Wikileaks: Reaktionen der internationalen Presse
[caption id="attachment_11838" align="aligncenter" width="500" caption="Bild: Sergimontes/Flickr - CC Lizenz"]
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Wenn ich danach gehe, was ich zum jetzigen Zeitpunkt (19:00, Montag 29.11) auf den Webseiten der größten Zeitungen weltweit sehe, muss ich an meinen Post Wikileaks, Ente mit globalen Auswirkungen denken. Vermutlich müsste man doch das Wort 'global' durch 'Italien' ersetzen. Denn hier bei uns sind die Medien voll auf diese intergalaktischste Story des Jahres 2010 angesprungen. Da kann man sagen: So wird es überall in der Welt sein. Ich öffne auf gut Glück zwei Webseiten: Die erste ist der El Nuevo Herald aus Miami. Da steht die Meldung noch nicht einmal drin. Man denkt: Das sind Amerikaner, die wollen halt das Durchsickern von Nachrichten so gut es geht vermeiden (Gianandrea Gaiani aber hat mir in einer E-Mail geschrieben "Wieso ist keiner aus dem State Department und dem Pentagon zurückgetreten? Merkwürdig...").
Ich versuche es mit der besten Zeitung Spaniens, die nicht El Pais, sondern El Mundo heißt. Und da wird meine Vermutung nur bestätigt, auch El Mundo ignoriert die Meldung. Und zwar komplett. Ich schaue mir El Pais (eine Fotokopie der La Repubblica auf Kastilisch) an und finde dort tatsächlich einen Riesenaufmacher in großen Lettern: "Zapatero nutzt die Außenpolitik für den innenpolitischen Konsens" (Wow, was für eine Meldung!). Mich beschleicht langsam ein Zweifel.
Auf Folha in San Paolo (unabhängig) steht die Meldung an vierter Stelle, aber da schreiben sie nur, dass die amerikanische Regierung Maßnahmen gegen Wikileaks ergreifen will.
Um mehr zu erfahren, gehe ich nach Frankreich: Le Monde (links) widmet dem Wikigedöns ebenfalls einen großen Aufmacher.
Le Figaro (rechts) ist wie Folha: Die Nachricht steht an dritter Stelle, nur um die amerikanische Kritik an Wikileaks zu vermelden... Meine Zweifel werden erneut genährt.
Libération (offen links und nicht in PD-Manier mumifiziert, wie die Linke, die sich um Le Monde schart), räumt Wikileaks den fünften Platz ein.
Auf der New York Times finde ich kaum überhaupt das Wort Wikileaks. Liegt das daran, dass die Zeitung Obama und Clinton in Schutz nehmen möchte?
Die Engländer sind so Wiki-affin wie die Italiener: Sowohl der Telegraph wie auch die Sunday Times stellen die Meldung ganz nach oben, wenn auch mit der gewohnten Distanz, echt british halt.
La Repubblica dagegen und - ja - auch der Corriere della Sera gehen dem Wikigeplauder voll auf den Leim. Neben dem Geschmetter von 3 oder 4 Artikeln zur Befeuerung der innenpolitischen Wahlkampagne, und nicht etwa zur faktischen Aufklärung der Leser, verkündet Repubblica auch noch einen Special für die morgige Ausgabe, in dem es um "Den Fall WikiLeaks gehen soll, der das Wesen der Politik für immer verändern wird". Vom Aufblasen einer Meldung kann hier schon nicht mehr Rede sein... Das nennt man einen Schmarrn auf epische Dimensionen hochspielen.
Nur auf den italienischen Blogs waltet noch ein Minimum an dialektischem und voltaireschem Geist, und nur im Web kann man wohl noch sagen, dass Wikileaks vielleicht auch nicht das ist, als was es erscheint, sondern ganz etwas anderes...
Am Ende der Tour bleibt der Verdacht, dass die "fortschrittliche" Presselandschaft Italiens zusammen mit wenigen Ausnahmen (in einem Boot mit der Sun etc.) die einzige ist, die die Lektion von Berlusconi ernst genommen hat (wobei besagte Lektion eigentlich eher vom kommerziellen US-Fernsehen der 70er Jahre stammt): Das Leben ist nichts als Gossip, eine Reality Show, eine komisch-politische Fernsehsendung, eine Fiktion, eine Behauptung, eine Delegitimierung, eine nicht ernst gemeinte Sache.
Vielleicht aber nehmen sie uns alle auch auf den Arm, um uns nicht von den wirklich ernsten und wichtigen Dingen zu berichten, etwa Nachrichten zur Wirtschaftslage? Das wäre selbst zu Zeiten des Minculpop, des faschistischen Propagandaministeriums, anders gelaufen...
