Rettet Haiti vor dem humanitären Tourismus

Veröffentlicht auf von Sabine Cretella

16. November - Zwei Artikel des Guardian setzen, was die Situation in Haiti betrifft, den Punkt auf das i. Sie gehen über die Cholera und die Hurrikane hinaus und kritisieren die Verwaltung des internationalen Hilfssystems, das in den 10 Monaten seit dem Erdbeben anscheinend keinen Eingriff mit Erfolg abgeschlossen hat.

Der erste Artikel bezieht sich auf die Geschehnisse in Cap-Haitien, wo Proteste gegen die seit bereits sechs Jahren dort stationierten Blauhelme die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Die UNO-Soldaten haben auf die Menge geschossen, was zwei Tote auf der Seite der Demonstranten forderte. Einer der Gründe für den Protest ist die Anschuldigung gegenüber der UNO-Delegation aus Nepal, die Cholera nach Haiti gebracht zu haben (die in der Zwischenzeit wenigstens 1.000 Opfer gefordert hat). Die UNO weist die Anschuldigung von sich, während laut verschiedenen Schätzungen wenigstens 200.000 mögliche Infizierte in den nächsten Monaten zu erwarten sind:

UN-Beamten haben Probleme mit der Abwasserentsorgung der Anlage zugegeben. Sie bestreiten jedoch, dass die Soldaten die Krankheit, die durch kontaminierte Fäkalien übertragen wird, eingeschleppt haben. Es wurde keinerlei Nachforschung bezüglich des Epidemieausbruchs durchgeführt, auch wenn die Regierung Haitis und ausländische Epidemiologen dies gefordert hatten. "In Haiti glaubt der Großteil der Bevölkerung, dass die Krankheit von den Soldaten aus Nepal eingeschleppt wurde und dass die UN alles tun wird, um das zu verschleiern," so Prospery Raymont, der Landesdirektor der nichtstaatlichen Organisation "Christian Aid", die ihren Hauptsitz in Großbritannien hat. "Sollte sich das bestätigen, wird es den Vereinten Nationen und deren Friedensaktionen weltweit schaden."

Der zweite Artikel ist von Rory Carrol, der Autor, der auch den ersten geschrieben hat, und der seine Eindrücke als Westlicher in Haiti unter dem bedeutsamen Titel "Rettet Haiti vor den Hilfstouristen" niederschreibt. Rory erzählt eine emblematische Geschichte darüber, wie Menschen, die gerne helfen möchten, Aktionen starten, aber dabei nur schlecht organisiert sind. Der Artikel erzählt von einer Delegation Kanadier, die laut Rory davon überzeugt sind, das Leben einiger Haitianer zu verbessern, die aber in Wirklichkeit am Zusammenbruch von Haiti teilgenommen haben. Mission to Haiti Canada hat über 32.000 Dollar nach dem Erdbeben gesammelt und im April wurden zwei hurrikansichere Häuser von einer Gruppe von 28 Kanadiern gebaut. Die Kosten beliefen sich auf 6.000 Euro pro Haus. Dann haben die Kanadier einen Container im Wert von 10.000 Euro mit drei Zelten, Kleidung, Reis und Bohnen geschickt. In Haiti kann man ein Haus mit Investitionen bauen, die nur einen Bruchteil von dem darstellen, was die Organisation ausgegeben hat. Die Gruppe spricht kein Kreolisch und hat einem lokalen Vermittler die Aufgabe anvertraut, die Zahlungsempfänger zu bestimmen, die Spenden auszuzahlen und die Register zu aktualisieren. Die nichtstaatliche Organisation hat keine Kontakte in dem Gebiet und koordiniert die Aktivitäten nicht mit den Behörden vor Ort. Jetzt beklagen sich die Mitglieder, dass alle Arbeiten still stehen, sobald sie nach Kanada zurückgehen.

Im Moment sind über 9.000 Organisationen in Haiti und der Großteil davon sind nicht miteinander in Kontakt und umgehen die Regierung, wenn es um Entscheidungen geht. Die nichtstaatlichen Organisationen haben ein höheres Budget als die staatlichen und können die Zukunft Haitis stärker als die Institutionen beeinflussen, was auch noch ohne jegliches demokratisches Mandat geschieht. Die Lösung, schreibt Rory, ist nicht, dass alle aus Haiti abziehen, sondern dass sich der Fluss der Hilfstouristen, die Haiti wie einen Zoo ansehen, gestoppt wird und dass man dann mit den wichtigsten und seriösesten Organisationen mit Hilfe einer direkten Haiti-Strategie vorgeht.

Und: Am 28. November wird gewählt.
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