Demos in Frankreich: Wähle deine Seite, Kamerad!
Mmmh, ich liebe das Geräusch der flatternden Transparente im Morgengrauen! [caption id="attachment_11217" align="alignleft" width="300" caption="Demos am 16. Oktober. Foto: Monolecte / Flickr / CC"]
[/caption] Unermüdlich kehren sie in den Kampf zurück. Alle 15 Tage. Dann jede Woche. Und jetzt sogar am Wochenende. Sie gehen hin. Trotz allem. Wegen allem. Entschlossen. Voller Freude. Angriffslustig. Sie sind da. Natürlich gibt es die Stammkunden der Pflastersteine. Wie eine große Bruderschaft. Demo um Demo treffen sie sich immer wieder, als würden sie vom Instinkt getrieben. Es sind die alten Linken, die müden 68er, das Haar ist unter dem Harnisch des permanenten Kampfes ergraut, und sie machen weiter gegen die Ordnung mobil, die zerschmettert, die nagt, die sich Stück für Stück alles wieder einverleibt, was die Veteranen nach intensiven und verbitterten Auseinandersetzungen errungen hatten. Ich erinnere mich an gewisse Wahlabende, bei denen man zu fünft um einen Tisch saß, im Halbdunkel eines leeren Gemeindesaals. Und an ein paar desillusionierte Märsche, immer weiter gehend, ein paar arme Schweine, die dem schlechten Wetter trotzten. Die Veteranen des Kampfes. Die Grabenkämpfer des Neins. Die ewigen Militanten, die auch mit dem Chemo-Tropf am Start wären, wenn es sein muss, egal, man muss dabei sein und basta! Immer auf der falschen Seite. Bei denen, die nicht an der Macht sind. Die Seite des Volkes. Der Mob, der diejenigen, die regieren sollten, nervt und beängstigt. Natürlich sind da auch die Jugendlichen. Mit ihrem ungeheuren Enthusiasmus. Ihr Widerspruchsgeist. Ihr Spaß an der Auseinandersetzung. Ihre Lust zu existieren, gehört zu werden, als volle Bürger zu zählen. Nicht immer ganz auf dem Laufenden, was die Subtilitäten des politischen Denkens angeht, aber oft weit klarsichtiger, sachbezogener als die alten Säcke denken. Sie geben nicht nach. Sie bleiben immer auf dem Platz, nachdem die alten Militanten sich schnell verzogen haben, um zu ihrem normalen Leben zurückzukehren. Sie lieben es, das Chaos in die Länge zu ziehen, es andauern zu lassen. Sie versuchen nicht, dahin zu kommen wo die Action ist: Sie spornen die Menge an, lassen sie tanzen und schreien. Sie haben das Leben vor sich und wollen es nicht entgleiten lassen. Sie sind unsere Zukunft und sie können nicht fliehen. Und dann gibt es die Neuen. Zahlreich. Immer mehr. Die schweigende Mehrheit, die beschlossen hat, dass sie genug hat. Die Masse derjenigen, die dachten, dass die Politik sie nichts angeht. Bis dass die Politik anfing, sich um sie zu kümmern. Sie verfolgte. In ihrem Wohnzimmer. Am Arbeitsplatz. Sogar während der Einkäufe im Supermarkt. Vor der Schule der Kinder. Diejenigen, die endlich begriffen haben, dass die aktuelle Politik kein Erbarmen kennt, keine Gefangenen macht. Diejenigen, die die Krise voll zu spüren bekommen. Die Gehälter schwanken, die Stellen verschwinden, die Arbeitslosigkeit zeigt ihre Fratze, die Gesundheit wird teuer, die Schule geht kaputt. All diese falschen Versprechungen, an die nur diejenigen gebunden sind, die daran geglaubt haben. All dieses hohle Gerede, das gegen eine soziale Wirklichkeit prallt, die man nicht länger leugnen kann. Und dann kommt der berühmte Tropfen: zwei Jahre länger arbeiten, für wenig Geld. Der Wassertropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, ein Fass voller Frust. Sie hatten es einfach satt, sie haben einen Urlaubstag genommen, ihre Kinder an die Hand genommen und sind zu den Demos gegangen. Allgemeines Schnauze-Voll. Totale Weigerung, auch nur das kleinste bisschen nachzugeben. Weigerung, benutzt zu werden, sich einzuordnen. Totale Weigerung. Massendynamik. Und dann gibt es alle anderen. Die 71 %, die einfach alles satt sind, die wollen, dass alles in die Luft geht, die wollen, dass sich was ändert, die sich was anderes wünschen, die aber ihre Kumpels die Drecksarbeit machen lassen. An die wende ich mich. An Dich
