Italien: Belen, die unantastbare nationale Schönheit
Erinnert ihr euch noch an Morgan, den vielseitigen Liedermacher und Jurymitglied bei X Factor |(TV-Show), der von den Moralhütern der Rai vom Festival vom Sanremo-Festival ausgeschlossen wurde, weil er zugegeben hatte, Kokain genommen zu haben? Die Entscheidung der Rai-Leitung mit Sitz im Viale Mazzini wurde damals heißdiskutiert, auch hier auf diesem Blog. Im Fall Morgan entschieden jedoch alle Verantwortlichen einhellig: Im öffentlichen Fernsehen müssen alle ein gutes Vorbild abgeben, es darf keinen Platz für solche wie Morgan geben, die gefährliche und verwerfliche Dinge taten.
Ich möchte hier an dieser Stelle nicht noch einmal eine Moraldebatte über die Heuchelei einer solchen Entscheidung neu ankurbeln, ist doch das Festival von Sanremo bereits vonstatten gegangen und die Polemik von damals verraucht. Die Entscheidung vom letzten Februar muss jetzt jedoch Schule machen, wenn man ein Mindestmaß an Würde und Kohärenz aufrecht erhalten möchte. Viele fragen sich also: Wie halten wir es nun mit der Signorina Belen Rodriguez, gegen die die mailändische Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Drogenhandel in Diskotheken ermittelt, und die doch tatsächlich in flagranti beim Koksen ertappt worden war?
Die Belen, muss man wissen, wurde nämlich als nächste Moderatorin von Sanremo zusammen mit Morandi und Ranieri angekündigt (in der Zwischenzeit haben sie ihr auch eine Show auf Raidue aufgedrückt und sie in den Cast von Kommissar Montalbano eingegliedert). Nun, da doch in der Demokratie gleiches Recht für alle gelten müsste, würde man von den Leitern der Rai erwarten, dass sie die Soubrette unverzüglich vom Festival und jeder Art von Teilnahme an staatlichen TV-Programmen ausschließen. Sollen wir wetten, dass dem nicht so ist? Hat doch auch der Bürgermeister von Sanremo nach anfänglicher Entrüstung ("Ich will sie nicht") nun einen Rückzieher gemacht und behauptet nun, dass der Fall des Mädchens ja ganz anders liege als der von Morgan.
Den exzentrischen, aus der Reihe tanzenden, individualistischen und zudem Berlusconi-feindlichen Morgan, der zudem noch den Ruf eines Drogenabhängigen hat, auszuschließen, ist eine Sache, und zieht sicherlich den Applaus der Gutmenschen auf sich, die sich vor der kleinen Heimbühne versammeln. Aber die Bestrafung der Verlobten ganz Italiens, das Mädchen aus den sympathischen Werbespots mit De Sica - das ist dann doch schon weniger einfach und populär.
Also tut man entweder so, als ob nichts wäre und hofft auf das schnell verblassende Gedächtnis des Publikums oder man erfindet eine herzzerreißende Geschichte, die man den Leuten erzählt. Ich kann mir schon die Pilgerfahrt der Belen nach Pietrelcina zum Geburtshaus von Padre Pio vorstellen, wobei sie live während der italienischen Talkshow Porta a porta Abbitte leistet und Reue zeigt. Ihr werdet schon sehen, sie machen sie mindestens zur Kronzeugin im Kampf gegen die Drogen für fortschrittliche Werbung!
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