Die modernen Propheten irren sich auch

Veröffentlicht auf von Katharina Heidrich

[caption id="attachment_6186" align="alignright" width="350" caption="Atomkraftstaubsauger?! Foto: Chechi Pe / Flickr / CC Lizenz"][/caption]

Wir können es uns nicht verkneifen, die Zukunft vorherzusagen, sei es in Hinsicht auf ein Fussballspiel oder beim Warten auf Wahlergebnisse. Ich nehme an, dies liegt an unserer Fähigkeit, uns über alles eine Meinung zu bilden, sowohl in unserem direkten Umfeld als auch über all das, was wir aus den Nachrichten erfahren.

Wir alle irren uns, manchmal haben wir recht, aber nur in Ausnahmefällen. Im Jahr 1895 fragte ein Industrieller Auguste Lumière nach seiner neuester Erfindung. Dieser antwortete, das sie nicht zum Verkauf stehe. Es handele sich lediglich um etwas wissenschaftliche Neugierde und die Idee hätte keine kommerzielle Zukunft. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei dieser Erfindung um das Kino handelte, könnte seine Aussage als eine der fehlerhaftesten Prophezeiungen in die Geschichte eingehen. Doch diesen Fehlschlag kann man leicht verzeihen: Es ist eher erfreulich, wenn wir uns irren weil wir unsere Fähigkeiten unterschätzen, und die Zeit uns Lügen straft. In dieser Kategorie können wir weitere Beispiele aufführen:
Niemals wird man ein grösseres Flugzeug als dieses bauen,

sagte ein Boeing-Ingenieur als er im Jahre 1933 das Modell 247 sah, das 10 Passagiere mitnehmen konnte.

Oder die bekannte Aussage:
Niemand wird mehr als 640 Kb Speicherplatz auf seinem PC benötigen,

Bill Gates, 1981.

Die Welt der Wissenschaft und der Technologie hat uns reichlich Gelegenheit gegeben, die Zukunft vorherzusagen, auch wenn einige dieser Prophezeiungen sehr absurd waren:
Die Staubsauger mit Nuklearenergie wird es in 10 Jahren tatsächlich geben,

so Alex Lewyt, Leiter des Staubsaugerherstellers Lewyt, 1955.
Wir stehen kurz davor, Post per Raketen zu versenden,

Arthur Summerfield, Generaldirektor der US-amerikanischen Post 1959.
Es besteht keine Notwendigkeit, in jedem Haushalt einen PC zu haben,

Ken Olsen, Gründer von Digital Equipment, 1977.

Andere Prophezeiungen zeigen eine profunde Unkenntnis der menschlichen Psyche:
Die Amerikaner brauchen das Telefon. Wir nicht. Wir haben mehr als genügend Kuriere.

Sir William Preece, Direktor der britischen Post, 1878.
Das Fernsehen wird nicht von Dauer sein, denn es wird die Leute schnell langweilen, jeden Abend in eine Holzkiste zu starren,

Darryl Zanuck, Produzent der 20th Century Fox, 1946.

Doch die schmerzhaftesten Prophezeiungen sind jene, die uns zeigen, dass man in der Vergangenheit mehr von uns erwartete, als wir tatsächlich erreicht haben. Vor 50 Jahren wollten wir andere Planeten beherrschen, die Hungersnot besiegen… Letztendlich ist es menschlich, zu hoffen, dass die Zukunft eine bessere Welt birgt. Vielleicht sagte Bill Gates 2004 deshalb, dass "das Problem Spam innerhalb von zwei Jahren kein Problem mehr" sei.

  • Dies ist aus der renommierten Zeitschrift “BusinessWeek”. Nach beinahe 20 Jahren lahmer und langweiliger Börsenentwicklung sagte sie voraus, dass der Aktienmarkt sterben werden (klickt auf das Bild, um es zu vergrößern):




Einige Monate nach dieser Titelzeile begann eine der größten und längsten (20 Jahre) Börsenrallies der Geschichte der USA.

  • Wesentlich aktueller: Am 19. April dieses Jahres bestätigte die ebenfalls renommierte "Newsweek" auf ihrem Titelblatt, dass Amerika sich erholt habe, dass die Krise vorbei sei, einschliesslich der Börsenkrise. Kurios ist, dass diese Ausgabe der Zeitschrift mit den höchsten Börsenwerten der vergangenen 18 Monate zusammenfiel. In den folgenden Wochen fielen diese um 10%:



Geschichte interessiert mich mehr als die Finanzwelt (kaum zu glauben!), daher erzähle ich Euch jetzt eine Anekdote, die unsere Fähigkeit, Dinge vorherzusagen, noch heftiger in Frage stellt. Es geht um das Leben von Jean-Baptiste Bernadotte, französischer Revolutionär, geboren 1764, der aufgrund seiner militärischen Erfolge und als Ehemann der Ex-Geliebten - und Schwägerin - von Napoleon zum General seines Heeres aufstieg. Kurios ist, dass während der Eroberung Schwedens der im Sterben liegende Karl XIII von Schweden entschied (vielleicht, um ein Massaker seiner Volkes zu vermeiden, da er keiner noblen Abstammung war), die Krone dem "General Bernadotte" zu vermachen, der nun zu Karl XIV von Schweden wurde. Mit der Zeit vergass dieser seine französische Abstammung und kämpfte sogar gegen Napoleon um die Unabhängigkeit seines neuen Landes.

Eine heikle Situation ereignete sich als er erkrankte und seine Ärzte ihm einen Aderlass empfohlen - ein zu dieser Zeit üblicher Eingriff. Es gab viel Bitten und Flehen, dass ihn nur ein einziger Arzt behandele. Dieser musste mit der Todesstrafe rechnen, falls er weitererzählte, was er sah... Denn auf seinem Unterarm hatte Bernadotte eine Tätowierung aus seinen revolutionären Zeiten mit der folgenden Inschrift: "Tod den Königen".

Und dann sind da die Prophezeiungen, die wir heutzutage machen, und bei denen wir uns gerne täuschen (zum Beispiel, wenn wir voraussagen, dass unsere Fussballmannschaft im Viertelfinale ausscheidet). Hoffentlich täusche ich mich auch, wenn ich sage, dass sich die USA innerhalb von 7 Quartalen wieder in Rezession befinden werden ...
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Veröffentlicht in Gesellschaft

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