten Sektor Haitis zu bewerkstelligen. Der Zweifel bleibt, ob die Organisationen nicht doch lieber unter der Hand den Binnenmarkt der Geberländer finanzieren wollten, indem sie im Westen unmittelbar notwendige Medikamente und Güter erstanden und Gehaltsempfänger aus dem Westen entlohnten, anstatt die Wirtschaft Haitis wieder anzukurbeln.

Edmond Mulet, Leiter der Hilfsmission der Vereinigten Nationen in Haiti, hat verlauten lassen, dass die internationale Gemeinschaft eine Mitschuld an der Schwäche des haitianischen Staates trage, weil sie der Regierung Haitis kein Vertrauen schenke und sie deshalb ständig umgehe. Wenn man dem noch das US-Verbot hinzufügt, potentiellen Konkurrenten zu amerikanischen multinationalen Unternehmen zu finanzieren und sich vor Augen führt, welche große Bedeutung das Land für den Reisimport (Haiti ist der dritte Markt für die US-amerikanische Wirtschaft) und die ausländische Geflügelproduktion hat, dann versteht man, dass kein großes Interesse besteht, die Wirtschaft Haitis wieder aufzubauen.

Die Cholera entwickelt sich in einer unhygienischen Umgebung, im Fall von Haiti waren dies die Flüchtlingslager. Um zu verhindern, dass diese Situationen sich wiederholen, muss man sich fragen, ob es einen Plan für die Auflösung dieser Camps gibt. Die haitianische ONG Ayiti kale je hat diesbezüglich versucht, die fragmentarischen Verlautbarungen der Regierung und verschiedener Behörden zu einem Mosaik zusammenzusetzen.

Der der haitianischen Regierung vorgelegte Plan des UNO-Clusters sieht drei Übergänge vor, die in der Reihenfolge ihrer Machbarkeit umgesetzt werden sollen:

1 - Rückkehr in die vor dem Beben bewohnte Region;
2 - Übersiedlung in die ländlichen Gebiete, aus denen die Familien der Flüchtlinge stammen
3 - Ansiedlung an einem Ort, als letzte Option.

Die Lager sollten sukzessive schließen und man hofft, dass die ersten Haitianer, die wieder nach Hause gelangen, ihre Landsleute ermutigen werden, dasselbe zu tun. Einen klaren zeitlichen Ablauf dieser Heimführung gibt es aber noch nicht. Was es gibt, ist ein "paquete de retorno", also eine 150 $ Prämie für alle, die in Häuser in gutem Zustand und 1.000 $ für alle, die in beschädigte Häuser zurückkehren.

Sicher scheint, dass vor dem Bau neuer Behausungen erst einmal 135.000 T-Shelter errichtet werden, kleine Gebäude (12 Quadratmeter), die obdachlose Familien beherbergen können. Diese Gebäude aus Plastik und Holz kosten etwa 2.500 $ pro Stück, stammen aus dem Ausland und werden wohl erst Ende September 2011 fertig sein, anderthalb Jahre nach Erdbeben.



Schließlich geben einige internationale Hilfsorganisationen zu Protokoll, dass bisher nur 3% der Trümmer in neun Monaten abgeräumt wurden, was den Wiederaufbauprozess des Landes und die Auflösung der Camps natürlich behindern muss. Wenn man wirklich helfen will, muss man hier agieren, oder den Selbsthilfeprozess in Haiti unterstützen.
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Veröffentlicht in Gesundheit

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