Das Blog als politisches Werkzeug

Als ich anfing, mein Blog zu schreiben, hatte ich keine sehr klaren Ziele.
Ein vages Bedürfnis, mich auszudrücken, traf auf eine diffuse Wut über die Ankunft der ranzigen und reaktionären (gibt es eine andere?) Rechten in etwas, das beinahe ein privates Revier der Linken war: Internet.
In gewisser Weise halte ich mich für einen Internet-Pionier: Ein Teil der ersten Wellenschläge, die auf diesem neuen Kontinent ihre Spuren hinterliessen.
Ich fing 1993 in den gerade neu eingeweihten (und menschenleeren) Informatiksäalen meiner Universität an, im Internet zu surfen und E-Mails zu schreiben. Die Izquierda Unida-Sektion (IU - “Vereinte Linke”) Hortaleza, der ich damals beitrat, hatte damals die erste Internetseite der IU in ganz Spanien.
Vorher gab es lediglich (wenn ich mich richtig erinnere) das legendäre Netz Red Roja des Kameraden Rafa Pla und Rebelión. Kurz darauf kamen die Websites der Kollegen aus Cieza (Murcia), pce.es und danach der große Ansturm.
Damals benutzten wir Programme wie Eudora oder Netscape Navigator, die die Internetnutzer von heute nicht mehr kennen; und eine Seite mit einem animierten gif war das Höchste der Gefühle.
Abgesehen von den Besuchen auf der Seite fing ich an, diesem urgeschichtlichen Internet Inhalt zuzufügen. Daniel, der “Webmaster” dieser ersten Seite der IU, band mich schnell in deren Erhaltung mit ein und so machten wir verschiedene Domains und Formate mit, bis heute.
Als das Phänomen der Blogs anfing, befand ich mich in der Situation eines “early adopter”, einer der Ersten, die mitmachten, doch ich betrachtete das Phänomen distanziert und sogar mit gewisser Geringschätzung.
Ich dachte, man müsse viel Zeit und Mühe aufwenden, um die Organisation zu stärken. Im Internet bedeutet dies, für die “offiziellen” Seiten der Organisationen zu arbeiten, deren Maillisten etc.
Ich dachte, es wäre reine Zeitverschwendung, Zeit für eine "individuelle" Webpräsenz aufzubringen und dabei die kollektiven Webseiten zu vernachlässigen. Dies erschien mir ebenso absurd als würde ich Häuserwände mit Propaganda zukleben, auf der nur ich zu sehen bin, anstelle der UI oder PCE. Ein nicht tolerierbarer und verdächtiger Narzissmus.
Aber Ende des Jahres 2006 und im Jahre 2007 hat sich meine Meinung schlagartig geändert. Die persönlichen Blogs wurden tolerierbar, mit den offiziellen Seiten vereinbar, bis sie diese ergänzten und schliesslich unverzichtlich wurden.
Im November 2007 fing ich an, mein eigenes Blog zu schreiben.
Ich bin der Meinung, dass die kleinen persönlichen Seiten wesentliche Werkzeuge darstellen und perfekt mit den "grossen" Seiten vereinbar, ja sogar symbiotisch sind.
Die Gründe hierfür sind in etwa die folgenden:
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- Die Blogs erweitern die kollektive Intelligenz der Organisation. Auch wenn die Mitglieder der Agitprop- und Kommunikationsabteilung zahlreich und gut sind, so sind sie dennoch nicht perfekt. Je mehr Personen denken, umso mehr Ideen ergeben sich. Und anhand des Internets lassen sich diese in Echtzeit verbreiten, wobei die Blogs Leitungen sind, die die unterschiedlischsten Realitäten miteinander verknüpfen.
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- Die Blogs erreichen die Orte und Personen, die die offiziellen Seiten nicht erreichen. Ebenso wie das Militär bewegen sich die offiziellen Seiten in eingegrenztem Terrain und befolgen strikte Regeln. Im Gegensatz hierzu können die informellen Soldaten, um es einmal so auszudrücken, eine Schwachstelle des Feindes überraschend angreifen.
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- Die Blogs sind flink. Ein Thema kann in Minuten behandelt werden, ohne Komitee-Sitzungen abzuwarten, Budgets zu genehmigen oder Pressemitteilungen zu schreiben.
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- Die Blogs begünstigen die Innovation. Jeden Tag erscheinen und verschwinden neue Blogs, was bedeutet, dass es immer neue Personen mit neuen Meinungen und Ansichtspunkten gibt. Auch achtet man mehr auf neue Tendenzen und was dies für die Organisation bedeuten könnte bzw. wie diese sie nutzen kann.
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- Die Nachrichten der Blogs erreichen auch die Leute, die die offiziellen Seiten nicht erreichen. Ein Blog kann Nachrichten verändern, erweitern, zusammenfassen oder übersetzen, um sie verständlicher zu machen. Der Blog hat ein reduzierteres aber segmentierteres Publikum, das der Blogger gut kennt, so kann er die Nachricht "freundlicher" oder "leserlicher" gestalten.
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- Die Blogs über Politik vermenschlichen die Politik. Die Auffassung, dass Politiker eine separate Kaste innerhalb der Gesellschaft sind und normale Personen, die an der Politik teilnehmen, seltsame Zeitgenossen sind, ist weit verbreitet. Wenn ein Blog persönlich und authentisch ist, trägt es dazu bei, diesen Stereotyp zu bekämpfen.
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- Die Blogs begünstigen die Wechselwirkung innerhalb der Organisation. Die Blogs können die Arbeit der Personen begünstigen, die neue Ideen einbringen und Lust haben, diese umzusetzen und umgekehrt können diese Personen mit dem Kabinett der agitprop-Kommunikation zusammenarbeiten, ebenso wie mit vielen anderen Personen. Dabei sind sie durch keine territorialen, hierarchischen oder funktionellen Grenzen beschränkt.
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- Kurzum: Derjenige, der Zeit im Cyberspace verbringt, sollte erwägen, die Militanz auf der Strasse mit der im Netz zu ergänzen. Ein persönliches Blog ist hierfür ein gutes Mittel.
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- Ich muss anmerken, dass die sozialen Netzwerke noch nicht die Macht hatten, die sie heute haben, als ich anfing, mein Blog zu schreiben. Heutzutage ist ein Blog nicht mehr die einzige Möglichkeit, "politisch im Internet zu existieren", sondern nur eine von vielen, von denen wir später sprechen werden.
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- Ich bin mir sicher, dass die nächste Revolution nicht im Internet stattfinden wird, und auch nicht im Fernsehen, aber vielleicht kriegen wir von ihr ja etwas mit, weil jemand in seinem Blog darüber schreibt.
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