Ein bißchen Geschichte: Britische Pentacycles und Briefkästen
Nachdem ich viele Überbleibsel von Londons wilder Post-Geschichte mitten in der Stadt bewundern konnte, habe ich das Postal Museum Archive besichtigt: eine riesige Sammlung von GPO* Dingen, inklusive ein paar echten Raritäten. Die Kollektion deckt viele Bereiche ab: Postzustellung per Straßenverkehr, Bahnpost, Sortiermaschinen, Briefmaschinen, Telefonkabinen, Rowland Hills Schreibtisch...
Die Geschichte des Briefkastens ist wunderschön illustriert worden, dank einer ganzen Reihe an Beispielen. Die Ältesten sind besonders sehenswert: Viele Experimente waren von Nöten, bevor die ersten Standardmodelle rauskamen. Senkrechte Schlitze ließen den Regen rein; eine Art schützender Überhang sollte das verhindern; und die auffallende rote Farbe setzte sich gegen ein diskreteres Grün durch, weil man merkte, dass Briefkästen nützlicher sind, wenn man sie leicht erkennt.Ein Großteil der Debatte über Briefkästen drehte sich um deren Aussehen. Wie bei jeder Innovation sorgten sich die Leute über den Effekt auf die Landschaft. U.a. spielte man mit dem Gedanken, die Kästen an das Umfeld anzupassen, daher war das Grün auch so beliebt.
Eine weitere Möglichkeit war, ein dekoratives Merkmal daraus zu machen. Mir gefiel besonders das viktorianische Beispiel mit ausgefallener Deko. Es gab jedoch ein wichtiges Versäumnis im Original-Design: Es wurde soviel Wert auf Tierköpfe und Girlanden gelegt, dass man nirgendwo den Brief reinstecken konnte! Daher wurde auf die Schnelle ein Klappe hinzugefügt, was darauf hinweist, dass die eigentliche Funktion des Briefkastens nur ganz zuletzt beachtet wurde.
Ein weiterer Designfehler passierte mit den 'Anonymen Kästen' in den 1880er Jahren. Diesmal hatten die Hersteller an den Schlitz gedacht, dafür hatten sie das Post-Emblem vergessen mit Namen, königlicher Ziffer und Krone.Unter den Lieferwägen gab es ein Modell, dass technisch eher bescheiden ausfiel, jedoch ein absoluter Hingucker war: das Pentacycle. Die Post machte viele Experimente bezüglich der Fahrräder ihrer Briefträger und dieses Gefährt gehörte sicherlich zu den außergewöhnlichsten Versuchen. Eine Art Hochrad auf Steroiden mit einem zentralen großen Rad und vier kleineren (daher wurde es auch "Zentral-Rad" oder 'Hen and chicks', also Huhn und Kücken, genannt). Obwohl es bei den Briefträgern von Horsham, wo man es testete, scheinbar beliebt war, wurde das Design nicht in großem Rahmen eingesetzt.

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Anmerkung der Editoren:
*GPO: General Post Office, der ehemalige Postdienst
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