[/caption]Wenn ich danach gehe, was ich zum jetzigen Zeitpunkt (19:00, Montag 29.11) auf den Webseiten der größten Zeitungen weltweit sehe, muss ich an meinen Post Wikileaks, Ente mit globalen Auswirkungen denken. Vermutlich müsste man doch das Wort 'global' durch 'Italien' ersetzen. Denn hier bei uns sind die Medien voll auf diese intergalaktischste Story des Jahres 2010 angesprungen. Da kann man sagen: So wird es überall in der Welt sein. Ich öffne auf gut Glück zwei Webseiten: Die erste ist der El Nuevo Herald aus Miami. Da steht die Meldung noch nicht einmal drin. Man denkt: Das sind Amerikaner, die wollen halt das Durchsickern von Nachrichten so gut es geht vermeiden (Gianandrea Gaiani aber hat mir in einer E-Mail geschrieben "Wieso ist keiner aus dem State Department und dem Pentagon zurückgetreten? Merkwürdig...").
Ich versuche es mit der besten Zeitung Spaniens, die nicht El Pais, sondern El Mundo heißt. Und da wird meine Vermutung nur bestätigt, auch El Mundo ignoriert die Meldung. Und zwar komplett. Ich schaue mir El Pais (eine Fotokopie der La Repubblica auf Kastilisch) an und finde dort tatsächlich einen Riesenaufmacher in großen Lettern: "Zapatero nutzt die Außenpolitik für den innenpolitischen Konsens" (Wow, was für eine Meldung!). Mich beschleicht langsam ein Zweifel.
Auf Folha in San Paolo (unabhängig) steht die Meldung an vierter Stelle, aber da schreiben sie nur, dass die amerikanische Regierung Maßnahmen gegen Wikileaks ergreifen will.
Um mehr zu erfahren, gehe ich nach Frankreich: Le Monde (links) widmet dem Wikigedöns ebenfalls einen großen Aufmacher.
Le Figaro (rechts) ist wie Folha: Die Nachricht steht an dritter Stelle, nur um die amerikanische Kritik an Wikileaks zu vermelden... Meine Zweifel werden erneut genährt.
Libération (offen links und nicht in PD-Manier mumifiziert, wie die Linke, die sich um Le Monde schart), räumt Wikileaks den fünften Platz ein.
Auf der New York Times finde ich kaum überhaupt das Wort Wikileaks. Liegt das daran, dass die Zeitung Obama und Clinton in Schutz nehmen möchte?
Die Engländer sind so Wiki-affin wie die Italiener: Sowohl der Telegraph wie auch die Sunday Times stellen die Meldung ganz nach oben, wenn auch mit der gewohnten Distanz, echt british halt.
La Repubblica dagegen und - ja - auch der Corriere della Sera gehen dem Wikigeplauder voll auf den Leim. Neben dem Geschmetter von 3 oder 4 Artikeln zur Befeuerung der innenpolitischen Wahlkampagne, und nicht etwa zur faktischen Aufklärung der Leser, verkündet Repubblica auch noch einen Special für die morgige Ausgabe, in dem es um "Den Fall WikiLeaks gehen soll, der das Wesen der Politik für immer verändern wird". Vom Aufblasen einer Meldung kann hier schon nicht mehr Rede sein... Das nennt man einen Schmarrn auf epische Dimensionen hochspielen.
Nur auf den italienischen Blogs waltet noch ein Minimum an dialektischem und voltaireschem Geist, und nur im Web kann man wohl noch sagen, dass Wikileaks vielleicht auch nicht das ist, als was es erscheint, sondern ganz etwas anderes...
Am Ende der Tour bleibt der Verdacht, dass die "fortschrittliche" Presselandschaft Italiens zusammen mit wenigen Ausnahmen (in einem Boot mit der Sun etc.) die einzige ist, die die Lektion von Berlusconi ernst genommen hat (wobei besagte Lektion eigentlich eher vom kommerziellen US-Fernsehen der 70er Jahre stammt): Das Leben ist nichts als Gossip, eine Reality Show, eine komisch-politische Fernsehsendung, eine Fiktion, eine Behauptung, eine Delegitimierung, eine nicht ernst gemeinte Sache.
Vielleicht aber nehmen sie uns alle auch auf den Arm, um uns nicht von den wirklich ernsten und wichtigen Dingen zu berichten, etwa Nachrichten zur Wirtschaftslage? Das wäre selbst zu Zeiten des Minculpop, des faschistischen Propagandaministeriums, anders gelaufen...
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