Das italienische Fernsehen hört noch auf die Stimme seines Herrn

Es ist zurzeit so interessant wie nie zuvor, die Nachrichten und Talkshows des stark kontrollierten italienischen Fernsehens, des Haupt-Propagandainstruments der Regierung Berlusconi in diesen langen und nervenaufreibenden Jahren des politischen Kampfs zu sehen. Ich habe mir hier ein paar Notizen von besonderen Momenten gemacht, die ich Ihnen nachfolgend gerne vorstellen möchte.
Tg1. [Nachrichten des ersten Programms von RAI, öffentlich rechtliches Fernsehen] Minzolini [Direktor des TG1 - Nachrichten des ersten Programms] ist einer der überzeugten Liebhaber des Cavaliere, genauso wie Emilio Fede und Sandro Bondi [Kulturminister].
In diesen Tagen, in denen der Untergang der Regierung sich abzeichnet, hat unser Minzolingua [Wort-Verdrehungsspiel] unseren Premier wie immer wundervoll unterstützt. Zum Beispiel: In den Nachrichten unseres ersten Programms wird mehreren für das Publikum unwichtigen und logischerweise unbekannten Gruppierungen weitreichende Aufmerksamkeit geschenkt. Es handelt sich um die Alleanza di centro per la libertà (Allianz des Zentrums für Freiheit) von Pionati und die Gruppierung Popolari per l'Italia (das Volk für Italien) von Romano und Mannino (es sind allesamt Gruppen, die aus der Unione di Centro - Union der Mitte - hervorgegangen sind). Sachen, die die Parlaments-Berichterstatter kaum kennen, aber die wenigstens die Anzahl der Berlusconi-Unterstützer in die Höhe treiben.
Tg1. Am Tag nach der Rede von Gianfranco Fini in Perugia informiert uns die Nachrichtensendung von Scodinzolini sofort über einen kritischen Leitartikel des Direktors von Avvenire [katholische Zeitung], der Finis Akzeptanz gegenüber Familien, die ausserhalb der Ehe gegründet wurden, beanstandet. Die ewige Zweigesichtigkeit von Minzo: Wenn die katholische Presse den Premier angreift, verschwindet sie aus den Berichterstattungen und wenn sie ihn unterstützt wird das so stark wie möglich unterstrichen. Dem Superdirektor wird niemand einen Platz im Mausoleum von Berlusconis Villa in Arcore streitig machen können.
Tg5. [Nachrichten eines Privatsenders] Während alle Umfragen zeigen, dass die Sexskandale um Berlusconi für die Mehrheit der Italiener nicht einfach Tratsch, sondern offensichtlich relevante öffentliche und politische Themen sind, zeigt die Nachrichtensendung von Mimun genau das Gegenteil mit dem üblichen Spiel "zufälliger" Straßeninterviews. Letzte Woche wurde eine Reportage gezeigt, in der von 9 von 10 Befragten zum Fall Ruby meinten, es handele sich um eine Intrige der Medien und der Gerichte gegen Berlusconi. Na ja, beim TG5 tun sie nicht mal mehr so, als ob sie Journalisten wären.
Porta a porta. [Talkshow] Nach den ständigen Beschwerden Berlusconis über die Meinungsumfragen, die im Fernsehen gezeigt werden und die seiner Ansicht nach überbewertet und falsch sind, hat sich sein Haushofmeister Vespa [ein Moderator] sofort neben den vertrauten Soziologen Mannheimer gestellt und hat auch die Meinungsforscherin, Alessandra Ghisleri eingestellt, die Berlusconis Vertrauen genießt. Eine, die, wenn sie gefragt wird, warum alle Meinungsforschungsinstitute außer dem ihren Berlusconis Vertrauensquote mit unter 40 Prozent bewerten, sagt, dass sie dieses Vertrauen mittels eines Index berechnet, welches das Ergebnis der unterschiedlichen Antworten kombiniert. Zum Beispiel bei der Frage: Würden Sie ein Auto von Berlusconi kaufen? Was da wohl der Zusammenhang zwischen politischer Zustimmung und Gebrauchtwagen ist, wird nicht erklärt.
Matrix. Es ist unglaublich aber wahr, auch [Alessio] Vinci widmet dem Fall Ruby eine Sendung in seiner Talkshow. Dabei sprechen nur die Verteidiger von Silvio: rechts die Schreihälse Santanchè und Sgarbi (italienische Politiker), die allein ausreichen würden, um jegliche kritische Stimme verstummen zu lassen und links Piero Sansonetti. Das ist der ehemalige Direktor von Liberazione (einer Zeitung von Rifondazione communistà - der kommunistischen Partei), die heute bei Mediaset [Mediengruppe von Berlusconi] Platz findet und von Berlusconi geschätzte Texte veröffentlicht, wie z.B. jener, der die Sexskandale des Premiers als Tratsch bezeichnet, der im Bereich des wirklichen Journalismus nichts zu suchen hat. Sansonetti dagegen wusste, wie man es macht als er Liberazione leitete und dem Sieg von Luxuria bei der Reality-TV Sendung Isola dei famosi große Lettern auf der ersten Seite widmete, was man ja mehr oder weniger - ganz ernst - mit Obamas Sieg in Amerika vergleichen kann.
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