Krise: Nach Irland nun Italien?
Europa hat Angst. Was der EU Furcht einflößt, sind fünf Nationen: Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien. Die Trader der City tragen nicht viele Bedenken, auch Italien unter die Länder einzureihen, die vielleicht kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Manche sind sogar der Ansicht, Italien werde das nächste Opfer der Aggressivität der Finanzmärkte. Angesichts eines solchen Ausblicks ist es wohl berechtigt, sich zu fragen, was Italien bevorstehen könnte. In der Zwischenzeit ist Irland abermals durch das Sovereign Rating gefallen. In der Nacht hat Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Noten abgestuft, mit negativem Ausblick.Das Stresslevel ist hoch. Die Kreditmärkte müssen ihre Dateien über die Länder in Randlage der Europäischen Union immer wieder aktualisieren, und die europäische Epidemie der Staatsschulden breitet sich rasend schnell aus. Gestern gab es auf der Plattform CMAVision den historischen Höchststand der Credit Default Swaps (CDS) auf Athen, über 1020 Basispunkte, zu bewundern. Um einen fünfjährigen Bond im Wert von 10 Millionen Dollar zu besichern, bedarf es einer Million. Auch Irland stand genau wie Portugal und Spanien unter Druck. Italien war von der Misstrauensspirale nicht ausgenommen, was aufgrund der politischen Situation und der immer wahrscheinlicheren Neuwahlen auch nicht verwundern kann. Die CDS auf Italien sind bei 200 Basispunkten angelangt, ein Wert, den Athen nur in seinen dunkelsten Stunden hinnehmen musste.
Derweil kämpft Deutschland weiterhin für die Erhaltung der einheitliche Währung, auch wenn es in dieser Situation naheliegend wäre, den Kurs zu wechseln: Die Steuerzahler sind nämlich nicht begeistert von der Aussicht, jedem einzelnen Land in Schwierigkeiten beizustehen - erst Griechenland, jetzt Irland, dann Portugal und dann wer weiß, was folgt. Bundeskanzlerin Merkel soll schon an einem neuen Mechanismus feilen, der das Überleben der Währungseinheit auf mehr Schultern verteilen wird.
In Irland spielt sich eine weit schlimmere Tragödie als damals in Griechenland ab. Was finanzielles Gewicht angeht, könnte Dublin eine endlose Kettenreaktion im europäischen Bankensystem auslösen. Laut Credit Suisse sind in der ganzen EU etwa 2100 Milliarden Euro gefährdet. So viel sind die problematischen Kredite Griechenlands, Irlands, Portugals und Spaniens wert.
Italien wurde unter diesem Gesichtspunkt noch nicht betrachtet, aber das ist nur eine Frage von Wochen. In Madrid wie auch in Dublin und Lissabon sind Medien und Analysten immer mehr davon überzeugt, dass wir Italiener die nächsten in der Abwärtsspirale der Märkte sein werden. Schuld daran sind die Auflagen in Hinsicht auf Budgetkürzungen, die uns die EU erteilen wird. Diese Auflagen werden sich auf unsere Staatsverschuldung auswirken, die bereits die Summe von 1850 Milliarden Euro erreicht hat. Italien kann daher Irland keine finanzielle Unterstützung zukommen lassen, ohne auf neue Staatsanleihen zurückzugreifen. Diese müssten weit höhere Erträge als normalerweise bieten, um die Risikofreude der Investoren anzukurbeln. Das ist nicht im Sinne des Wirtschaftsministeriums, das sich anscheinend an den Hilfsmassnahmen für Dublin nicht beteiligen will. Den Zorn der Märkte wird Rom wohl in Kauf nehmen.
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