Die 169 Unterschiede zwischen dem Papst und Sarkozy

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Ich bin dein Kopf, du bist meine Zahl...

Wenn man die Unterschiede zwischen Papst Benedikt XVI. und Nicolas Sarkozy zählte, würde man auf ein Ergebnis von 169 kommen. Die beiden haben nichts gemeinsam. 

Der eine ist ein alter Mann, der andere steht für Sofortigkeit und die heutige Zeit. Der eine ist ein Intellektueller, der andere ein Pragmatiker. Der Erste ist feierlich und schüchtern, der Zweite wortreich und familiär. Der eine denkt, der andere handelt.

Der eine ist Vikar, der andere der Rausch. Der Erste wurde gewählt, weil er als Nachfolger eines sehr beliebten Menschen für Kontinuität stand, der Zweite hat den Bruch mit dem unbeliebten Vorgänger gefordert. Der Papst war in seiner Jugend liberal, bevor er zum Konservativen wurde. Der Präsident war sehr rechts, bevor er sich mehr nach links orientierte. Der Erste ist old school, der Zweite bling-bling.

Der eine gelobte, keusch und bescheiden zu leben, jedoch nicht arm. Der andere gelobte sparsam, jedoch nicht keusch und auch nicht bescheiden zu leben.

Es ist ziemlich sicher, dass einer der beiden noch nie mit Carla Bruni geschlafen hat. Aber beide haben es schwer, die Kinder in ihr jeweiliges System zu integrieren…

Du bist Laurel, ich bin Hardy

Und dennoch sind beide dem gleichen medialen Sturm ausgesetzt: ein Umfeld, das aus den Fugen gerät, Autismus bei der einsamen Ausübung der Macht, historischer Absturz in den Beliebtheitswerten, Rufe nach Abdankung…

Jenes Magazin stellt fest, dass "Der Papst niemandem zuhört" und dass der Sprecher des Vatikans nicht mal bei der Erstellung des Briefes an die irischen Bischöfe hinzugezogen wurde. Währenddessen erklären die Zeitungen in Paris, dass  "Nicolas Sarkozy einen Monolog führt und niemandem zuhört", oder betonen, dass die Minister mit Entsetzen aus der Presse das Ende der Karbon-Steuer oder der Werbung bei France Télévisions (öffentlich-rechtliche Sendergruppe) erfahren müssen.

Das ist merkwürdig, denn der eine versteht scheinbar nichts von der Welt der Kommunikation und der andere ist deren Held.

Vielleicht werden sie am Ende SMS austauschen, um eine Lösung für ihre jeweiligen Probleme zu finden? Ich freue mich schon auf die verdutzten Gesichter der Kardinäle, wenn sie erfahren, dass Benedikt XVI. die Öffnung1 der Kirche durch die Ernennung Tarik Ramadans (Schweizer muslimischer Theologe, der in Frankreich als Integrist gilt) an die Spitze der Glaubenskongregation beweist, und wenn Claude Guéant [Generalsekretär der französischen Präsidentschaft] zu Beginn der Ministerrats dem Volksvater versichern wird, dass die Nation zu ihm steht!

Anmerkung der Editoren:
1
Die "politische Öffnung" ist eines des Leitmotive der Sarkozy-Regierung. Der französische Präsident hat u.a. einem Sozialisten das Außenministerium anvertraut.
Werbung

Veröffentlicht in Frankreich

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post