Vereinigtes Königreich: Sparen ist nicht immer schlecht
[caption id="attachment_8385" align="aligncenter" width="430" caption="Iain Duncan Smith, der britische Arbeits- und Rentenminister"]
[/caption] Jahrelang wurde das Sozialhilfesystem als Hindernis angesehen, das Menschen daran hindert, Arbeit zu finden. Es war in vielen Fällen finanziell nicht interessant, einer unterbezahlten, Teilzeit- oder unregelmäßigen Tätigkeit nachzugehen: Die "taper rate" (Der Beihilfeanteil, der gestrichen wird, sobald man gewisse Gehaltsschwellen überschreitet) und die Steuersätze führten oft dazu, dass in der Praxis viele Menschen mit Job nicht besser dran waren als ohne. Aber es gibt noch weitere Hindernisse zur Beschäftigung - Transportmangel, Mangel an bezahlbaren Kitas, Kompetenzen und Diskriminierung - und oft werden diese Problem bei Diskussionen um eine Reform des Sozialstaats wenig beachtet. Nichtsdestotrotz braucht man sich nicht vorzumachen, dass der unlogische und bürokratische Charakter des Wohlfahrtstaates bisher kein großes Problem war. Das System hat eine Reform dringend nötig. Das ist der Grund wieso der vorgeschlagene universelle einzelne Kredit 1 ein willkommener Schritte nach vorne ist. Es ist zwar nicht, wie manche behaupten, eine revolutionäre Reform, aber es ist dennoch eine dringend benötigte Entwicklung eines Systems, dass viel zu komplex und unlogisch geworden ist. Leider wurde der politischen Versuchung, Schlagzeilen durch autoritäre Maßnahmen zu machen, nicht widerstanden. Daher gibt es auch (zu recht) ernsthafte Sorgen in Bezug auf eine bestimmte Massnahme - die Idee, Beihilfeempfänger zeitweise zu manueller Arbeit zu zwingen. Es gibt ebenfalls ernsthafte Sorgen über die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen derzeit behandelt und falsch eingeordnet werden, und diese Sorgen wurden in den Vorschlägen nicht berücksichtigt. Desweiteren bleiben ein paar unbeantwortete Fragen: Wird der finanzielle Anreiz nicht dadurch verlagert, dass bei der Berechnung nicht jede Person einzeln, sondern der gesamte Haushalt berücksichtigt wird? Und wie werden sich die neuen Vorschläge auf den Wohnungsmarkt auswirken? Aber die bei weitem wichtigste Frage ist, ob die Reform weit genug geht. Die Absenkung der "taper rate" von über 90 Prozent auf 65 Prozent ist willkommen, bietet aber sicherlich keinen größeren Anreiz, Arbeit zu suchen, als der Status Quo. Denn wenn jemand den höchsten Einkommenssteuersatz auf 65 Prozent erheben würde, würden wir endlose Ausführungen zum Thema Laffer-Kurve hören. Man würde klagen, dass eine solche Maßnahme den Reiz, Arbeit zu suchen, beeinträchtigen würde. Dadurch, dass sich die Politiker nur um die "taper rate" kümmern, werden außerdem andere Hindernisse bei der Arbeitssuche außer Acht gelassen. Das Ganze wird auch noch durch herablassende Mahnungen nach dem Motto "Rappelt Euch endlich auf" schlimmer gemacht. Öffentliche Transportmittel müssen unbedingt mehr Finanzierung erhalten und arbeitsfreundlicher gestaltet werden (i.e.Fahrzeiten, die Schichten und Spätarbeit berücksichtigen). Außerdem sollte genügend Geld bereitgestellt werden, um Kitas für alle anbieten zu können (laut PWC würde das weniger als 3 Millionen Pfund kosten). Auch Ausbildung für Erwachsene und der Kampf gegen Diskriminierung bei der Arbeit sollten gefördert werden. Leute tendieren manchmal dazu, das bestehende System zu verteidigen, weil sie Einwände gegen die vorgeschlagenen Reformen haben. Das liegt auch daran, dass vorherige Reformversuche lediglich Sparmaßnahmen waren und keine wirklichen Strukturreformen. Der vorgeschlagene universelle Kredit gehört jedoch nicht in diese Kategorie. Wir sollten ihn als Startpunkt begrüßen und auf der Idee aufbauen, anstatt einen nicht akzeptablen Status Quo gut zu heißen.
Anmerkung der Editoren: 1 Universal single credit: Dieses System soll das Beihilfesystem für die arbeitsfähige Bevölkerung vereinfachen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich für den Empfänger jede zusätzliche Arbeitsstunde finanziell lohnt.
