Die deutsche Wiedervereinigung und die Ampelmännchen

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Bei einer Pressekonferenz am 22. September 2010 hat der deutsche Innenminister (CDU),  Thomas de Maizière, das Fazit der deutschen Wiedervereinigung gezogen. Fast zwanzig Jahre nach dem Beitritt der DDR "zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland" ist die Schlussfolgerung global gesehen positiv, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Welches Symbol könnte sich besser dazu eignen, die Fortschritte und Wenden darzustellen, als die Geschichte des kleinen Mannes, der die Straßenampeln schmückt?

Der 3. Oktober (Tag, an dem die Wiedervereinigung gefeiert wird) naht und die Koalition legt klar den Fokus auf die Fortschritte. So nimmt die Arbeitslosigkeit im Osten ab, die Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West ebenfalls. Nichtsdestotrotz sind zahlreiche Kindergärten und Schulen im Westen nicht den ganzen Tag geöffnet, obwohl das in der DDR oft der Fall war und ist. Das ist ein wichtiges Hindernis für Frauen, die einer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Dieses Beispiel ist symptomatisch dafür, dass der Westen oft als Norm gilt.

Dies war ebenfalls der Fall bei der Harmonisierung der Straßenampellichter. Im Westen und im Osten wurden unterschiedliche Figuren benutzt, die den Fußgängern anzeigten, ob sie überqueren durften oder nicht. In den 90er Jahren wurde die Entscheidung getroffen, dass die Figuren aus dem Westen als Modell gelten sollten. Dies führte zu einem Aufschrei und ein Komitee zur Erhaltung des Ampelmännchen wurde geschaffen. Ein Jahr später erreichte man, dass die Regierung beide Modelle gleichermaßen akzeptierte.

So ziert der sympathische Mann mit Hut, den es in zwei Versionen gibt — in grün, mit enschlossenem Schritt und in rot beim Stehen mit waagerecht ausgestreckten Armen — auch weiterhin die ostdeutschen Straßenampeln. Als Zeichen der Versöhnung haben manche Städte im Westen ihn für sich entdeckt und strategisch wichtige Kreuzungen in West-Berlin sind ebenfalls dazu übergegangen.

Er ist sogar zum Marketing-Produkt geworden, seitdem die Lizenz - nicht ganz ohne Probleme - von einem Westdeutschen erworben wurde. Dieser hat mit einem Designer ein Unternehmen gegründet, das heute sehr erfolgreich ist. Die Präsentation ist auch in Französisch erhältlich. Der symbolträchtige Mann mit Hut ist heute eine regelrechte Marke geworden, die man auf vielen Produkten findet. Gekauft werden diese von Touristen und Deutschen, die von Ostalgie ergriffen sind (Nostalgie des Ostens). Das Männchen macht sogar dem Berliner Bären, Symbol der deutschen Hauptstadt, Konkurrenz.

Die bewegte Geschichte dieses Männchens ist ein witziges Lehrstück, um die Spannungen anhand dessen man die Herausforderungen nachvollziehen kann, die ein derartiger geopolitischer Akt mit sich bringt. Wenn ihr das nächste Mal in Deutschland seid, vergesst nicht zu schauen, bevor ihr die Straße überquert !
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D
Viel mehr als das Ampelmännchen ist von der DDR-Indentität nicht übriggeblieben.
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