Mit dem Heimcomputer einen neuen Stern entdecken...
Chris und Helen Colvin, ein Informatiker-Ehepaar aus Ames (USA) und der Systemanalytiker Daniel Gebhardt von der Universität Mainz haben einen neuen Pulsar entdeckt. Möglich war dies, weil ihre Computer zu Hause mitgeholfen hatten, die vom Riesenradioteleskop von Arecibo gesammelten Daten auszuwerten.Der neue Pulsar, getauft auf den Namen PSR J2007+2722, ist ein isolierter Neutronenstern, der sich 41 Mal pro Sekunde dreht, ein ungewöhnlich niedriges Magnetfeld aufweist und als besonders wichtige Entdeckung für das physikalische Verständnis der grundlegenden Eigenschaften und der Bildung einer solchen Art Stern angesehen wird.
Die Entdeckung verdankt man nicht zuletzt auch “Einstein@Home”, einer Software für verteiltes Rechnen, die auf die Suche nach Gravitationswellen spezialisiert ist, welche von periodisch auftretenden Quellen wie den Pulsaren ausgesendet werden. Dieses Programm beansprucht automatisch die ungenutzte Rechenleistung beliebiger angeschlossener Computer, um die von Arecibo gesammelten Daten zu verarbeiten. Dies geschieht so, dass der Nutzer stets über die Aktivitäten auf seinem Computer informiert ist und überhaupt nicht in seiner täglichen Arbeit gestört wird. Wenn es aktiviert wird, startet das Programm außerdem einen beeindruckenden Bildschirmschoner (siehe Abbildung).
Das Albert Einstein Institut in Hannover kümmert sich mithilfe der Cornell University um die Verteilung der von Arecibo stammenden "Rohdaten" unter die Freiwilligen und um die Sammlung des verarbeiteten Materials, das am Ende letzten Analysen unterzogen wird. Bis heute haben sich 250.000 Freiwillige in 192 Ländern bereit erklärt, mit der Installation der Software auf ihren PCs an der Forschung teilzunehmen und so ein Netz ins Leben zu rufen, dessen Rechenleistung insgesamt die eines Supercomputers übersteigt. Einstein@Home ist zusammen mit SETI@Home das erste Programm für verteiltes Rechnen und andere Anwendungen dieser Art, welches nicht nur der Astrophysik, sondern auch der Mathematik, der Biologie und der Medizin zugute kommt. Es kann kostenlos von der Multiplattform BOINC, einem Open Source-Projekt der Universität von Berkeley, bezogen werden.
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