Französischer Blogger: Der Liberalismus ist das Gute.
[caption id="attachment_1890" align="alignright" width="254" caption="Frédéric Bastiat. Bild: Wikimedia"]
[/caption]Man kann keinen politischen oder wirtschaftsbezogenen Artikel lesen, ohne dass der Liberalismus an den Pranger gestellt wird.
Es ist auffällig, wie sehr die feurigen Schmähreden gegen den Liberalismus es nicht schaffen, die Nichtigkeit der Vorschläge zu verdecken (wenn überhaupt welche gemacht werden!).
In unserer intellektuellen Gesellschaft ist es nicht möglich, Überlegungen gegen die Missbräuche zu führen, ohne "Schimpfwörter" zu nutzen, die auf "-ismus" enden.
Der Liberalismus ist somit zum Sündenbock für all unsere Plagen geworden. Die Missbräuche sind keine Konsequenz des Liberalismus, sondern ein Ergebnis von fehlender Transparenz und mangelndem Wettbewerb sowie der Verachtung der Machtnetzwerke gegenüber Individuen.
Wenn es eine Denkweise gibt, die pragmatisch und vernünftig ist, dann ist es genau diese. Überall auf der Welt wo es den Leuten schlecht geht, ist es nicht die Schuld des Liberalismus, sondern der Elitenkorruption und der Machenschaften zwischen Politik und Wirtschaft. Der Liberalismus, der Körperschaften* als Gegengewicht zum Staat unterstützt, verteidigt Freiheit und Vereinigungsrecht. Er eignet sich also bestens dafür, Diktaturen und Tyranneien aller Art zu bekämpfen.
Da der Liberalismus das Individuum in den Mittelpunkt der politischen Aktion stellt, verteidigt er die Rechte der Minderheiten und gedeiht nur in einem Rechtssystem - die Conditio sine qua non, um individuelle Freiheit auszuüben.
Es gibt natürlich mehrere Traditionen innerhalb des Liberalismus und sehr oft verwechselt der duchschnittliche Websurfer zu unrecht den klassischen Liberalismus und die österreichische Schule (die unter anderem Liberale beeinflusst hat). Es ist übrigens amüsant festzustellen, dass der liberale Politiker Frédéric Bastiat, der von den französischen Liberalen geradezu verehrt wird, in den Rängen der Linken saß. Wir verdanken ihm ein paar starke Aussagen :
"Es gibt zu viele Große Männer auf der Welt; es gibt zu viel Gesetzgeber, Organisatoren, Gesellschaftslehrer, Volksführer, Staatsväter, usw. Zu viele Menschen stellen sich über die Menschen, um sie zu regieren, zu viele Menschen machen ein Geschäft daraus, sich um die Menschheit zu kümmern."
Das gefällt mir sehr. Aber mir gefällt noch mehr seine Petition der Kerzenhersteller, die darauf bestanden, gegenüber einem ausländischem, viel günstigerem Konkurrenten geschützt zu werden: der Sonne ! Und die Hersteller verlangten vom Staat ein Dekret, demzufolge alle Fenster und Luken geschlossen werden sollten...
Dieser eingefleischte Individualist kämpfte gegen jede Form der staatlichen Mutualisierung (unsere heutige Sozialversicherung hätte er wahrscheinlich zum Kotzen gefunden...). Gleichzeitig setzte er sich gegen die Todestrafe ein und kämpfte gegen Sklaverei und für das Recht auf Gewerkschaften.
Ich finde mich in den Thesen von Bastiat nicht wieder, sie sind meiner Meinung nach zu radikal, aber ich mag den Menschen. Er verkörpert meiner Meinung nach die unterschiedlichen liberalen Schulen, das was Tocqueville der Demokratie vorwirft: Wenn sich Individuen nur noch um sich selbst kümmern, um ihr Wohlsein und ihre privaten Interessen, löst sich das demokratische Gefühl auf, denn dieses nährt sich von der Stärke des sozialen Netzes. Ein ungebremster Individualismus führt also früher oder später zur Auflösung des sozialen Gebildes.
Ich füge hinzu, dass das Grundprinzip des Liberalismus Folgendes ist: Jede Form der Unterwerfung des Individuen, egal wo er herkommt, abgelehnt wird. Eine liberale Politik, die diese Bezeichnung verdient, hat zum Ziel, die Individuen zu emanzipieren, nicht eine Abhängigkeitsform durch eine andere zu ersetzen. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl und Weitsichtigkeit. Zwei Eigenschaften, die unsere Politiker nur spärlich besitzen...
Anmerkung der Editoren:
*Als Körperschaften, "corps intermédiaires", bezeichnete Montesquieu ein Netzwerk von unabhängigen Institutionen, die die gesellschaftliche und staatliche Sphäre miteinander verbinden.
Werbung