Sex, Lügen und Arzneimittel
[caption id="attachment_4760" align="alignleft" width="315" caption="Ray Moynihan"]
[/caption]Mein Freund der Journalist Ray Moynihan ist vor kurzem auf unsere Halbinsel – genauer gesagt unsere Insel – gekommen. Er hat am Seminar zur öffentlichen Gesundheit, das in Minorca stattfand, teilgenommen. Dort hat er das wiederholt, was ich schon etliche Male gesagt habe:
"Die Grenzen der Krankheit sind erweitert worden und viele gesunde Menschen denken, dass sie krank sind."
Ray ist der Autor des Buches "Selling Sickness" (Krankheit verkaufen), und hat vor kurzem "Sex, Lies and Pharmaceuticals" (Sex, Lügen & Arzneimittel) veröffentlicht. In diesem Werk behauptet er:
"das Marketing der Pharmaindustrie gaukelt den Leuten vor, dass sie krank sind. Man überzeugt gesunde Frauen, dass sie ein gesundheitliches Problem haben, weil ihre Libido sinkt. Und dann verkauft man ihnen Medikamente."
Moynihan, der an der Universität von Newcastle unterrichtet, meint, dass "die gesunden Menschen, und nicht die Kranken, die Zielgruppe der Pharmaindustrie sind ".
Das ist zum Beispiel bei den sogenannten "Sexualstörungen der Frau" der Fall.
Zwei Ereignisse haben mich an dieses Buch erinnert. Erstens die Tatsache, dass ich Ray per Email gegrüßt habe, da ich bei diesen spannenden Konferenzen leider nicht dabei sein konnte. Zweitens habe ich einen Brief von einer Public-Relations Firma bekommen, die für mehrere Labore arbeitet. Diese wollte mir das Arzneimittel Conbriza (Bazedoxifen) vorstellen, welches von den Laboren Almirall und Pfizer vertrieben wird und zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose dient.
In der Pressemappe werden die Journalisten gewarnt:
Darauf folgen beeindruckende Zahlen zum Knochenbruchs-"Risiko", und eine Behauptung, die nichts anderes als Angstmarketing ist:
Ob diese Zahlen stimmen oder nicht beschäftigt uns hier nicht. Doch auch wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass ich das angeworbene Medikament noch nicht kenne, kann man eines sagen: Wenn man das liest, läuft es einem kalt den Rücken runter. Da denkt man doch, dass postmenopausale Osteoporose eine schwere Krankheit ist, die allen Frauen in den Wechseljahren droht, welche sich jederzeit die Knochen brechen können.
Das ist natürlich beunruhigend. Doch die Menopause ist eine natürliche Phase der weiblichen Biologie. Sie geht einher mit Osteoporose, welche keine Pathologie sondern lediglich ein Risikofaktor ist. In anderen Worten, es gibt ein Medikament doch keine Krankheit. Die Aufmerksamkeit der Leute wird auf einen Pre-Krankheitszustand gerichtet, das vermeintliche Knochenbruch-Risiko, um den Konsum eines Arzneimittels zu rechtfertigen. Über besagtes Medikament werde ich übrigens weiterhin berichten, sobald ich mehr darüber weiss.
Außerdem haben die Labore, die diesen Wirkstoff anwerben, zwei Gesundheitsprofessionelle ausgewählt, die das Produkt den Journalisten vorstellen sollen. Es handelt sich um Carmen Valdés, die ich nicht kenne, und Santiago Palacios, den ich vor zwei Jahren für die inzwischen eingestellte Zeitschrift La Clave interviewt hatte. Es ging um das selbe Thema.
Er vermittelte den Eindruck von jemandem, der immer bereit ist, die medikamentöse Behandlung von natürlichen Vorgängen und/oder Risikofaktoren zu unterstützen. Er ist übrigens Direktor des Palacios Instituts für Gesundheit und Medizin der Frau...
Mehr Infos: Die Bücher Traficantes de salud (Gesundheitshändler) und La salud que viene (Die zukünftige Gesundheit) enthalten viele Informationen zu diesem Thema.
