Und wer hat wirklich dein rotes Kleid ausgesucht?
In der Kognitions- und Verhaltenspsychologie spricht man von “embeds”, wenn man evokative Ausdrücke oder Bilder meint, die sich in unserem Geist verfestigen, uns anleiten oder begeistern und dies vor allem, ohne dass wir dies bewusst steuern könnten. Dank dieser embeds gibt es unterschwellige Bilder, fühlen wir uns von bestimmter Werbung oder von gewandten Überzeugungskünstlern so angezogen. Auch Komplimente können in diesem Fall eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen.Inzwischen wissen wir, dass es kaum einen irrationaleren Gedanken gibt, als den, unsere Entscheidungen als rational zu betrachten. Eine bedeutsame Untersuchung zu diesem Thema wurde von Lambert Gardiner durchgeführt (Psychology, a story of a search, 1970).
Er bat eine Gruppe von Psychologiestudenten seiner Universität, das theoretisch Gelernte ihres Fachs direkt in den Seminarräumen und den übrigen Örtlichkeiten der Universität anzuwenden, um zu testen, wie das unbewusste Lernen funktioniert. Einige Tage lang sprachen die Studenten Mädchen in roter Kleidung gegenüber Komplimente aus und erzeigten ihnen jede Form der Galanterie, ohne ihnen dabei natürlich den Grund für ihr Verhalten noch die Ursache für ihre spezifische Auswahl zu verraten.
So wussten die Mädchen nicht, weshalb sie sich so vieler Aufmerksamkeiten erfreuen durften und hatten auch keinen Anlass zu glauben, es geschehe der Farbe ihrer Kleider wegen. Innerhalb weniger Tage, so berichtet der Autor, war Rot die vorherrschende Farbe in der Unimensa: Viele der weiblichen Studenten wählten nun Rot zur Farbe ihrer Kleidung, ohne zu wissen, warum (wobei sie dies nicht einmal dann hinterfragten, wenn sie zusammen mit ihren Kommilitoninnen waren, die ebenfalls nahezu alle in Rot gekleidet waren).
In einer Abwandlung des Experiments beschlossen die Studenten, dieselben Überzeugungsmanöver auf ihren Professor anzuwenden. Je näher der ahnungslose Professor bei der Vorlesung der rechten Ecke der Aula kam, desto interessierter zeigten sich die Studenten an seinem Vortrag oder lachten übermäßig über seine Scherze. Umgekehrt nahm dies ab, wenn er sich zur linken Ecke der Aula bewegte.
Und so kam es, dass die Studenten ihren Professor fast dazu brachten, unfreiwillig die Vorlesung zu verlassen (die Tür befand sich auf der rechten Seite), ohne dass er sich dessen bewusst gewesen wäre!
Dieselben Verweise befinden sich auch in M. Della Luna und P. Cioni (2009) sowie J. Jaynes (1982).
Gut. Und was ziehen wir heute Abend an?
Werbung