Christen im Irak: Tod oder Exil
Niedergeschlagen und ratlos. Was sind schon ein paar Worte für die Christen des Orients? Was können ein paar Zeilen für die Katholiken Bagdads bewirken? Ein paar gewählte Worte, um unser schlechtes Gewissen etwas zu erleichtern. Ein paar Worte, um unserer Hilflosigkeit zu trotzen. Wir haben die weißen Mauern der Kathedrale gesehen, die vom Blut der christlichen Brüder befleckt ist. Am Morgen des Folgetages haben wir unser Leben wieder aufgenommen, die Überlebenden im Irak hingegen setzten ihres jeden Tag aufs Spiel. Was soll man tun, schreiben, sagen, was gegen diese religiöse Säuberung helfen könnte, die derzeit im Nahen Osten stattfindet? Koffer oder Sarg, Exil oder Tod, für viele Christen in Bagdad gibt es keine weiteren Alternativen. Das Grauen ist allgegenwärtig, mutwillig und berechnet, die Christen werden zur Zielscheibe, eben weil sie Christen sind: "Das Blut des Priesters wurde auf dem Boden der Kirche verschüttet. Teile menschlicher Körper hängen an den Sternen, die die Decke der Kirche zieren" (Quelle: France24) Seit Montag hat sich die Lage der irakischen Christen erneut verschlimmert. Al-Qaida hat verkündet, dass Christen nunmehr "legitime Ziele" seien. "Alle Zentren, Organisationen, Institutionen, Verantwortlichen und christliche Gläubige werden für die Mudschaheddins zu legitimen Zielen, überall dort wo sie verwundbar sind". Al-Qaida hat den Vorwand der Geschichte von zwei Kopten-Frauen1 in Ägypten genutzt, um Katholiken (keine Kopten) im Irak zu töten, mit dem Ziel, christliche Präsenz im Nahen-Osten zu beenden. Die Reaktionen waren meist nur formelle Verurteilungen — bis auf ein paar neue Töne, wie die Reaktion der ägyptischen Muslime. Man hat diesen barbarischen/feigen/gemeinen/schändlichen Akt verurteilt und dann back to business : Das trifft sich gut, denn derzeit findet eine internationale Messe in Bagdad statt. Wo sind die irakischen Christen in unseren Medien, nur drei kurze Tage danach? Wo sind die Reportagen, Analysen? Wo ist die Mobilisierung? Letzte Woche hat ein französischer Journalist, Jacques Julliard, (berühmter Redakteur beim Nouvel Observateur, französische Wochenzeitung) seine Chronik der Jagd auf Christen gewidmet: Im ganzen Nahen Osten zählt man nicht mehr die angegriffenen Gemeinden, ermordeten Würdenträger, verbrannten Kirchen, Berufsverbote, denen Christen zu Opfer fallen. Ein religiöser Genozid findet Woche für Woche statt.”Jacques Julliard verurteilt auch "die Menschenrechte-Profis", die immer wenn die Christen verteidigt werden müssen, sich "aus dem Staub machen". Dennoch sagt man immer: nie mehr!, immer wieder wird die Geschichte angemahnt, man schmückt sich mit Wachsamkeit gegenüber Faschismus. Man verurteilt die Razzien… sieht aber weg, wenn Christen anderswo erschossen, gekidnappt und ermordet werden. Diese sogenannten "Profis" sind in ihren eigenen Denkweisen gefangen. Sie sind politisch links angesiedelt: Sie werden sich nie für die Kirche einsetzen! Die Katholiken gehören der dominanten Klasse an, die Kirche ist der Unterdrücker. Christen sind nicht so medientauglich wie Tibetaner. Niemand wird hier die Menschenrechte einfordern (wie so oft bei Anti-Rassismus Demos in Paris, besonders auf der Place du Trocadéro). (...) Man kann natürlich nicht viel machen. Man kann aber Lärm machen. Man kann von der französischen Regierung, die im Irak Einfluss nehmen kann, verlangen, dass sie sich effektiv für Religionsfreiheit einsetzt. Damit, wie es Vater Gollnisch, Direktor der Œuvre d’Orient verlangt, "die Sicherheit, die volle Staatsbürgerschaft und die Religionsfreiheit der irakischen Christen im Sicherheitsrat der UNO diskutiert werden; damit die Mächte dieser Region, insbesondere Frankreich, die irakischen Verantwortlichen unterstützen, um zu gewährleisten, dass die christliche Gemeinde sich eine Zukunft aufbauen kann". Man kann auch beten, man kann zahlreich - ob gläubig oder nicht - am Sonntag in die Messe gehen um der Opfer der Attentate in Bagdad zu gedenken, um sich mit den Christen im Irak solidarisch zu zeigen. Lasst uns auf ihren Aufruf antworten:
Wir verlieren die Geduld, aber nicht den Glauben und die Hoffnung. Bleibt bei uns, bleibt bei uns, bis dass das Böse weg ist!”Sie sterben noch immer.
1 Anm. der Editoren: Es handelt sich um Camellia Shehata und Wafa Constantine. Mehr Informationen zu diesem Thema in einem Artikel der Welt .
Dieser Post wurde von E-Blogs gekürzt. Um den ganzen Post zu lesen (auf französisch), klickt hier.
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