[/caption]Mein Freund der Journalist Ray Moynihan ist vor kurzem auf unsere Halbinsel – genauer gesagt unsere Insel – gekommen. Er hat am Seminar zur öffentlichen Gesundheit, das in Minorca stattfand, teilgenommen. Dort hat er das wiederholt, was ich schon etliche Male gesagt habe:"Die Grenzen der Krankheit sind erweitert worden und viele gesunde Menschen denken, dass sie krank sind."
Ray ist der Autor des Buches "Selling Sickness" (Krankheit verkaufen), und hat vor kurzem "Sex, Lies and Pharmaceuticals" (Sex, Lügen & Arzneimittel) veröffentlicht. In diesem Werk behauptet er:
"das Marketing der Pharmaindustrie gaukelt den Leuten vor, dass sie krank sind. Man überzeugt gesunde Frauen, dass sie ein gesundheitliches Problem haben, weil ihre Libido sinkt. Und dann verkauft man ihnen Medikamente."
Moynihan, der an der Universität von Newcastle unterrichtet, meint, dass "die gesunden Menschen, und nicht die Kranken, die Zielgruppe der Pharmaindustrie sind ".
Das ist zum Beispiel bei den sogenannten "Sexualstörungen der Frau" der Fall.
Zwei Ereignisse haben mich an dieses Buch erinnert. Erstens die Tatsache, dass ich Ray per Email gegrüßt habe, da ich bei diesen spannenden Konferenzen leider nicht dabei sein konnte. Zweitens habe ich einen Brief von einer Public-Relations Firma bekommen, die für mehrere Labore arbeitet. Diese wollte mir das Arzneimittel Conbriza (Bazedoxifen) vorstellen, welches von den Laboren Almirall und Pfizer vertrieben wird und zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose dient.
In der Pressemappe werden die Journalisten gewarnt:
Das Ende der Menstruation bei Frauen wird von einem Abbau der Knochenmasse begleitet. Das heißt, dass der Knochen porös und brüchig wird.
Darauf folgen beeindruckende Zahlen zum Knochenbruchs-"Risiko", und eine Behauptung, die nichts anderes als Angstmarketing ist:
20% der Patienten, die einen Hüftknochenbruch erleiden, sterben innerhalb von sechs Monaten, und die anderen tragen eine partielle Behinderung davon.
Ob diese Zahlen stimmen oder nicht beschäftigt uns hier nicht. Doch auch wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass ich das angeworbene Medikament noch nicht kenne, kann man eines sagen: Wenn man das liest, läuft es einem kalt den Rücken runter. Da denkt man doch, dass postmenopausale Osteoporose eine schwere Krankheit ist, die allen Frauen in den Wechseljahren droht, welche sich jederzeit die Knochen brechen können.
Das ist natürlich beunruhigend. Doch die Menopause ist eine natürliche Phase der weiblichen Biologie. Sie geht einher mit Osteoporose, welche keine Pathologie sondern lediglich ein Risikofaktor ist. In anderen Worten, es gibt ein Medikament doch keine Krankheit. Die Aufmerksamkeit der Leute wird auf einen Pre-Krankheitszustand gerichtet, das vermeintliche Knochenbruch-Risiko, um den Konsum eines Arzneimittels zu rechtfertigen. Über besagtes Medikament werde ich übrigens weiterhin berichten, sobald ich mehr darüber weiss.
Außerdem haben die Labore, die diesen Wirkstoff anwerben, zwei Gesundheitsprofessionelle ausgewählt, die das Produkt den Journalisten vorstellen sollen. Es handelt sich um Carmen Valdés, die ich nicht kenne, und Santiago Palacios, den ich vor zwei Jahren für die inzwischen eingestellte Zeitschrift La Clave interviewt hatte. Es ging um das selbe Thema.
Er vermittelte den Eindruck von jemandem, der immer bereit ist, die medikamentöse Behandlung von natürlichen Vorgängen und/oder Risikofaktoren zu unterstützen. Er ist übrigens Direktor des Palacios Instituts für Gesundheit und Medizin der Frau...
Mehr Infos: Die Bücher Traficantes de salud (Gesundheitshändler) und La salud que viene (Die zukünftige Gesundheit) enthalten viele Informationen zu diesem Thema.
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