. Ich verstehe dich. Du hattest immer einen guten Grund, nicht hinzugehen, auch wenn Du die Bewegung aus vollem Herzen unterstützt, mit voller Kraft. Du hast einen Job. Du hast aber Angst, ihn zu verlieren. Oder Du bist unersetzbar. Ich habe Dir bereits gesagt, dass beim Arbeitsamt die Datenbanken voll von unersetzbaren Menschen sind. Du hast eine Familie. Und keiner kann auf Deine Kinder aufpassen. Du hast keine Arbeit mehr. Du brauchst dein Gehalt. Du musst deinen Hauskredit zurückzahlen, deine Bank lässt nicht locker. Und außerdem sind in Deiner Branche die "Roten", die Gewerkschafter, die Großmäuler, die Chaoten, all diese Leute verdammt schlecht angesehen. Du bist die Reservearmee. Du wartest darauf, dass alles in die Luft fliegt, um Dich auch in die Arena zu stürzen. Jetzt aber findest Du die kleinen Ausflüge im Stadtzentrum noch nicht so toll. Außerdem magst du nicht die alten Militanten, die sturen Gewerkschafter, unbeaufsichtigte Kinder und die Schreier mit ihren Transparenten. Du magst keine Massen. Du weißt zwar, dass das mit dem Pensionsalter schlimm ist, aber andererseits hast Du die Rente schon lange abgeschrieben. Du bist halt klarsichtig. Du siehst die Sachen global: von weiter oben eben. Von weiter weg. Du sagst, wir bräuchten Dich nicht. Dass Du alleine nicht viel ausmachen würdest. Du siehst uns also unter den Fenstern deines Unternehmens, das Du hasst, vorbeiziehen und Du arbeitest weiter, völlig sinnlos, um ein immer mickrigeres Gehalt zu bekommen. Und Du unterstützt uns. Aus aller Kraft, Kamerad! Doch im Kampf, das weißt Du Kamerad, zählt jeder Soldat. Du weißt auch, auch wenn Du es nicht gerne zugibst, dass wir uns im Klassenkampf befinden, einem sozialen Krieg. Und genau wie alle Menschen, die unten vorbeiziehen, hast du verstanden, dass die Gegenseite keine Gefangenen macht. Du weißt, dass wir ab jetzt nicht verlieren dürfen. Du weißt, Kamerad, dass wenn wir jetzt nachgeben, sie uns morgen erledigen werden. Sie werden uns an den Rand des Grabes bringen, Kamerad, dies ist nur die Spitze des liberalen Eisbergs, nur eine Etappe zum wahren Ziel der Regierenden: die Rückkehr zur der schönen Zeit von Zola, wo wir nichts und sie alles hatten. Du siehst sie auch, Kamerad, wie sie unsere sozialen Errungenschaften wie Geier auseinandernehmen, erregt vom Geruch der Armut und des Unglücks der Ausgebeuteten. Du hast noch so viel zu verlieren, Kamerad, dass Du Dich noch weigerst, auf die Straße zu gehen. Du hast so viel zu verlieren und sie sehen nur Dinge, die sie Dir wegnehmen können. Und sie werden es tun. Nach und nach. Bis dass Du nichts mehr hast, bis nichts von dem übrigbleibt, was Du über so viele Jahre aufgebaut hast. Es geht nicht nur um die Rente, Kamerad. Das weißt Du ganz genau. Es geht um ein Weltbild, um die Entscheidung, welche Gesellschaft wir wollen. Die Mächte des Geldes haben beschlossen, dass sie nicht länger den Armen Krümel überlassen wollen, nur im ihre Ruhe zu haben. Es sind unsere Ausbeuter, die beschlossen haben, dass wir Störenfriede sind, dass es zu viele von uns gibt, dass wir sie davon abhalten, sich wie Schweine im Überfluss zu rollen. Jetzt wollen sie uns alles wieder wegnehmen: das Recht, sich