BIP Spaniens: Der Anteil der Stiere

Veröffentlicht auf von Katharina Heidrich



Gestern (am 28. September) hat Expansion.com eine Meldung mit dem Titel La economía taurina toca fondo en pleno debate abolicionista ("Die Stier-Wirtschaft erreicht inmitten der Debatte um ihre Abschaffung einen Tiefpunkt”) veröffentlicht. Sowohl in der Grafik als auch in der Meldung selbst werden sehr zweifelhafte Aussagen zur wirtschaftlichen Dimension des Sektors gemacht:
Die Festlichkeiten stellen fast 1,5% des spanischen BIP dar. Außerdem erwirtschaften die Stierkämpfe und –feste 2.500 Millionen Euro pro Jahr.

Der Stier “beschäftigt” mehr als 7.000 Arbeiter, was eine Gesamtzahl von 3,7 Millionen Arbeitstagen bedeutet.

Das spanische BIP beträgt etwa 1 Billion Euro (ich habe die Zahl aufgerundet, um das Rechnen einfacher zu machen). Das heißt, 2.500 Millionen Euro wären etwa 0,25% des BIP. Beachten Sie, dass der Artikel von einer Zahl spricht, die den "Stierkämpfen und –festen" entspricht. Woher dann die 1,5% des BIP der “Festlichkeiten” kommen? Keine Ahnung.

Außerdem: Wenn der “Stier” 7.000 Arbeitsplätze schafft und 2.500 Millionen Euro erwirtschaftet, würde jeder einzelne Arbeiter einen Wohlstand von ungefähr 357.000 Euro erzeugen. Die produktivsten Arbeiter des Landes?

Ich weiss nicht, ob es tatsächlich die Produktivsten sind. Sie arbeiten viel, das stimmt, denn diese 7.000 Arbeiter schaffen es, insgesamt 3,7 Millionen Tage im Jahr (d.h. 529 Arbeitstage pro Jahr und Arbeiter, 1,45 pro Tag, einschließlich Sonn- und Feiertage) zu arbeiten. Mensch, bei der Krise, die wir durchmachen, sind die so produktiv - da könnten sie doch ein bisschen weniger ackern und zulassen, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden…

Nun gut, ein Glück, dass diese Daten in einer Wirtschaftszeitung veröffentlicht wurden, sonst würde ich kein Wort davon glauben.
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