iPad: Gibt es mehr als nur Ästhetik?

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Letzten Freitag hat Apple das iPad in Frankreich rausgebracht. Seit 4 Wochen habe ich jetzt das aus dem Büro, das mich oft zum Lachen bringt. Die Szene spielt sich meistens so ab:

[caption id="attachment_655" align="alignright" width="300" caption="Foto: Tristan Nitot / Creative Commons Lizenz"][/caption]

Ich komme an, entspannt, das iPad unterm Arm, sehe jemanden und rufe:  "Na, hast du schon mal ein iPad gesehen?"

Man verneint, mit Fragezeichen in den Augen…

Ich zeige das Gerät, und gr0ßzügig wie ich bin, händige ich es aus, veranschauliche und zeige wo man klicken muss, um die spektakulärsten Apps zu starten (Safari, Karten und Photos) und lasse die Person 3 Minuten lang spielen.

Dann gibt man das Teil mit Bedauern zurück, Speichel auf den Lippen und immer die gleiche Frage : "Also Tristan, was hältst du vom iPad ?"

Und ich antworte dann mit großem Ernst: "die reinste Scheisse !"

Nachdem ich den Gesprächspartner derart geschockt habe, ist es natürlich schwer für mich, ernst zu bleiben. Klar, das iPad ist super. Handling, Interface, Geschwindigkeit, alles ist umwerfend. Aber wenn man sich erstmal die Hälfte eines Mindestlohns hat abluchsen lassen, um die "Zukunft der Informatik" in den Händen zu halten, bleibt die Frage, was man eigentlich anfangen kann mit dem iPad, diesem Riesen-iPod Touch, das uns in die Welt der CD-Roms zurückbeamt…

Was mich beim iPad stört, ist gerade seine Schönheit, dass es eine neue materielle Plattform etablieren wird, da wo andere gescheitert sind. Was mich traurig macht, ist dass Apple, das den Konsumenten im Jahr 1977 mit dem Apple II die Macht gab, mit dem Mac 1984 weitermachte und eine Maschine für die Kreativen entwarf, heute nun mit dem iPad seine Kunden einsperren möchte, um sie mit kostenpflichtigem, digitalem Content zu füttern. Gleichzeitig gibt die Firma vor, DRMs zu hassen...

[caption id="attachment_654" align="alignleft" width="300" caption="Foto: Luc Legay / Creative Commons Lizenz"][/caption]

Ich denke, dass das iPad Erfolg haben wird. Man muss kein Hellseher sein, um dies vorauszusagen: Das Produkt ist sexy, das Verlangen nach dem Gerät wurde durch die Presse verstärkt, die in Apple den Retter des kostenpflichtigen Modells sieht. So wurden in zwei Monaten zwei Millionen iPads verkauft.

Aber was mir beim iPad von Apple nicht gefällt, ist die Richtung, in die wir uns bewegen, als Gesellschaft, in der der Konsument nur noch konsumieren soll, wo Nachdenken und Kreativität verboten sind, wo ein Wächter entscheidet, was gut ist und was er euch erlaubt, zu nutzen. Und das ist ziemlich das Gegenteil einer Gesellschaft, wie man sie sich wünscht, als Vater, digitaler Weltbürger, Aktivist und Hersteller von digitalem Content.

Diese Übersetzung enthält nicht die Zitate aus einem anderen Blog, die im Original-Text erschienen. Die komplette Version dieses Eintrags gibt es hier: http://standblog.org/blog/post/2010/06/01/iPad-au-dela-de-l-esthetique
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Veröffentlicht in Frankreich

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