von den Mühen eines arbeitsreichen Lebens auszuruhen, das Recht nicht in Armut zu altern, das Recht, gepflegt zu werden, das Recht auf Bildung, das Recht, vernünftig ernährt zu werden, das Recht auf angemessene Unterkunft, das Recht auf ein anständiges Leben. All dies weißt Du, Kamerad, der Du uns vor deinem klimatisierten Käfig vorbeiziehen siehst. Du weißt all dies und Du unterstützt uns. Aber das reicht nicht mehr, Kamerad. Wenn wir nachgeben, sind wir verloren. Sie lauern bereits, das restliche, ungeheuerliche Programm steht bereit: noch ein weiterer Arbeitstag, für die Alten1, noch weniger Leistungen, noch weniger Subventionen, noch mehr Steuern, die die Armen am härtesten treffen, noch mehr Budgetschnitte, noch mehr Sozialabbau, noch mehr, noch mehr, noch mehr, wie eine Litanei, noch mehr, noch mehr, wie Blut, das langsam die Pflastersteine runterfließt, noch mehr, noch mehr, wie beim Reißen der Beute, noch mehr, noch mehr... Du weißt, dass wir nah dran sind, Kamerad. Wir sind schon seit ein paar Jahren da. Und jetzt dürfen wir nicht nachgeben. Wir haben den Punkt erreicht, an dem es um die Niederlage auf offenem Feld geht. Wenn wir jetzt verlieren, Kamerad, werden die uns lebendig häuten. Es bleibt keine Zeit mehr für Rumreden. Keine Zeit mehr für Strategien. Keine Zeit mehr für Neutralität. Wähle deine Seite, Kamerad: Entweder Du bist mit uns auf der Straße oder Du fütterst weiter die Hand, die Dich langsam erwürgt!
Anmerkung der Editoren: 1 Im Zuge der Hitzewelle im Jahre 2003, die Tausenden von Franzosen, grösstenteils Senioren, das Leben kostete, hat die Regierung einen "Solidaritätstag" eingeführt. Der Pfingstmontag, der früher als Feiertag galt, ist jetzt ein nicht bezahlter Arbeitstag. Das Geld dient dazu, Pflege für Senioren und Behinderte zu finanzieren. Ein Politiker der UMP fordert nun die Einführung eines zweiten "Solidaritätstages".
[/caption] Unermüdlich kehren sie in den Kampf zurück. Alle 15 Tage. Dann jede Woche. Und jetzt sogar am Wochenende. Sie gehen hin. Trotz allem. Wegen allem. Entschlossen. Voller Freude. Angriffslustig. Sie sind da. Natürlich gibt es die Stammkunden der Pflastersteine. Wie eine große Bruderschaft. Demo um Demo treffen sie sich immer wieder, als würden sie vom Instinkt getrieben. Es sind die alten Linken, die müden 68er, das Haar ist unter dem Harnisch des permanenten Kampfes ergraut, und sie machen weiter gegen die Ordnung mobil, die zerschmettert, die nagt, die sich Stück für Stück alles wieder einverleibt, was die Veteranen nach intensiven und verbitterten Auseinandersetzungen errungen hatten. Ich erinnere mich an gewisse Wahlabende, bei denen man zu fünft um einen Tisch saß, im Halbdunkel eines leeren Gemeindesaals. Und an ein paar desillusionierte Märsche, immer weiter gehend, ein paar arme Schweine, die dem schlechten Wetter trotzten. Die Veteranen des Kampfes. Die Grabenkämpfer des Neins. Die ewigen Militanten, die auch mit dem Chemo-Tropf am Start wären, wenn es sein muss, egal, man muss dabei sein und basta! Immer auf der falschen Seite. Bei denen, die nicht an der Macht sind. Die Seite des Volkes. Der Mob, der diejenigen, die regieren sollten, nervt und beängstigt. Natürlich sind da auch die Jugendlichen. Mit ihrem ungeheuren Enthusiasmus. Ihr Widerspruchsgeist. Ihr Spaß an der Auseinandersetzung. Ihre Lust zu existieren, gehört zu werden, als volle Bürger zu zählen. Nicht immer ganz auf dem Laufenden, was die Subtilitäten des politischen Denkens angeht, aber oft weit klarsichtiger, sachbezogener als die alten Säcke denken. Sie geben nicht nach. Sie bleiben