Wenige Frauen in den Medien... außer als Opfer

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Frauen sind nicht nur in Redaktionen in der Minderheit, sondern auch im aktuellen Geschehen, das in den Medien wiedergegeben wird.


Den Beweis liefert eine Studie, bei der es einem unbehaglich wird und über die der Infobrief La Correspondance de la Presse am 8. Oktober berichtete. Eine riesige Presserevue wurde am 10. November 2009 vom Global Media Monitoring Project durchgeführt; 1281 Tageszeitungen, Fernsehsender und Rundfunksender in 108 Ländern wurden begutachtet.

[caption id="attachment_15154" align="aligncenter" width="605" caption="Redaktion bei der Tageszeitung Libération. Foto : Luc Legay, Flickr, CC-Lizenz"][/caption]

So wurden 16.000 Reportagen unter die Lupe genommen, um die Präsenz von Frauen in den Medien zu untersuchen. Mehr als 35.000 Personen wurden mit einbezogen (entweder wurden sie interviewt oder sie kamen in den Reportagen vor). Das Ergebnis ist erschreckend: Nur 24 % der Personen, die man hört oder von denen in den Zeitungen, im Fernsehen oder im Radio berichtet wird, sind Frauen!


Ordinäre und unbewusste Frauenfeindlichkeit der Redaktionen?

Der Prozentsatz ist zwar im Vergleich zu der vorherigen Studie aus dem Jahr 1995 (+17 %) gestiegen, ist aber immer noch sehr niedrig. Marlène Coulomb-Gully, Professor an der Universität Toulouse le Mirail, Dr. in Kommunikation und Koordinatorin der Studie in Frankreich, schätzt, dass diese "schockierende Zahl" einen daran erinnert, dass der "Medienspiegel einen männliche Welt aufdeckt, wo die Autorität männlich bleibt" (das Zitat stammt aus La Correspondance).

[caption id="attachment_15162" align="alignright" width="310" caption="Redaktionsraum von France 24. Foto : Siobhan Silke, Flickr, CC Lizenz"][/caption]

Wir wussten bereits, dass in Redaktionen weniger Frauen als Männer arbeiten, und dass sie auch weniger verdienen (siehe weiter unten). Diese Studie zeigt jedoch einen unerwarteten Trend auf: "Frauen werden je nach Thema mehr oder weniger klein gehalten, und global gesehen werden sie weniger von Journalisten befragt, erklärt der Bericht von GMMP.

Die Frauen bleiben "gewöhnliche Leute", während Männer immer noch als "Experten" vorgestellt werden, wenn sie in den Medien befragt werden. In Frankreich sind bei den Fernsehsendern und Rundfunksendern nur 23 % der befragten "Experten" Frauen. Das ist nur knapp mehr als in Haïti (22 %) und genau so viel wie in den Niederlanden.

Weniger Frauen vor und hinter der Kamera

Als Beweis dieser ordinären und unbewussten Frauenfeindlichkeit zeigt die Studie, dass Frauen zu 18 % als Opfer in den Medien dargestellt werden, gegen 8 % der Männer.

Man versteht dieser Vorurteile vielleicht besser, wenn man sich die Zusammensetzung der Redaktionen genauer ansieht. In Frankreich (wie ich in meinem Post vom 21. August hervorhob) ist die Chancengleichheit noch lange nicht erreicht. Im Jahr 2008 stellten Männer 56,2 % der Besitzer von Presseausweisen. Sie werden auch immer noch deutlich besser bezahlt als ihre Kolleginnen.

Im Jahr 2008 betrug das Durchschnittsgehalt der angestellten Journalisten in Frankreich 3.694 € bei den Männern und nur 3.145 € bei den Frauen. Das entspricht einem Unterschied von fast 15 %, den man wirklich nicht rechtfertigen kann!

Was die Positionen angeht, so wissen jene, die in französischen Redaktionen tätig sind, dass in leitenden Funktionen Frauen deutlich seltener sind als Männer.

So zählte man im Jahr 2008 unter 558 Presseausweisbesitzern mit leitender Funktion 459 Männer und nur 94 Frauen.


Auch hier werden die Optimisten sagen, dass die Situation sich seit den 90ern verbessert hat. Damals gab es nur 62 Frauen unter den 549 Direktoren (die Gesamtanzahl hat sich binnen 20 Jahren kaum verändert). Aber diese Verbesserung ist sehr langsam, denn in 20 Jahren sind nur 5 % mehr Frauen in den Medien in Chefsessel gelangt. Bei diesem Tempo wird im 22. Jahrhundert Chancengleichheit bestehen...


Als Fazit seiner Studie ruft die GMMP zu einem "ethischen Journalismus auf, der sich seiner Verantwortung stellen soll, wenn es um Entscheidungen geht". Ein Wunsch, der wohl kaum erfüllt wird, denn die Ungleichheit scheint im Unbewussten fest verankert. Wird die neue Journalisten-Generation, die jetzt ins Berufsleben eintritt, die Dinge verändern?
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Veröffentlicht in Frankreich

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