Wie trinkt die Katze? Wie niemand sonst.

Veröffentlicht auf von Jan

Eleganz erkennt man an den Details. Und Katzen, die sich damit bestens auskennen, pflegen sogar beim Trinken einen makellosen Stil. Ihr Geheimnis? Die Physik.

[caption id="attachment_11912" align="alignright" width="369" caption="Cutta Cutta vor der Milchschüssel. (Mit freundl. Genehmigung: P.Reis/M. Pilotto/R. Stocker)"][/caption]

Der Biophysiker Roman Stocker vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat in “Science” einen verdienstvollen Artikel veröffentlicht, der es sogar auf das Titelblatt geschafft hat. Unterstützt haben ihn bei dieser Studie über die Trinktechnik der Katzen Pedro Reis, auch vom MIT, Sunghwan Jung derVirginia Tech, und Jeffrey Aristoff von der Universität von Princeton.

Alles begann eines Morgens beim Frühstück, als der Biophysiker seiner Katze Cutta Cutta dabei zusah, wie sie aus der Schale schlabberte. Da sein Forschungsgebiet das Studium der Fluiddynamik ist, war es ganz natürlich, dass er seine Aufmerksamkeit der "sauberen" Trinkmethode seines pelzigen Freundes zuwendete. In dieser Disziplin haben Katzen einfach nicht ihresgleichen. Das könnt ihr sofort ausprobieren: Besorgt euch eine Katze und einen Hund, haltet sie getrennt voneinander (sonst werden sie abgelenkt) und gebt ihnen eine Schüssel mit Wasser oder Milch zu trinken. Ihr werdet sehen, dass der Hund seine Schnauze eintunkt, um zu trinken und dabei mit Geräuschen wie “Tschak! Tschuk! Slörp!” und anderen Lautmalereien alles in der Gegend herumspritzt, bis auch dem Einfältigsten klar wird, dass da getrunken wird. Die Katze dagegen nähert sich bedächtig der Trinkschüssel, schnuppert einen Augenblick an der Oberfläche der Flüssigkeit und beginnt dann auf zarte Weise zu trinken, ohne dabei auch nur einen Tropfen auf dem Teppich zu hinterlassen (bloß nicht nass werden), geschweige denn, dabei Geräusche zu machen.

Und das alles ist nur eine Frage der Zunge.  Hunde rollen, wie viele andere Tiere auch, ihre Zunge wie einen Löffel zusammen und befördern auf diese Weise die Flüssigkeit ins Maul. Katzen dagegen (und das wusste man bereits früher) biegen die Zungenspitze nach unten und streichen so nur zart über die Oberfläche der Flüssigkeit. Bisher konnte man jedoch nicht nachvollziehen, wie die Flüssigkeit dann heruntergeschluckt werden konnte. Um dem auf die Spur zu kommen, haben Stocker und seine Kollegen erst einmal Cutta Cutta und andere Katzen beim Trinken gefilmt und dann das Filmmaterial in Zeitlupe analysiert. Der zweite Schritt war dann, ein mathematisches Modell und ein robotisiertes  System zu entwerfen, das die Bewegungen der Katzenzunge nachbildete. Auf diese Weise haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass Katzen durch die hauchdünne Berührung der Flüssigkeit mit der Zungenspitze, die sie sofort wieder zurückziehen, eine Flüssigkeitssäule erzeugen. Durch die Ausnutzung der Trägheit der Bewegung wird schließlich ein Punkt erreicht, in dem ein Kräftegleichgewicht zwischen Trägheit und Gravitation herrscht. Eine Katze ist instinktiv in der Lage, diesen Moment zu erfassen und die Flüssigkeit aufzunehmen, bevor sie zurückfallen kann. All das geschieht in einem Rhythmus von etwa 4 Schlürfern pro Sekunde. So viel zum Scharfsinn von Katzen.

Die nächste Frage der Wissenschaftler war, ob dieselbe Technik etwa auch von den größeren Artgenossen wie Tigern und Löwen verwendet wird. Um das herauszufinden, begaben sich die Forscher in den Zoo von New England, um dort auch diese Tiere beim Trinken zu filmen. Mit dem gleichen Ergebnis. Man kann also sagen, dass diese Technik guten Anklang bei den Katzenartigen gefunden hat. Der Neurobiologe Hillel Chiel von der amerikanischen Case Western Reserve University in Cleveland, der sich mit der Vorbereitung von Robotern befasst, die das tierische Verhalten nachahmen sollen,  ist der Meinung, dass diese Technik eine von denen ist, die man für neue technologische Implementierungen unbedingt “klauen” sollte. So ist Cutta Cutta schon ein kleiner Star geworden, und die Studie der Wissenschaftler könnte interessante Anwendungen in der Robotertechnik finden.

Gebt es doch zu: Ihr seid schon mit der Videokamera dabei, eure Katze beim Trinken zu filmen!

Hier das Ganze in Bildern:

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Veröffentlicht in Italien

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