Berlusconi III. Akt: der Untergang
Da wir ein paradoxes Land sind, wendet sich der antiparlamentarischste Premier der vergangenen 150 Jahre (nach Mussolini, ok, aber eben der, der im "Parlament nur unnötig Zeit verliert") jetzt an die Kammern, weil er ohne eine Abstimmung, die ihm das Vertrauen entzieht, nicht zurücktreten wird.Das beste dabei ist, dass Berlusconi, wenn man das Grundgesetz anschaut, auch noch Recht hat. Und in einer Demokratie, wo alles in Ordnung ist, ist es in der Regel die Opposition, die den Rücktritt des Premiers fordert. Ein Regierungspartei, die so mächtig ist wie die von Fini, verursacht den Rücktritt und damit hat es sich dann auch schon.
Aber dies ist, wie wir wissen, keine normale Demokratie.
Fini, der Präsident der Kammer, lässt die Regierung mit einer nervenaufreibenden Langsamkeit fallen - die Geschichte zieht sich jetzt schon ein ganzes Jahr hin. Und zumindest dem Anschein nach zeigt er sich Willens, eine neue Regierung zu bilden, mit einem neuen Berlusconi: der den "Reformgeist" wiederfindet (!), einen neuen "Plan" schreibt (!) einen richtigen "Flügelschlag" hat (!).
Und jetzt ist Fini der erste, der weiß, dass absolut nichts hilft: Es ist zu entscheiden, ob dieses sehr starke subkulturelle und antipolitische Phänomen mit Namen "Berlusconismus", die Straffreiheit, das Gesetz des Stärkeren, die Illegalität, die Unterwürfigkeit gegenüber dem "Chef", die Verflechtung mit den Geschäften, die mentale Zurückgebliebenheit, die Verachtung der Verfassung, die Störung der Demokratie, das sich nur um die eigenen Geschäfte kümmern, die Übervorteilung von einigen usw. weitergehen sollen oder nicht.
Aber Fini tut so, als ob alles gar nicht so wäre. Er tut also so, als ob Berlusconi und seine Regierung zu der normalen politischen Kategorie gehören, bei der Vermittlung möglich ist: also als ob da eine Änderungs-, Verbesserungs- und Reformmöglichkeit bestünde.
Wahrscheinlich macht er es nicht, weil er daran glaubt - er kennt sie besser als wir alle, die Berlusconianer meine ich - sondern, um sie dazu zu zwingen, sich offen als das zu zeigen, was sie sind: unveränderbar, unverbesserlich, nicht reformierbar. Wie erwartet hat ihm das Duo Bondi-Cicchitto sofort eine negative Antwort gegeben und Quagliarello hat bei seiner Rede in Perugia ein "das läßt den Marsch auf Rom dagegen erbleichen" eingefügt, um die Rhetorik "abzuschwächen".
Und?
Na ja, wir sind am Ende des dritten Aktes des Berlusconismus. Der erste hat 1994-1995 acht Monate gedauert. Der zweite fünf Jahre, von 2001 bis 2006. Der dritte - mit Sicherheit der finsterste und gewaltsamste – zweieinhalb Jahre oder etwas mehr.
Jetzt müssen wir - nur wir, aber wir alle - jede Möglichkeit nutzen, an jedem Ort und an der Arbeit oder in der Freizeit alles tun, damit kein vierter Akt folgt.
Was jetzt zu Ende geht, war mies, aber es wäre Disneyland im Vergleich mit einem weiteren Akt.
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