Bhutan, das Land des Bruttonationalglücks

Veröffentlicht auf von Sabine Cretella



[...] Es ist eines der weniger bekannten Länder in Asien. Seine Oberfläche entspricht in etwa der Schweiz, aber mit weniger als einer Million Einwohnern ist es nicht so dicht besiedelt. Bhutan ist der einzige Staat der Welt, der als offizielle Religion den Mahayana Buddhismus in seiner tantrischen Form, dem Vajrayana erhalten hat, weshalb das gesamte soziale und kulturelle Leben des Landes vom Buddhismus durchdrungen ist.
Bhutan was bis vor ca. 40 Jahren komplett von den anderen Ländern abgekoppelt und hat sich dem Rest der Welt seitdem nur sehr langsam geöffnet: Der erste Flughafen wurde erst 1983 eröffnet. Um die eigene Gesellschaft und das natürliche Umfeld intakt zu halten, stellt sich das Land selbst auch heute noch abseits der Globalisierung und hält den Tourismus auf möglichst geringem Niveau. Um sich vorsichtig zu modernisieren, wurde das Land 2006 zu einer konstitutionellen Monarchie und der Rücktritt des alten Königs hat Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, den jüngsten Monarchen der Welt, an die Macht gebracht. Er hat in Oxford, in den Vereinigten Staaten und Indien studiert. 2008 konnten die Bhutaner so das erste Mal ein Parlament und einen Premierminister im Rahmen einer demokratischen Abstimmung wählen.

Das "Anderssein" des Bhutan im Vergleich zum Rest der Welt sieht man an der Tatsache, dass ein "Parameter für das Bruttoinlandsglück" erfunden wurde. Aber das hartnäckige Bestehen aufs Andersseins hat insbesondere bei den jungen Bhutanern aus verschiedenen Gründen Unzufriedenheit ausgelöst, angefangen bei den einfachsten Dingen, wie zum Beispiel der Pflicht, nur traditionelle Kleidung zu tragen (folglich besteht ein Verbot, Jeans, T-Shirts usw. zu tragen).

Unterschiedliche traditionelle Gegenstände aus Bhutan, u.a.  Handwerksgegenstände und einige traditionelle handgewebte Kostüme mit geometrischen Motiven (wie die von Frauen getragene Kira) können in einem Seitenbereich der Ausstellung1 bewundert werden.
Diese "einzigartige Isolierung", dieses Anderssein, das von Bhutan so hartnäckig verteidigt wird, führt unweigerlich zu Fragen: inwieweit ist es rechtens und und möglich, sich der "Globalisierung" zu entziehen? Welche Mittel dürfen benutzt werden, um eine solche Politik anzuwenden, ohne die Persönlichkeitsrechte zu verletzen? Ist Bhutan ein Beispiel des Widerstands bezüglich der Globalisierung oder ist es ein autoritäres und ahistorisches Land? Ich erinnere mich diesbezüglich an eine sehr interessante Diskussion, die ich eines Abends mit meinen Freunden Alessandro Gilioli und Piero Verni in Kathmandu hatte und es wäre schön, wenn die Leser von MilleOrienti ihre Meinung hierzu ausdrücken würden. Das Reich des donnernden Drachens schafft es, nicht nur zu faszinieren, sondern auch Diskussionen und Gedanken anzuregen. [...]



Anmerkung der Editoren:
1
Zurzeit findet im italienischen Mantua eine Ausstellung zum Thema Bhutan statt
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Veröffentlicht in Gesellschaft

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