Opium, das verdeckte Ziel des Afghanistan-Krieges

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

[caption id="attachment_13914" align="alignright" width="289" caption="Mohnfeld. Foto : Arthur Chapman, Flickr, CC-Lizenz"][/caption]

Gestern hat Präsident Hamid Karzaï energisch gegen eine gemeinsame Anti-Drogenoperation von Russland und der NATO-Allianz in Afghanistan protestiert. Den Eingriff bezeichnete er als Verletzung der Souveränität.

"Keine Institution ist dazu berechtigt, eine derartige Operation auf afghanischem Boden ohne vorheriges Einverständnis des Regierung durchzuführen", behauptet die afghanische Präsidentschaft in einer Mitteilung. "Derartige Operationen, die ohne Koordination durchgeführt werden, verletzen offensichtlich unsere Souveränität. Afghanistan wird mit Härte auf die Wiederholung einer derartigen Aktion reagieren."

Opium…

Afghanistan, der weltweit größte Opiumproduzent (fast 7000 Tonnen im Jahr), steckt wegen seiner Abhängigkeit von dieser jahrtausendealten Droge in der Falle. Das Opium ist derart in den Wirtschaftskreislauf des Landes verwickelt, dass laut Gerüchten der Präsident selbst drogenabhängig ist. Seine Brüder werden als wichtigste Drahtzieher des afghanischen Drogenhandels verdächtigt. In manchen Provinzen, die Mohn produzieren (Badachschan, Tadschiken-Land und vor allem Helmand, Paschtunen-Land), ersetzt die braune Paste sogar das Geld. Die UNO schätzt, dass 8% der Bevölkerung von Opium abhängig ist.

Angesichts dieser Zustände lässt sich die Reaktion von Hamid Karzaï verstehen: Wenn man den Mohnanbau angreift, werden dessen Produzenten in den Ruin getrieben. Wenn der Drogenhandel abnimmt, würden die Verhandlungen mit den Kriegsherren, die diesen kontrollieren, zunichte gemacht und ein wirtschaftliches Chaos würde entstehen (der Opiummarkt stellt ein Drittel des afghanischen BIPs dar, fast 3 Milliarden Dollar), zusätzlich zu den Leiden einer Bevölkerung, die 30 Jahre lang Krieg erdulden musste.

Wie konnte es soweit kommen?

[caption id="attachment_13919" align="alignleft" width="336" caption="Opium-Fund in Afghanistan. Foto : Caporal Sean K. Harp, US Air Force."][/caption]

Opium wird seit jeher in Afghanistan konsumiert, aber auf moderate und medizinische Art und Weise, mit lokaler Produktion.

Die sowjetische Invasion im Jahr 1979 hat diesen Zustand verändert. Damals nahm der Mohnanbau bei den Mudschaheddin stark zu, die Produktion stieg entsprechend ihrem Bedarf an modernen Waffen (Stinger Luftabwehrraketen, die gegen Hubschrauber eingesetzt wurden).

Die Nutzung von Opium um den Feind zu schwächen ist ein Klassiker. Der Opium-Krieg der Engländer, um China zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu schwächen, ist ein Beispiel dafür. Indem man die afghanischen Bauern zum Anpflanzen von Mohn antrieb, wurden zwei Dinge gleichzeitig erreicht: die russischen Soldaten vergiften und Gewinne in Milliardenhöhe erzeugen.

Laut dem kanadischen Universitätsprofessor Michel Chossudovsky wurde die afghanische Drogenwirtschaft minutiös von der CIA geplant, mit der Hilfe der amerikanischen Außenpolitik. Im Jahr 1995 hat Charles Cogan, der ehemalige Chef der CIA-Operation in Afghanistan,  zugegeben, dass die CIA in der Tat den "Drogenkrieg zugunsten des Kalten Krieges" eingestellt hatte (Quelle).

Nachdem sie die Geburt des Islamismus gefördert hatten, sollen amerikanische Zauberlehrlinge also aus Afghanistan den weltweit größten Drogenproduzenten gemacht haben.

Genau wie in den schlimmsten Horrorfilmen entziehen sich die Monster der Kontrolle ihrer Erschaffer. Die wahrscheinliche Niederlage der Koalitionstruppen wird die Rückkehr an die Macht der wichtigsten Kriegsherren bedeuten, die Drogenwirtschaft ist noch längst nicht ausgerottet.

Während des Regimes der Taliban ging der Opiumhandel drastisch zurück. Ab dem Jahr 2001 hat die westliche Invasion die Produktion aber wieder anlaufen lassen.

Man kann sicherlich keine Verschwörungstheorie hinter diesen Fehlern erkennen, die heute die wichtigsten Gefahren für unsere Gesellschaft darstellen (islamistischer Terrorismus und Drogenabhängigkeit). Es handelt sich eher um eine naive Politik und um die Kurzsichtigkeit der Führungskräfte, die die Effekte ihrer Inkompetenz nicht vorhergesehen haben.

Die offizielle Version, laut der unsere Armeen den Afghanen "helfen", klingt ziemlich zynisch, wenn man bedenkt, dass sie von denen verbreitet wird, die dieses Land komplett zerstört haben. Dieser Krieg wird dazu geführt haben, dass das Drogen-Regime unter der Leitung einer Marionettenregierung wieder hergestellt wird.
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Veröffentlicht in Frankreich

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