immer auf dem Platz, nachdem die alten Militanten sich schnell verzogen haben, um zu ihrem normalen Leben zurückzukehren. Sie lieben es, das Chaos in die Länge zu ziehen, es andauern zu lassen. Sie versuchen nicht, dahin zu kommen wo die Action ist: Sie spornen die Menge an, lassen sie tanzen und schreien. Sie haben das Leben vor sich und wollen es nicht entgleiten lassen. Sie sind unsere Zukunft und sie können nicht fliehen. Und dann gibt es die Neuen. Zahlreich. Immer mehr. Die schweigende Mehrheit, die beschlossen hat, dass sie genug hat. Die Masse derjenigen, die dachten, dass die Politik sie nichts angeht. Bis dass die Politik anfing, sich um sie zu kümmern. Sie verfolgte. In ihrem Wohnzimmer. Am Arbeitsplatz. Sogar während der Einkäufe im Supermarkt. Vor der Schule der Kinder. Diejenigen, die endlich begriffen haben, dass die aktuelle Politik kein Erbarmen kennt, keine Gefangenen macht. Diejenigen, die die Krise voll zu spüren bekommen. Die Gehälter schwanken, die Stellen verschwinden, die Arbeitslosigkeit zeigt ihre Fratze, die Gesundheit wird teuer, die Schule geht kaputt. All diese falschen Versprechungen, an die nur diejenigen gebunden sind, die daran geglaubt haben. All dieses hohle Gerede, das gegen eine soziale Wirklichkeit prallt, die man nicht länger leugnen kann. Und dann kommt der berühmte Tropfen: zwei Jahre länger arbeiten, für wenig Geld. Der Wassertropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, ein Fass voller Frust. Sie hatten es einfach satt, sie haben einen Urlaubstag genommen, ihre Kinder an die Hand genommen und sind zu den Demos gegangen. Allgemeines Schnauze-Voll. Totale Weigerung, auch nur das kleinste bisschen nachzugeben. Weigerung, benutzt zu werden, sich einzuordnen. Totale Weigerung. Massendynamik. Und dann gibt es alle anderen. Die 71 %, die einfach alles satt sind, die wollen, dass alles in die Luft geht, die wollen, dass sich was ändert, die sich was anderes wünschen, die aber ihre Kumpels die Drecksarbeit machen lassen. An die wende ich mich. An Dich
. Ich verstehe dich. Du hattest immer einen guten Grund, nicht hinzugehen, auch wenn Du die Bewegung aus vollem Herzen unterstützt, mit voller Kraft. Du hast einen Job. Du hast aber Angst, ihn zu verlieren. Oder Du bist unersetzbar. Ich habe Dir bereits gesagt, dass beim Arbeitsamt die Datenbanken voll von unersetzbaren Menschen sind. Du hast eine Familie. Und keiner kann auf Deine Kinder aufpassen. Du hast keine Arbeit mehr. Du brauchst dein Gehalt. Du musst deinen Hauskredit zurückzahlen, deine Bank lässt nicht locker. Und außerdem sind in Deiner Branche die "Roten", die Gewerkschafter, die Großmäuler, die Chaoten, all diese Leute verdammt schlecht angesehen. Du bist die Reservearmee. Du wartest darauf, dass alles in die Luft fliegt, um Dich auch in die Arena zu stürzen. Jetzt aber findest Du die kleinen Ausflüge im Stadtzentrum noch nicht so toll. Außerdem magst du nicht die alten Militanten, die sturen Gewerkschafter, unbeaufsichtigte Kinder und die Schreier mit ihren Transparenten. Du magst keine Massen. Du weißt zwar, dass das mit dem Pensionsalter schlimm ist, aber andererseits hast Du die Rente schon lange abgeschrieben. Du bist halt klarsichtig. Du siehst die Sachen global: von weiter oben eben. Von weiter weg. Du sagst, wir bräuchten Dich nicht. Dass Du alleine nicht viel ausmachen würdest. Du siehst uns also unter den Fenstern deines Unternehmens, das Du hasst, vorbeiziehen und Du arbeitest weiter, völlig sinnlos, um ein immer mickrigeres Gehalt zu bekommen. Und Du unterstützt uns. Aus aller Kraft, Kamerad! Doch