Einwanderung und Staatsangehörigkeit: Europa verteilt immer mehr Pässe

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Ein Leser hat mich auf ein interessantes Phänomen aufmerksam gemacht: Es werden in Europa immer mehr Pässe ausgeteilt.


Man denkt dabei natürlich an das Ausstellen von ungarischen Pässen an die Magyarisch-Sprachigen "von außen" (d.h. die nicht im Land selbst leben - siehe meinen Post zu dem Thema). Dies ist ein klares Problem, angesichts der Tatsache, dass es sich um einen EU-Staat handelt. Doch gibt es diesen Fall auch anderswo:

* Russland, mit den Russischsprachigen in den baltischen Ländern, in der Ukraine (unter anderem in der Krim) und in Weißrussland, aber auch in Kasachstan und anderen Republiken in Zentralasien. Russland hat Pässe in den selbstausgerufenen Republiken Abchasien und Süd-Ossetien verteilt.

* Serbien verteilt auch weiterhin Pässe an die Serben im Kosovo, scheint mir. Das ist logisch, denn das Land erkennt die Unabhängigkeit der Provinz nicht an. Da diese jedoch von immer mehr Ländern anerkannt wird, wird die Frage früher oder später zu Problemen führen.

* Die iberischen Länder gehen ebenfalls so vor: Sie vergeben die Staatsangehörigkeit an zahlreiche Einwanderer aus Südamerika. Das gilt für Spanien, aber auch für Portugal. (siehe dazu diesen Artikel in der französischen Zeitung Le Figaro)

* Die Rumänen machen das Gleiche mit den rumänischsprachigen Bevölkerungen in Moldawien oder auch Bulgarien mit gewissen Mazedoniern (siehe diesen Artikel im Figaro)

Von Frankreich aus gesehen ist die Sache nicht wirklich außergewöhnlich, da auch hier oft die Staatsangehörigkeit zugesprochen wird. In der Tat sind hier Naturalisierung und das Bodenrecht sehr ausgeprägt, somit können viele Ausländer integriert werden (im Gegensatz zu Deutschland haben die Ausländer also ein Recht, an Lokalwahlen teilzunehmen: In Deutschland haben die Ausländer keine Aussicht darauf, Deutsche zu werden, auch wenn sie dauerhaft bleiben wollen).

Es gibt also eine Ähnlichkeit zwischen den Ländern der Union und ein französisches Paradoxon.

* Die Ähnlichkeit besteht darin, dass zahlreiche Länder in Europa Teile ihrer zerstreuten Bevölkerung wieder integrieren wollen. Frankreich hätte kein Problem damit, die Wallonen zu integrieren (obwohl dadurch das französische Sechseck, das "Hexagone", etwas verzerrt würde, lol), siehe das Buch des Journalisten Zemmour. So würde eine traditionelle Geopolitik geführt, in der der Stamm zusammengebracht wird.

* Das Paradoxon liegt im französischen Fall, denn das Land besitzt eine ausreichend starke Geburtenrate, aber empfängt weiterhin Bevölkerungen von außen, auch wenn diese keine "Bindung" zu dem Land haben. Man kann also eine andere traditionelle Geopolitik vermuten, nämlich die des demografischen Wachstums als Machtfaktor. Die Nationalität spielt eigentlich keine Rolle: Es würde sich um eine imperialistische Logik handeln, was für das Land, welches das Konzept des Nationalstaates erfunden hat, ziemlich komisch wäre.

Andere Länder mit schwacher Geburtenrate und hoher Einwanderung reagieren nicht so gut (siehe Italien oder Deutschland oder auch Griechenland) : Ist es überraschend, dass ihr Zusammenschluss erst vor kurzem zustande kam?

Jenseits der Pässe stellt sich die Frage der Machtfaktoren : Ist die Demografie (die Anzahl an Leuten) absolut zu sehen oder muss man sie im Zusammenhang mit einem gewissen Maß an nationaler Homogenität betrachten? Was wären aber dann die Kriterien für diese Homogenität? Eine sehr schwierige Debatte, bei der nicht feststeht, ob sie überhaupt Sinn macht.
Werbung

Veröffentlicht in Frankreich

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post
A
Pretty post-Nice. Je viens de tombé sur votre blog et je voulais dire que j'ai vraiment apprécié la navigation de votre blog. En tout cas, je vais être abonnés à votre flux et j'espère que vous écrire de nouveau bientôt!
Antworten
I
[...] du billet sur le blog EGEA Cet article a été traduit en italien, en anglais, en allemand et en espagnol par [...]
Antworten