Ryanair: wie man 1.000 Arbeitsstellen in Frankreich kaputt macht

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Es gibt eine sehr effektive Methode, um Arbeitsplätze in Frankreich kaputt zu machen und diese Methode kann, auf sehr praktische Art und Weise, sowohl individuell, als auch innerhalb eines Unternehmens oder besser noch eines Landes angewandt werden.

Das Ganze funktioniert in zwei Schritten.

Erst muss man das natürliche Bindemittel benutzen, das in Frankreich bei jeder Vorbereitung - ob kulinarisch oder sozial - verwendet wird: der staatliche Zuschuss.

Hier kann ich ein Beispiel einbringen, das in Marseille stattfand, eine Stadt, die nicht nur reizbare Dockarbeiter beherbergt.

Damit ein Low Cost Unternehmen in Frankreich ansässig wird, müssen der Staat, die Region und die Gemeinde das Ganze ordentlich subventionieren.  Ryanair, ein low-cost Unternehmen, hat viel von diesen Zuschüssen profitiert, sich niedergelassen und so direkt und indirekt 1.000 Stellen in der Gegend um Marseille geschaffen.

Zweitens muss man die Gewerkschaften in die Sache mit einbeziehen. Man braucht sie auch nicht lange zu bitten, sobald Geld im Spiel ist, sind sie schnell da.

Die Gewerkschaftler haben es also für clever gehalten, sich für die Stellen dieser Arbeitnehmer stark zu machen… indem sie eine Klage wegen Scheinarbeit gegen Ryanair vor Gericht gebracht haben. Das Unternehmen benutzt nämlich Arbeitsverträge, die auf dem irischen und nicht dem französischen Recht beruhen.

Ende September wurde also vom Gericht in Aix-en-Provence Anklage gegen das Unternehmen erhoben.

Und jetzt wird die Methode interessant: Die Gewerkschaften haben gewonnen! Die Arbeitsverträge werden so oder so nichtig. Ein totaler Sieg : Ryanair wird seine Sachen packen und das Land komplett verlassen. Toll gemacht und danke an [die Gewerkschaften] FO, CGT und alle anderen. Jetzt fangen manche an, zu verstehen, dass der Unternehmensleiter nicht spaßt und dass das Ganze nun zu Ende gehen wird.

Diese Geschichte ist in mehrerlei Hinsicht unglaublich.



A – Die klebrige Freude an den Zuschüssen

Man sieht, wie Politiker (die sich die Hände reiben, wenn sie "Arbeitsplätze schaffen" können), bereit sind, Geld ohne Ende auszugeben, Geld der Steuerzahler, um ihre Ziele zu erreichen. Denn eigentlich sind die Subventionen an Ryanair nichts anderes, als ein Trick, um die Arbeitsplätze von einigen Menschen von einer ganzen Nation finanzieren zu lassen. Gut gemacht, oder?

Man versteht schnell, dass der Bürgermeister sich über 1.000 Arbeitsstellen freut und es ihm auch egal ist, wenn dies 1.000 Stellen anderswo zerstört! Das ist zwar ökonomischer Schwachsinn, wahltechnisch lohnt es sich.



[caption id="attachment_10814" align="alignright" width="307" caption="Photo : Drewski2112, Flickr, sous licence CC"][/caption]

B – Die diffuse Freude an Sodomie

Wenn die Stellen erst mal geschaffen sind, wenn man sich an die Lage angepasst hat und der lokale Nutzen da ist, gewöhnen sich alle an das gute Geld, das in die Tasche fällt, ohne sich groß Sorgen machen zu müssen. Man denkt nicht viel über die heikle Situation nach, in die man sich begeben hat, mit gehobenen Hintern und ziemlich anfällig.

Da die Gesundheit der Wirtschaft in der Gemeinde ein wichtiges Argument für den Politiker ist, der stets nach Unterstützung in der Bevölkerung sucht, darf sich daran nichts ändern. Er hat absolut alles getan, um sich in diese Lage zu begeben: Er wird sich mehr oder weniger dem Willen des Unternehmens beugen müssen.

Aber das fantastischste Niveau wird erreicht, wenn man die Jagdhunde des Arbeitnehmerschutzes ins Spiel bringt und so die Situation des Dominierenden und Dominierten mit kleinen Peitschhieben eine ganz neue Dimension bekommt.

Man kann sich in der Tat fragen, was sich in den Köpfen der "Kommissaires Aux Zakissocios" ["Kommissare der sozialen Errungenschaften"] abspielt, wenn man sich vorstellt, dass die Klage dazu führte, dass das französische Recht sich durchsetzte. Und zack, Laden dicht!

Tolle Beschreibung einer "lose-lose" Situation in der absolut alle eine Tracht Prügel beziehen:

• Das Unternehmen Ryanair wird Marktanteile verlieren und wahrscheinlich Geld, aufgrund der Entschädigungen und Strafzahlungen (obwohl: mit dem europäischen Recht ist das nicht so sicher).
• Der Bürgermeister von Marseille wird sicherlich Wähler verlieren, auf jeden Fall aber Unternehmenssteuern.
• Die Angestellten werden sich eine andere Firma suchen müssen, vielleicht in einem anderen Land, einen anderen Beruf oder eben Arbeitslosengeld beziehen.
• Angesichts dieses Erfolgs werden die Gewerkschafter aus Marseille es schwer haben, zu behaupten, sie würden Arbeitsstellen schützen. Mit solchen Gewerkschaften braucht man keine schlechten Schurkenfirmen.
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Veröffentlicht in Frankreich

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