im Kampf, das weißt Du Kamerad, zählt jeder Soldat. Du weißt auch, auch wenn Du es nicht gerne zugibst, dass wir uns im Klassenkampf befinden, einem sozialen Krieg. Und genau wie alle Menschen, die unten vorbeiziehen, hast du verstanden, dass die Gegenseite keine Gefangenen macht. Du weißt, dass wir ab jetzt nicht verlieren dürfen. Du weißt, Kamerad, dass wenn wir jetzt nachgeben, sie uns morgen erledigen werden. Sie werden uns an den Rand des Grabes bringen, Kamerad, dies ist nur die Spitze des liberalen Eisbergs, nur eine Etappe zum wahren Ziel der Regierenden: die Rückkehr zur der schönen Zeit von Zola, wo wir nichts und sie alles hatten. Du siehst sie auch, Kamerad, wie sie unsere sozialen Errungenschaften wie Geier auseinandernehmen, erregt vom Geruch der Armut und des Unglücks der Ausgebeuteten. Du hast noch so viel zu verlieren, Kamerad, dass Du Dich noch weigerst, auf die Straße zu gehen. Du hast so viel zu verlieren und sie sehen nur Dinge, die sie Dir wegnehmen können. Und sie werden es tun. Nach und nach. Bis dass Du nichts mehr hast, bis nichts von dem übrigbleibt, was Du über so viele Jahre aufgebaut hast. Es geht nicht nur um die Rente, Kamerad. Das weißt Du ganz genau. Es geht um ein Weltbild, um die Entscheidung, welche Gesellschaft wir wollen. Die Mächte des Geldes haben beschlossen, dass sie nicht länger den Armen Krümel überlassen wollen, nur im ihre Ruhe zu haben. Es sind unsere Ausbeuter, die beschlossen haben, dass wir Störenfriede sind, dass es zu viele von uns gibt, dass wir sie davon abhalten, sich wie Schweine im Überfluss zu rollen. Jetzt wollen sie uns alles wieder wegnehmen: das Recht, sich von den Mühen eines arbeitsreichen Lebens auszuruhen, das Recht nicht in Armut zu altern, das Recht, gepflegt zu werden, das Recht auf Bildung, das Recht, vernünftig ernährt zu werden, das Recht auf angemessene Unterkunft, das Recht auf ein anständiges Leben. All dies weißt Du, Kamerad, der Du uns vor deinem klimatisierten Käfig vorbeiziehen siehst. Du weißt all dies und Du unterstützt uns. Aber das reicht nicht mehr, Kamerad. Wenn wir nachgeben, sind wir verloren. Sie lauern bereits, das restliche, ungeheuerliche Programm steht bereit: noch ein weiterer Arbeitstag, für die Alten1, noch weniger Leistungen, noch weniger Subventionen, noch mehr Steuern, die die Armen am härtesten treffen, noch mehr Budgetschnitte, noch mehr Sozialabbau, noch mehr, noch mehr, noch mehr, wie eine Litanei, noch mehr, noch mehr, wie Blut, das langsam die Pflastersteine runterfließt, noch mehr, noch mehr, wie beim Reißen der Beute, noch mehr, noch mehr... Du weißt, dass wir nah dran sind, Kamerad. Wir sind schon seit ein paar Jahren da. Und jetzt dürfen wir nicht nachgeben. Wir haben den Punkt erreicht, an dem es um die Niederlage auf offenem Feld geht. Wenn wir jetzt verlieren, Kamerad, werden die uns lebendig häuten. Es bleibt keine Zeit mehr für Rumreden. Keine Zeit mehr für Strategien. Keine Zeit mehr für Neutralität. Wähle deine Seite, Kamerad: Entweder Du bist mit uns auf der Straße oder Du fütterst weiter die Hand, die Dich langsam erwürgt!Anmerkung der Editoren: 1 Im Zuge der Hitzewelle im Jahre 2003, die Tausenden von Franzosen, grösstenteils Senioren, das Leben kostete, hat die Regierung einen "Solidaritätstag" eingeführt. Der Pfingstmontag, der früher als Feiertag galt, ist jetzt ein nicht bezahlter Arbeitstag. Das Geld dient dazu, Pflege für Senioren und Behinderte zu finanzieren. Ein Politiker der UMP fordert nun die Einführung eines zweiten "Solidaritätstages".
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