[/caption] Jahrelang wurde das Sozialhilfesystem als Hindernis angesehen, das Menschen daran hindert, Arbeit zu finden. Es war in vielen Fällen finanziell nicht interessant, einer unterbezahlten, Teilzeit- oder unregelmäßigen Tätigkeit nachzugehen: Die "taper rate" (Der Beihilfeanteil, der gestrichen wird, sobald man gewisse Gehaltsschwellen überschreitet) und die Steuersätze führten oft dazu, dass in der Praxis viele Menschen mit Job nicht besser dran waren als ohne. Aber es gibt noch weitere Hindernisse zur Beschäftigung - Transportmangel, Mangel an bezahlbaren Kitas, Kompetenzen und Diskriminierung - und oft werden diese Problem bei Diskussionen um eine Reform des Sozialstaats wenig beachtet. Nichtsdestotrotz braucht man sich nicht vorzumachen, dass der unlogische und bürokratische Charakter des Wohlfahrtstaates bisher kein großes Problem war. Das System hat eine Reform dringend nötig. Das ist der Grund wieso der vorgeschlagene universelle einzelne Kredit 1 ein willkommener Schritte nach vorne ist. Es ist zwar nicht, wie manche behaupten, eine revolutionäre Reform, aber es ist dennoch eine dringend benötigte Entwicklung eines Systems, dass viel zu komplex und unlogisch geworden ist. Leider wurde der politischen Versuchung, Schlagzeilen durch autoritäre Maßnahmen zu machen, nicht widerstanden. Daher gibt es auch (zu recht) ernsthafte Sorgen in Bezug auf eine bestimmte Massnahme - die Idee, Beihilfeempfänger zeitweise zu manueller Arbeit zu zwingen. Es gibt ebenfalls ernsthafte Sorgen über die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen derzeit behandelt und falsch eingeordnet werden, und diese Sorgen wurden in den Vorschlägen nicht berücksichtigt. Desweiteren bleiben ein paar unbeantwortete Fragen: Wird der finanzielle Anreiz nicht dadurch verlagert, dass bei der Berechnung nicht jede Person einzeln, sondern der gesamte Haushalt berücksichtigt wird? Und wie werden sich die neuen Vorschläge auf den Wohnungsmarkt auswirken? Aber die bei weitem wichtigste Frage ist, ob die Reform weit genug geht. Die Absenkung der "taper rate" von über 90 Prozent auf 65 Prozent ist willkommen, bietet aber sicherlich keinen größeren Anreiz, Arbeit zu suchen, als der Status Quo. Denn wenn jemand den höchsten Einkommenssteuersatz auf 65 Prozent erheben würde, würden wir endlose Ausführungen zum Thema Laffer-Kurve hören. Man würde klagen, dass eine solche Maßnahme den Reiz, Arbeit zu suchen, beeinträchtigen würde. Dadurch, dass sich die Politiker nur um die "taper rate" kümmern, werden außerdem andere Hindernisse bei der Arbeitssuche außer Acht gelassen. Das Ganze wird auch noch durch herablassende Mahnungen nach dem Motto "Rappelt Euch endlich auf" schlimmer gemacht. Öffentliche Transportmittel müssen unbedingt mehr Finanzierung erhalten und arbeitsfreundlicher gestaltet werden (i.e.Fahrzeiten, die Schichten und Spätarbeit berücksichtigen). Außerdem sollte genügend Geld bereitgestellt werden, um Kitas für alle anbieten zu können (laut PWC würde das weniger als 3 Millionen Pfund kosten). Auch Ausbildung für Erwachsene und der Kampf gegen Diskriminierung bei der Arbeit sollten gefördert werden. Leute tendieren manchmal dazu, das bestehende System zu verteidigen, weil sie Einwände gegen die vorgeschlagenen Reformen haben. Das liegt auch daran, dass vorherige Reformversuche lediglich Sparmaßnahmen waren und keine wirklichen Strukturreformen. Der vorgeschlagene universelle Kredit gehört jedoch nicht in diese Kategorie. Wir sollten ihn als Startpunkt begrüßen und auf der Idee aufbauen, anstatt einen nicht akzeptablen Status Quo gut zu heißen.Anmerkung der Editoren: 1 Universal single credit: Dieses System soll das Beihilfesystem für die arbeitsfähige Bevölkerung vereinfachen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich für den Empfänger jede zusätzliche Arbeitsstunde finanziell lohnt.
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