Iran: sensationslüsterne Journalisten
Bei der Berichterstattung über den Iran dreht sich alles mehr oder weniger um "nuklear", "Verschleierung" und "Unterdrückung".
Das Problem ist dabei, dass auf diesen drei Schienensträngen jeden Tag ein Güterzug voller Nachrichten ankommt, der einen unerträglichen Lärm produziert und uns nicht selten in das unheimliche Universum der Informationsentropie wirft.
So habe ich mal Nachrichten aus dem Iran studiert, die vor ein paar Jahren veröffentlicht wurden, und musste feststellen, dass es mehr oder weniger dieselben wie heute sind.
Was beweist, dass der Westen gegenüber dem Iran ein Format festgelegt hat, das er nur schwer aufgeben kann.
Die Folge davon ist leider, dass wir uns für den Iran nur dann interessieren, wenn wir aus der gesichtslosen Masse an Informationen eine oder zwei herauspicken können, die durch ihren erschreckenden, außergewöhnlichen oder sensationellen Inhalt Aufmerksamkeit erheischen.
Und dieser Mechanismus setzt auch dann ein, wenn das behandelte Thema relativ oder gänzlich unwichtig ist.
Hier zwei Beispiele dafür:
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- Der Ajatollah Kazem Sedighi sagte während seiner Predigt am vergangenen Freitag in Teheran, dass "die Naturkatastrophen Frucht unserer Verhaltensweisen" seien und dass "viele Frauen, die sich nicht schicklich kleiden, die jungen Menschen verderben und der Anstieg unerlaubter sexueller Beziehungen zu vermehrten Erdbeben führt" (Quelle);
- In einer Botschaft an die von Teheran organisierte Internationale Konferenz für nukleare Abrüstung behauptete Ajatollah Ali Chamene'i, geistlicher Führer des Irans: "Der Einsatz nuklearer Waffen wird vom Islam verboten". Gleichzeitig bezeichnet er die Vereinigten Staaten als "einzige Atomkriminelle auf der ganzen Welt" (Quelle).
So weit so gut. In der Hierarchie der wichtigen Dinge wird dabei Folgendes unterschlagen:
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- Ein Ajatollah, der abwegige Dinge vor einem Publikum verkündet, das sich dessen bewußt ist;
- Der religiöse Führer des Amerika-feindlichsten Landes schlechthin gibt Amerika-feindliche Äußerungen von sich. Das Ganze passiert während einer Konferenz, die das iranische Nuklearprogramm anpreisen soll.
Ich frage mich: Ist es denn so schwer, in diese Berichterstattung die geeigneten Kommentare und Kontextualisierungen einzufügen?
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