Sind die sozialen Netzwerke eine Gefahr für die Zukunft des Web?

Veröffentlicht auf von Jan

Im Laufe eines Interviews für das Scientific American Journal hat der Gründer des World Wide Web Tim Berners-Lee erklärt, dass Facebook, LinkedIn und andere soziale Netzwerke eine Gefahr für die Zukunft des Web darstellten. Laut Berners-Lee sind die Social Networks dabei, die grundlegenden Prinzipien des www zu erschüttern, indem sie die Information fragmentieren und in verschiedene, voneinander abgeschirmte Inseln aufteilen.

"Das Web hat sich zu einem mächtigen und verbreiteten Hilfsmittel entwickelt, weil es von Anfang an auf dem Gleichheitsprinzip beruhte" sagte Berners-Lee. "Das Netz, so wie wir es kennen, wird von mehreren Seiten bedroht. Die Social Networks werden immer mehr zu zentralisierten Plattformen, deren Inhalte verschlossen sind und die den Usern nicht mehr vollständige Kontrolle über ihre eigenen Informationen ermöglichen. Mit der Ausbreitung einer Architektur dieser Art wird das Web immer mehr fragmentiert und verliert seinen Charakter als einzigartiger universaler Bereich für Informationen".

[caption id="attachment_11937" align="alignright" width="250" caption="Tim Berners-Lee im Jahr 2005 - Foto Wikimedia"][/caption]

Diese Fragmentierung des Webs erzeugt Konflikte zwischen den verschiedenen “Dateninseln”: Facebook und Google kämpfen bereits um den Export der Kontakte ihrer registrierten Nutzer. Google bietet eine API an, die registrierten Nutzern ermöglicht, ihre Google-Kontakte in andere Services zu importieren. Der Suchmaschinen-Gigant hat nun Facebook und andere Drittparteien, die alle seine API nutzen, aufgefordert, genauso freigiebig mit Daten ihrer eigenen User umzugehen. Facebook hat zwar vor kurzem Internetnutzern die Möglichkeit eingeräumt, einen Teil der Inhalte ihrer Profile lokal herunterzuladen, doch die Kontakte sind davon ausgeschlossen.

Die Anzahl der registrierten Facebook-Nutzer hat seit letztem Juli die 500 Millionen-Marke überschritten. Die Community ist innerhalb eines Jahres um 250 Millionen Nutzer angeschwollen. Laut Daten von comScore, einem Unternehmen, das die Internetnutzung weltweit analysiert, hatte Facebook Ende Oktober 620 Millionen registrierte Nutzer.

Berners-Lees Kritik trifft auch die Desktop- und mobilen Applikationen, die die Nutzer in ein geschlossenes Ökosystem führen, wie etwa iTunes von Apple, aber auch Apps, die Inhalte anbieten, die nicht im Web vorhanden sind.

Der Vater des Internet hat auch das Thema Netzneutralität angesprochen. In diesem Zusammenhang beanstandet er die Einigung, die Google und Verizon vergangenen August erzielt haben. Das Abkommen betrifft unter anderem Web-Inhalte, die auf mobilen Netzwerken laufen: "Viele Menschen, die in ländlichen Gegenden leben, von Utah bis nach Uganda, haben ausschließlich über ihre Mobiltelefone Zugang zum Internet" sagte Berners-Lee. “Es ist nicht nachvollziehbar, dass mein fundamentales Recht auf Zugang zu der Informationsquelle meiner Wahl nur dann gilt, wenn ich mich zuhause per WLAN verbinde, und nicht wenn ich mein Handy nutze.
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V
Ich bin selber Betreiber eines sozialen Netzwerkes und wir versuchen mit unserer Community andere Wege zu gehen und dem User die Wahl zu lassen wie und was er für die Öffentlichkeit frei gibt und was nicht. Jedes einzelne Element seines Profils, seiner Blogs, seiner Seiten oder auch seiner Gruppen kann der User in ausgereiften Privatsphäreneinstellungen selber der Öffentlichkeit zugäbglich machen. <br /> <br /> Dennoch kann ich die Bedenken des Herrn Berners-Lee nachempfinden. Viele User konzentrieren sich auf Grosscommunities wie z.B. Facebook, Netlog, wkw, meinVZ, jappy, spin (um nur einige zu nennen) und der eigentliche Gedanke des Internets wird dabei völlig aus dem Auge verloren. Freier Informations- und Meinungsaustausch ist heutzutage kaum mehr möglich und das Internet als Wissenspool wird nur noch von einigen Foren und Wikipedia hochgehalten. <br /> <br /> Leider mit mässigem Erfolg, da es in den sozialen Netzwerken auch zu fast jedem Thema eine eigene Gruppe gibt und diese, da man ja eh dort ist, einfacher zu erreichen ist. Das Internet ist einem Wandel unterlegen der zum unweigerlichen Tod des Internet als grossem ganzen führt. Eine Teilung, welche gut mit der Weltkugel vergleichbar ist, ist die Folge davon.<br /> <br /> Viele Staaten, einige grösser, einige kleiner und über allem ein paar Supermächte die versuchen alles und jeden zu beherrschen. Teilweise tobt im Internet ein Krieg, der vielleicht nicht so blutig ist, wie realer Krieg, aber darum nicht weniger Opfer fordert. <br /> <br /> Der eigentliche Gedanke des Internets ist eines der ersten Opfer. Er Ruhe in Frieden... Herzliches Beileid Herr Berners-Lee...
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