Die Wissenschaft irrt sich und schreitet fort
[caption id="attachment_8626" align="alignright" width="300" caption="Die Bakterie GFAJ-1. Foto NASA"]
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[/caption] Nachdem sie hohe Erwartungen geweckt hatte gab die NASA letzten Donnerstag während einer Pressekonferenz die Entdeckung einer Bakterie im kalifornischen Mono Lake bekannt, die bisher unbekannte Eigenschaften aufweist. Sie kann nicht nur in Arsen leben, wie schon Monate davor herausgefunden wurde, sondern kann auch Arsen aufnehmen um das Phosphor in ihrer DNA zu ersetzen.
Kann sein, dass dies nicht die Enteckung war, die viele erwarteten, aber in Wirklichkeit ist diese Meldung ein schwerer Schlag für die Wissenschaft. Im Jahre 1869 isolierte Friedrich Miescher das erste Mal die DNA und 50 Jahre später stellte Phoebus Levene fest, dass die Nukleotide aus einer stickstoffhaltigen Base, einem Zucker und einem Phosphat bestehen, die sich mittels Phosphatgruppen verbinden. Seitdem hat es sich zu einem Dogma der Biochemie entwickelt, dass das Leben 6 Grundelemente benötigt: Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Wasserstoff und Kohlenstoff.
Nach jahrelanger Arbeit der Gruppe von Felisa Wolfe-Simon ist dieses Dogma jetzt komplett veraltet. Es ist nicht das erste und sicher auch nicht das letzte Mal, dass die Wissenschaft entdeckt, dass eins ihrer Fundamente wegen einer neuen Entdeckung zerfällt.
Gewissermaßen könnte man es sich als eine weitere der vor fast 100 Jahren von Freud beschriebenen Kränkungen der Menschheit vorstellen : Die Welt ist nicht im Zentrum des Universums, der Mensch ist einfach nur ein weiteres Tier und jetzt bemerken wir, dass wir nur eine von vielen möglichen Lebensformen sind. Die Wissenschaft hat sich getäuscht. Wegen dieser Entdeckung müssen tausende Bücher neu geschrieben werden. Mehrere Generationen Forscher werden nötig sein, um die neuen Möglichkeiten die sich uns bieten, zu verstehen. Es wird uns Jahrzehnte kosten, die Reichweite einer derartigen Entdeckung zu messen. Und es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass wir zu Schlüssen kommen werden, an die wir wieder dogmatisch glauben werden und dass irgendwann wieder ein brillanter Kopf auftaucht, der uns einmal mehr zeigt, dass wir uns irren. [caption id="" align="aligncenter" width="578" caption="Felisa Wolfe-Simon sammelt Proben"]
[/caption] Die Wissenschaftler erforschen alles, was uns umgibt und suchen nach Erklärungen. Es werden Theorien aufgestellt, widerlegt und schließlich aufgrund von komplett neuen Theorien verworfen, die alles exakter und vollständiger beschreiben. Die Fehler der Wissenschaft ermöglichen uns, voranzukommen, weil wir nach jedem Schritt alles besser erklären können, was uns umgibt. [caption id="attachment_8647" align="alignleft" width="218" caption="Isaac Newton (Wikimedia Commons)"]
[/caption] Nun gibt es viele, die mit den Hufen scharren und ihre pseudowissenschaftlichen Theorien verfechten wollen. Sie fühlen sich gestärkt, weil die Wissenschaft nicht immer Recht hat. Doch wenn Wissenschaftler feststellen, dass sie sich getäuscht haben, bedeutet das, dass ihre bisherigen Theorien unvollständig - und nicht falsch - waren. Beispielsweise wurde das Newtonsche Gravitationsgesetz nicht durch die Relativitätstheorie von Einstein außer Kraft gesetzt. Statt dessen gilt Newtons Theorie nun als Erklärung für einen Einzelfall, der sich in einen breiteren, früher noch unbekannten Sachverhalt einfügt. Im Fall, der sich vor einigen Tagen ereignete, ist es genauso. Das Leben setzt sich weiterhin aus den 6 Grundelementen zusammen - zumindest das Leben das wir kennen, was der Biochemie entspricht, an der wir seit Jahrzehnten arbeiten. Die NASA-Entdeckung ändert daran nichts. Sie zeigt aber, dass die bisher bekannten Lebensformen nur ein Teil einer größeren, vielfältigen Gruppe sind. Jetzt wissen wir, dass Arsen als Grundelement für eine andere Art von Leben dient und dass wir in der Zukunft andere Elemente finden können, die eine ähnliche Funktion haben.
Anmerkung der Editorin: Auf dem Blog Astrodicticum findet Ihr einen lesenswerten Artikel zum selben Thema: Arsen-basiertes Leben - oder doch nicht?
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