"15% der Frauen, die an Magersucht leiden, werden dieses Jahr sterben"

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Eine Warnung, eine Nachricht – "15% der Frauen, die an Magersucht leiden, werden dieses Jahr sterben". Aber es ist das Bild, das exklusiv für eine unabhängige Organisation in Israel erstellt wurde, um die Aufmerksamkeit auf gestörtes Essverhalten zu lenken, das (vor allem negative) Aufmerksamkeit von Beobachtern aus aller Welt auf sich gezogen hat.

Schaut es euch an:


Es überrascht mich nicht, dass das Bild derart kontrovers ist und ich nehme an, dass es Menschen mit oder ohne gestörtem Essverhalten ebenso schockiert – und ich verstehe wieso. Aber ich lasse mich nicht so leicht schockieren. Ich wäre gar nicht darauf gekommen, mich zu fragen, ob sowas vielleicht geschmacklos ist, vielleicht auch aus Eigenschutz.

Wie auch immer es aufgenommen wird, es hat sicherlich das bezweckt, was die Autoren erreichen wollten - die Aufmerksamkeit erregen (ich hoffe nur nicht von den falschen Menschen i.e. kritischen Journalisten und Bloggern). Das Bild ist extrem, zu grenzwertig für viele, die nicht darüber hinwegschauen können. Aber die Nachricht, die es vermittelt, ist sehr real und vielleicht ist es gut so, dass jemand nicht nur die Fakten bringt, wie gefährlich, lebensgefährlich und einfach hässlich Magersucht ist, sondern es uns veranschaulicht, unsere Augen öffnet und uns zwingt hinzusehen. Es ist traurig, aber manchmal braucht es extreme Mittel - und diese funktionieren: Sie erzwingen Kommunikation, anstatt nur vorzuschlagen, was wir eventuell in Betracht ziehen könnten.

Als Magersüchtige (hoffentlich auf dem Weg zur Besserung) und als jemand, der zu viele Menschen gesehen hat und von welchen gehört hat, die daran gestorben sind, fühle ich mich seltsam, da ich mich über Bilder, Witze, die Magersucht als Humorvorlage nutzen, nicht mehr aufrege. Habe ich kein Rückgrat? Bin ich herzlos? Ich sehe es so, dass man auch mal über sich selbst lachen sollte, über seine Situation, seine Krankheit… es löst die Spannung, die Frustration und die Traurigkeit in manchen Fällen.

Schwarzer Humor ist nicht Jedermanns Sache, aber ich mag es, wenn Humor und die harte, traurige Wahrheit gemischt werden. Ein Teil von mir möchte jenen, die das Bild erfunden und veröffentlicht haben, danken – dafür, dass sich mutig genug waren es zu tun, obwohl sie ahnten, dass man das Bild als geschmacklos abtun würde … Und das ist auch der Grund, warum ich die Kampagne nicht zu sehr loben möchte, da ich Menschen kenne, die sie bestimmt als schockierend empfinden werden. Daher würde ich mich wirklich freuen, eure Kommentare zu lesen, nicht zu meiner Meinung zum Bild, sondern zum Bild selbst. Ich möchte nur wissen, ob ich zu einer Minderheit gehöre, die diese kontroverse Anzeige gut findet und ob es stimmt, dass ich einfach nur eine herzlose kleine Schlampe bin.
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Veröffentlicht in Gesundheit

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