Belgien : Französisch verboten am Rand der "Hauptstadt Europas"

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Belgien ist ein Bundesstaat, der aus drei Regionen (Region Brüssel-Hauptstadt, Wallonien, Flandern) und drei Gemeinschaften (französisch-, niederländisch-, und deutschsprachig) besteht. Die französische Gemeinschaft (nun ja, so wird sie genannt) vereint die Französischsprachigen von Brüssel und der Wallonie; die Flämische Gemeinschaft fasst die Niederländischsprachigen von Brüssel und Flandern zusammen; die deutschsprachige Gemeinschaft fasst die 60 000 Deutschsprachigen im Osten der Wallonie, seitens Eupen und Malmedy zusammen. Ok, folgen Sie noch?

[caption id="attachment_247" align="alignright" width="300" caption="Foto: Pierofix / flickr / Creative Commons Lizenz"][/caption]

Das Herzstück dieser geopolitisch seltsamen Einrichtung ist Brüssel. Sie werden bemerkt haben, dass die beiden wichtigsten Gemeinschaften von Belgien in dieser Region, die sich als einzige Französisch-Niederländisch zweisprachige Region des belgischen Staates heraushebt, vertreten sind. Und gerade hier gibt es Krawall. In der Region Brüssel-Hauptstadt, die zudem aus 19 Gemeinden besteht, soll es 85% Frankophone und 15% Niederländischsprachige geben (obwohl die Einwanderung sowie die Präsenz von vielen Eurokraten die demographischen Daten der Stadt erheblich verändert hat, aber ich vereinfache, sonst würden Sie gar nichts mehr verstehen).
Das Gebiet der Region Brüssel-Hauptstadt befindet sich in der Gegend, die administrativ der Zuständigkeit Flanderns unterliegt. Mit anderen Worten, wenn Sie aus Brüssel hinaus wollen, müssen Sie unbedingt das flämische Gebiet durchqueren. Nur antworten Sie bestimmt "Wo zur Hölle ist das Problem, wir sind doch nicht im West-Berlin des ’Kalten Kriegs’!" Nein, sicher nicht, zum Glück, aber trotzdem ist es ein bisschen so, denn hier ist das Problem.
Flandern ist der Auffassung, dass die Region Brüssel historisch gesehen zu Flandern gehört und sogar seine Hauptstadt ist. Hingegen glauben die Brüsseler, unter denen sich nur eine Minderheit an Niederländischsprachigen befindet, dass Brüssel entweder Anspruch auf Autonomie hat, vor allem als "Hauptstadt Europas", oder zur Frankophonie gehört und deshalb nichts in Flandern verloren hat. Als Reaktion auf die Annexionsbestrebungen von Flandern fordern die Brüsseler auch das Recht, ihre Stadt bis zu den Gemeinden am Stadtrand zu erweitern, die verwaltungstechnisch flämisch sind, von denen aber einige von zahlreichen Frankophonen bewohnt werden, manchmal sogar mit überwältigender Mehrheit (z. B. die Gemeinde Linkebeek). Ganz nebenbei sollten Sie wissen, dass die Umgebung von Brüssel mit einigen "heiklen" französischen Vorstädten nichts gemein hat. Es ist vielmehr eine Oase des wohlhabenden Bürgertums.
Um dieses verworrene Bild noch komplizierter zu machen, sollten Sie wissen, dass manche Frankophone in einigen flämischen Gemeinden am Stadtrand (sechs insgesamt) "sprachliche Einrichtungen" zugestanden bekommen haben. Diese werden jedoch von Flandern heute weitgehend in Frage gestellt, grösstenteils aus Angst vor der Ausdehnung von Brüssel und der französischsprachigen Bevölkerung auf ihrem Gebiet. Daher versucht Flandern, die Verwendung der französischen Sprache auf seinem Gebiet zu verbieten, um diese empfundene Bedrohung für sein kulturelles Überleben unter Kontrolle zu bringen. Das passiert insbesondere in den Gemeinden am Stadtrand von Brüssel, was, wie man sich vorstellen kann, zu überaus burlesken und grotesken Situationen führt.
Einige werden wohl sagen, dass ich übertreiben muss, dass man nicht die lächerliche Idee gehabt haben kann, die "Hauptstadt Europas" (ich bestehe auf die Anführungszeichen, da es sich klarerweise nur um die Hauptstadt des "Euromarkts" dreht, besser bekannt unter dem surrealen Namen "Europäische Union") in einem solchen Rübenacker einzurichten, dass das alles surreal wirkt. Viel mehr als Sie denken, glauben Sie mir ...
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