Als Tochter von Berlusconi hat man es leicht
Vor ein paar Wochen hat die Tochter von Silvio, Barbara Berlusconi, ihren Abschluss in Philosophie mit Bestnote absolviert.Wen kümmerts, werdet ihr sagen.
Aber es sollte uns kümmern, denn auch diesmal hat die Berlusconi-Clique den Vorwand genutzt, um das hässlichste Gesicht Italiens zu zeigen. Il Cavaliere zeigte sich wie gewohnt völlig unbeeindruckt von der öffentlichen Meinung und pflegte die übliche Nonchalance der Herrscher, deren Macht unbestritten ist und die schalten und walten können wie sie wollen.
Dieses Mal heißt der Schuldige Don Verzè, ein Priester-Unternehmer, der die Universität San Raffaele von Mailand leitet.
Bei der Diplomverleihung seiner "berühmtesten" Studentin war Verzè anwesend (was bei einer Bachelor-Abschluss-Zeremonie noch nie vorgekommen war). Er hat der nicht mehr ganz so jungen Barbara (sie ist Jahrgang 1984 und hat also ihren Bachelor mit vierjähriger Verspätung gemacht) im Beisein des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi einen Lehrstuhl für die neu gegründete Fakultät der Wirtschaftswissenschaften an seiner Universität angeboten.
Wenn das keine Meritokratie ist!
Es scheint wohl so, dass man heutzutage in Italien nur Kind des Premiers sein muss, um mir nichts dir nichts einen Lehrstuhl in den Schoß gelegt zu bekommen.
Was sollen all die anderen sagen, die ihren Fachabschluss machen, dann ihre Promotion anhängen, in die Forschung gehen, sich auf eine Stelle bewerben und endlich nach zahllosen Plackereien einsehen müssen, dass alles nichts gefruchtet hat, weil man nicht Teil der Bildungselite ist? Ist das eine Botschaft, die eines GEISTLICHEN würdig ist?
Zum Glück hat eine Professorin von San Raffaele rebelliert und ein Protestschreiben verfasst:
Ich unterrichte Philosophie der Person an der Philosophischen Fakultät der Universität Vita-Salute San Raffaele. Ich schreibe diese Zeilen, um zu sagen: Nicht mit mir. Ich kann es nicht verantworten, dass unser Rektor, Don Luigi Verzé, bei der Verleihung der Bachelor-Abschlüsse sich, wie es sein Recht ist, einzig an die Absolventin Barbara Berlusconi gewandt hat, die ihren Bachelor-Abschluss entgegennehmen sollte, und sie gefragt hat, wie sie es fände, wenn eine Fakultät der Wirtschaftswissenschaften an der San Raffaele Uni ins Leben gerufen würde. Diese würde auf den Gedanken von Amartya Sen fußen, einem Autor, dem ihre Abschlussarbeit gewidmet war. Ich kann es nicht verantworten, dass er ihr schließlich im Beisein des Ministerpräsidenten, der der Zeremonie beiwohnte, anbot, Dozentin an dieser Universität zu werden.
Ich möchte mich ausdrücklich und öffentlich von diesem Vorfall distanzieren, der meiner Meinung nach nicht nur eine Verletzung des formalen Prinzips der Gleichheit aller Studenten, einen Verstoß gegen die Form und das Wesen einer öffentlichen Zeremonie wie die Verleihung eines Universitätsabschlusses sowie eine Düpierung der Universitätsdozenten darstellt, die der Rektor der Universität eigentlich repräsentieren sollte, sondern vor allem eine Verletzung der hohen ethischen Standards ist, auf welchen eine universitäre Einrichtung wie die Universität San Raffaele zu Recht stolz sein kann.
Ich möchte mich klar und öffentlich von diesen Worten und der Logik distanzieren, die ihnen zugrunde liegt, einer Logik, gegen die ich zeit meines Lebens angekämpft habe, wie ich den Korporativismus und die Klientelsysteme der italienischen Universitäten, die fortschreitende Auflösung aller Vortrefflichkeits- und Verdienstkriterien sowie die Entwertung der Universität an sich als Schule des freiheitlichen Denkens immer bekämpft habe.
Ich distanziere mich als einzelne Person davon, in der Hoffnung, dass das Kollegium dieser Universität den Vorfall einhellig missbilligt. Ich möchte mit dieser eindeutigen Erklärung darauf hinweisen, dass ich weder prinzipiell noch faktisch für den Ablauf der Zeremonie mitverantwortlich zu machen bin: Nicht prinzipiell aufgrund meiner tief liegenden Missbilligung, deren Gründe ich hier ausgedrückt habe. Nicht faktisch, da ich mich tatsächlich nicht unter den Teilnehmern der Prüfungskommission für die betroffene Kandidatin befand und dies bestimmt nicht deshalb, weil ich darum gebeten hätte, mich dieser Aufgabe entziehen zu dürfen.
Ist irgendwann ein Ende dieser Scheußlichkeiten in Sicht?
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