Arbeitslosenversicherung: Ein neues Modell muss her

Veröffentlicht auf von Katharina Heidrich

Stellt Euch vor, eine spanische Linkspartei entscheidet aufgrund der steigenden Kosten des öffentlichen Gesundheitswesens, die folgende Reform durchzuführen: Von nun an werden die Arbeitgeber einen Teil der Arztkosten ihrer Angestellten zahlen. Letztendlich verfügen die Kapitalisten über Geld und Macht und haben ein eigenes Interesse daran, dass ihre Arbeiter stark und gesund sind.

[caption id="attachment_1106" align="alignright" width="400" caption="Der Präsident der Partido Popular, Ignacio Diego. Foto: Populares de Cantabria / Creative Commons Lizenz"][/caption]

Es ist nur gerecht, dass diejenigen, die Geld haben, für die Arzneimittel ihrer Angestellten aufkommen, umso mehr wenn man in Betracht zieht, wie viele dieser Firmen mit gefährlichem Material handeln.

Die Regierung würde die Arbeitgeber dazu verpflichten, all ihren Festangestellten eine Krankenversicherung zu zahlen. Die Angestellten mit zeitlich befristeten Verträgen würden nicht unter diese Regelung fallen, dennoch Geld für Aspirin und Kinderarztkosten erhalten. Dieses System wäre sehr redistributiv, so würden die linken Stimmen sagen, da die bösen ausbeuterischen Arbeitgeber ausschließlich für die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer zahlen würden.

Dies alles klingt absurd, oder? Wir alle wissen, wie “gut” das amerikanische Gesundheitssystem funktioniert und wie “gerecht” es ist. Ein soziales Schutzmodell dieser Art, welches einen Teil der Gesundheit der Arbeiter privatisiert und in die Hände der Arbeitgeber legt, ist unglaublich regressiv und führt zu einer beträchtlichen Unterteilung zwischen Insidern und Outsidern. Auch wenn dies noch so absurd erscheint, verteidigt ein großer Teil der spanischen Linken ein solches System und rechtfertigt dies mit der Verteidigung der Rechte der Arbeitnehmer.

Nehmt die obige Beschreibung und tauscht die Wörter “Krankenversicherung” oder “Gesundheitswesen” durch “Arbeitslosengeld” aus. Der spanische Arbeitsmarkt besteht im Wesentlichen aus teilweise privatisierten Arbeitslosenleistungen, wobei die Festangestellten vom Arbeitgeber einen beträchtlichen Prozentsatz ihrer sozialen Absicherung erhalten. Ein unbegrenzter Arbeitsvertrag entspricht in etwa einer zusätzlichen freiwilligen Steuer, welche einen Teil der Arztkosten deckt – es wundert mich nicht, dass es so wenige Arbeitgeber gibt, die Abkommen wie dieses unterzeichnen möchten.

Etwas wie ein Recht zu verteidigen, das definitiv ein Privileg ist (eine Kaste der Arbeitnehmer hat Zugang zu einer vollständigen privaten Krankenversicherung) will einfach nicht in meinen Kopf. Es ist offensichtlich, dass die Arbeitgeber einen Teil der Kosten im Falle einer Kündigung zahlen müssen (da es sich hierbei um einen externen negativen Effekt handelt). Umso offensichtlicher ist es jedoch, dass dies durch eine Steuer geschehen muss und man den Arbeitsmarkt nicht in unbefristete auf der einen und wertlose Arbeitsverträge auf der anderen Seite teilen sollte. Eine anständige Unterstützung der Arbeitslosen muss öffentlich sein und nicht privat – und sie muss jeden Einzelnen auf gleiche Weise abdecken.

Aber klar, wenn man sagt, dass jeder Einzelne Recht auf dieselbe soziale Absicherung hat, heißt das heutzutage gleich, dass man rechts ist. Es wundert mich nicht, dass die Partei “Partido Popular” dies mit solch einem Enthusiasmus verteidigt.
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Veröffentlicht in Politik

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