Die Auseinandersetzung mit geschichtlich bedeutenden homosexuellen Persönlichkeiten hilft gegen Diskriminierung

Veröffentlicht auf von Tim Jack

[caption id="" align="alignleft" width="200" caption="Foto einer Statue von Alan Turing dank Kevin Spencer"][/caption] In einem Artikel habe ich einmal die große Anzahl von Musikern gewürdigt, deren Homosexualität heute zwar bekannt ist, zu der sie aber zu Lebzeiten nie hätten öffentlich stehen können. Es wäre anmaßend zu glauben, dass sich der musikalische Einfluss von Homosexuellen auf die Werke von Freddie Mercury und George Michael beschränkt. Dann könnte man auch glauben, dass einen Homosexualität auf irgendeine mysteriöse Weise daran hindert, den Ohren Gottes würdige Musik zu komponieren. Ein Gott, der jede fantasievolle sexuelle Praktik, die sich nicht auf die Missionarsstellung durch das Loch im Nachthemd beschränkt, so sehr verabscheut. [caption id="attachment_6852" align="alignright" width="198" caption="Samuel Barber, Wikimedia Commons"][/caption] Die Liste ist natürlich lang. Samuel Barber, Benjamin Britten, Leonard Bernstein, Karol Szymanowski und sogar der ehrwürdige Pyotr Ilyich Tchaikovsky —geboren an einem 7. Mai, ein unschuldiger Zufall, der mich immer noch rührt, wenn ich daran denke. Wahrscheinlich beruht ein Großteil der gesellschaftlichen Ablehnung von Homosexualität darauf, dass wir die sexuelle Orientierung vieler großer Namen in der Geschichte zu verbergen suchen. Dabei sollte man die Werke wirklich beispielhafter Menschen doch bewundern können - unabhängig von ihren Vorlieben, wenn sie erstmal die Hosen runterlassen. Auf diese Idee ist auch Jessica Shephard gekommen. Sie berichtet  im Guardian darüber. In einer Schule im Norden Londons hat sie eine Reihe von Unterrichtsstunden zu historischen Persönlichkeiten vorbereitet, deren Homosexualität bekannt ist. Hierbei ging sie nicht nur auf ihre Werke  ein, sondern auch auf die Schwierigkeiten, die ihnen ihre Homosexualität bei ihrer Arbeit bereitet hat. Das Experiment läuft jetzt seit 5 Jahren und die homophobe Gewalt und das Mobbing von homosexuellen Schülern ist fast auf Null zurückgegangen. [caption id="attachment_6854" align="alignleft" width="204" caption="James Baldwin. Fotoarchiv US-Kongress"][/caption] Den stärksten Effekt hat die Geschichte Alan Turings1. Seine Rolle bei der Entzifferung der verschlüsselten Kommunikation der Nazis während des zweiten Weltkriegs fasziniert natürlich weiterhin jeden Briten, ob jung oder alt. Hinzu kommt die Dramatik seiner persönlichen Geschichte und die Umstände seines Todes, da er an den Versuchen starb, seine Homosexualität zu heilen. Weitere häufig verwendete Beispiele sind Oscar Wilde, James Baldwin aber auch Andy Warhol. Die Britische Kommission für Gleichstellung und Menschenrechte (Commission for Equality and Human Rights) hat einen Bericht veröffentlicht, laut dem zwei Drittel aller homosexuellen Student_innen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung auf der Universität gemobbt werden. 17% erhalten sogar Morddrohungen. Die Musikprofessorin Elly Barnes hat sich für die Erstellung dieses Berichts eingesetzt. Sie bestätigt, dass ein Großteil der Studenten glaubt, dass Homosexualität in Großbritannien illegal sei. „Das Arbeiten mit bekannten homosexuellen Persönlichkeiten aus der Geschichte hat die Haltung der Schüler geändert. Vielen hat es zudem geholfen, zu ihrer Homosexualität zu stehen“, sagt Barnes. „Sogar der Sprachgebrauch in der Schule hat sich geändert. Früher wurden Wörter wie schwul oder lesbisch ständig als Schimpfwörter benutzt. Das hört man heute gar nicht mehr".
  1 Anmerkung: Alan Turing, (1912-1954), Mathematiker, theoretischer Informatiker, Kryptograph und englischer Philosoph. Er wird als einer der Väter der modernen Informatik angesehen (Quelle: Wikipedia)
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