"La bise": Anleitung zu einem sehr französischen Ritual
Ach diese Franzosen und ihre komischen Angewohnheiten, die auch noch so schwer zu erlernen sind, ach herrje, diese transalpinen Gewohnheiten (auch wenn wir [Italiener] die „Transalpinen” für sie sind … na ja, das ist halt Ansichtssache!). Heute wollen wir uns mal mit la bise beschäftigen, dieser seltsamen Welt, die man auf jeden Fall kennen muss (wie auch viele andere Sachen) um nicht gleich als Dummkopf dazustehen, wenn man seine ersten Bekanntschaften in Paris macht! Zuerst fassen wir einmal den linguistischen Standpunkt zusammen (schauen Sie sich doch auch mal den Eintrag Curiosità linguistiche ed espressioni intraducibili (Linguistische Besonderheiten und nicht übersetzbare Ausdrücke) an, wo Sie eine ganze Reihe von Ansatzpunkten finden können). Bise: faire la —, einen kleinen Kuss geben; se faire la —, sich (gegenseitig) auf die Wangen küssen; (fig.) sich wieder vertragen; allez, on se fait la —?, vertragen wir uns wieder? … Vorsicht! Verwechseln sie das auf keinen Fall mit dem Verb baiser (siehe auch hier den Eintrag über die Ausdrücke). La bise ist eines jener Dinge, die zu den grundsätzlichen Voraussetzungen zählen, die man einfach kennen und anwenden können muss, wenn man in der Gesellschaft hier leben will. Ich versichere Ihnen, dass es wirklich nicht leicht zu lernen ist. Gerade in Paris angekommen, als kompletter Grünschnabel und Studentin, die gerade mal ein paar grundlegende Ausdrücke in Pariserisch kann (was sich von unserem Schulfranzösisch schon sehr unterscheidet), bin ich an der Universität unter ca. 15 Einheimischen als einzige Ausländerin und stelle mich allen vor. Als brave Italienerin strecke ich die rechte Hand aus, setzte mein freundlichstes Lächeln dazu auf und warte auf den Händedruck meines Gegenübers. Aber es geht dann ganz anders: Mein Gegenüber verschmäht die Hand, kommt meinem Gesicht gefährlich nahe und küsst mich rechts und links auf die Wange und sagt “enchanté!”. In dem Moment war ich wie geschockt, dann machten auch die anderen genau dasselbe und es wird mir klar, dass man hier auf keinen Fall die Hand gibt, um sich vorzustellen (und das gilt ganz besonders unter Frauen)! Ich habe schon einige Zeit gebraucht, bis ich mich daran gewöhnt habe, weil ich automatisch den Arm zum Händeschütteln ausstreckte und wirklich seltsame und zum Teil abweisende Blicke erntete, weil das Hände geben eher negativ angesehen wird. Dann habe ich mich an diese 1001ste Angewohnheit gewöhnt und habe aufgehört, um jeden Preis die Hand geben zu wollen. Der nötige Sicherheitsabstand wurde eingehalten und ich habe beim bise mitgemacht… was… na ja genau gesagt… ich mag das gar nicht und auch in Italien war ich schon immer gegen das „bacetto” (Küsschen)! AdE Hier eine Online-Karte, die zeigt, wie viele "bise" es in der Regel in verschiedenen Gegenden Frankreichs gibt!
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