Santa Lucia: Unterwegs in den Steueroasen

Veröffentlicht auf von Jan

[caption id="attachment_8343" align="alignleft" width="400" caption="Santa Lucia, Foto Fastway/Flickr mit Creative Commons-Lizenz "]http://www.flickr.com/people/8135156@N07/[/caption]

Printemps Ltd und Timara Ltd sind wohl die berühmtesten Offshore-Unternehmen der letzten Wochen in Italien. Es handelt sich um Firmen, die Giancarlo Tulliani, Schwager von Gianfranco Fini, gehören sollen. Aber wie groß ist das Offshore-Universum auf Santa Lucia eigentlich? Das kann man dem Pinnacle Registry entnehmen, dem Online-Register der International business companies (Ibc), also der transnationalen Unternehmen, die auf der Antillen-Insel ansässig sind. Wenn man die Datenbank von Pinnacle durchforstet, findet man heraus, dass Printemps und Timara Gründungen der Adco Inc. von Michael Gordon sind und von der Kanzlei Gordon, Gordon & Co. rechtlich beraten werden, wobei beide Firmen in Castries, der Hauptstadt von Santa Lucia, ihren Sitz haben. Aber es wird noch ominöser, wenn zu all dem noch der Name der Bank hinzugefügt wird, auf die Adco überwiegend für seine Geschäfte zurückgreift, nämlich die britische HSBC.

Eintausend Dollar reichen, um in den Besitz eines Unternehmens zu kommen. Unzählige Londoner Kanzleien, die auch Büros in Italien unterhalten, besorgen die nötige Rechtsberatung, um im Steuerparadies in der Karibik Geschäfte zu betreiben. Sie denken an alles. Vom Aufbau angefangen, wo als Vorbild die  Aktiengesellschaft nach Schweizer Art, aber auch die Ltd. fungieren kann, welche ähnlich wie das italienische Modell der Gesellschaft mit beschränkter Haftung funktioniert. Da trifft es sich nur allzu gut, dass im Commonwealth das Common Law gilt, was die Rückverfolgung eines Offshores sehr schwierig macht. Denn das Regulierungssystem in Santa Lucia ist ausgerechnet das  Common Law.

Im Allgemeinen entsteht eine Offshore-Ltd mit dem Ziel, die Anonymität zu gewährleisten. Aber wie wird das erreicht? Über den Trust, einer angelsächsischen juristischen Einrichtung, über welche eine Person ihre Besitze einem Trustee überschreibt. Und auf Santa Lucia wird der gesamte Besitz vom International Mutual Funds Act, dem Ibc Act und dem International Trust Act geschützt, drei Verordnungen, die das Unternehmen vor den Steuereintreibern abschirmen.

Der größte Broker von Santa Lucia, Adco Incorporated, hat seinen Sitz ausgerechnet dort, wo ihn auch die auf Tulliani eingetragene Primtemps hat. Und seine Nummer Eins, Gordon, ist derjenige, der den Treuhänder für 90 Prozent der auf der Insel ins Leben gerufenen Firmen abgibt. Wie Nicolas Farrell auf Libero anmerkte, ist dazu unter der Adresse Manoel Street 10 auch der Firmensitz der Corporate Agents von James Wolfenzao gemeldet, dem Kaufvermittler. Wenn da nichts faul ist.

Ausgerechnet Adco verrät, wie man eine Ibc wie Printemps oder Timara ins Leben ruft. "Dafür reichen weniger als 24 Stunden", liest man auf der Broker-Seite. Diese Leute sind es, die den unbürokratischen Weg für die Gründung einer solchen Firma empfehlen und dabei auf die Beratung der britischen Bank HSBC bauen. Unter dem Vorwand, an der Eröffnung eines Offshores interessiert zu sein, haben wir uns direkt an Adco gewendet. Dies ist die Antwort, die wir erhalten haben: "Schicken Sie uns Ihre Anfragen per Fax an die +1-758-451-6458, alles Weitere regeln wir". Wir fragen an, ob es möglich ist, die Dienste der Bank HSBC zu nutzen, und die Antwort ist erhellend. "Wir greifen für gewöhnlich auf die Dienste von HSBC zurück, wir sind sicher, dass Sie bei uns in besten Händen sind", schließt die E-Mail.

Die Ausgaben sind lächerlich im Vergleich zu den zukünftigen Vorteilen, darunter nicht zuletzt die Anonymität des Eigentümers: 500 Dollar für die Eingliederung der Firma in das internationale System der Trusts, 300 Dollar für die Bestellung eines Treuhänders, weitere 300 an Regierungssteuer und 250 für die Bereitstellung eines Adco-Beraters. Insgesamt: 1350 US-Dollar für die uneingeschränkte Freiheit, Immobilien zu kaufen und zu verkaufen, ohne dabei erwischt zu werden (oder fast). Dazu führt Adco an, dass die Aktien der im Entstehen begriffenen Ibc auf den Inhaber ausgestellt oder nominal sein können. Es gibt jedoch einen Unterschied. Der Broker von Gordon hebt hervor, dass "die Gesetze von Santa Lucia die Ausstellung von Wertpapieren auf Inhaber nicht gestatten". Aber das macht nichts, denn die Firma kann anonym im Vereinigten Königreich entstehen und ihren Firmensitz dank der Vereinbarungen des Commonwealth auf der Insel einrichten. So wird das Schweigen gewährleistet.

Dann ist da die Rolle der Banken. "Um Primtemps und Timara am Leben zu erhalten, müssen jedes Jahr mindestens 1000 Dollar aufgebracht werden, die Unterhaltungskosten eben, und diese Gelder laufen über ein Kreditinstitut", verrät dem Riformista ein luxemburgischer Broker, der ungenannt bleiben will. Sicher ist, dass es auf der kleinen Insel der Antillen vier Hauptakteure zusammen mit Adco gibt: Alliance Leicester, Barclays, HSBC und NatWest. Und HSBC ist die Bank, deren Dienste die  Geschäftsführer von Adco nach eigener Auskunft am häufigsten nutzen.
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