Frankreich: Was verdienen Journalisten?

Veröffentlicht auf von Ingmar Link



[caption id="attachment_2096" align="alignleft" width="300" caption="Eine Reihe Polizisten trennt Journalisten von einer Demo. Foto: Gilles Klein (cc)"][/caption]



Während einem Interview mit dem französischen Radiosender RMC hat sich die französische Familien- und Solidaritätsministerin Nadine Moreno über das Gehalt der Journalisten beschwert, dabei jedoch jede Menge Mist erzählt. "Wenn ich sehe, dass gewisse Journalisten dreimal mehr als wir verdienen, nur um uns zu kritisieren._ […] _Da gibt es welche, die ganz schön gut verdienen, dabei lesen sie nur von Telepromptern ab!" ließ die Ministerin live vom Stapel. Das Hauptziel schien die Moderatorin des 20 Uhr-Nachrichtenmagazins bei TF1, Laurence Ferrari, zu sein. Nadine Morano wirft jedoch alle Journalisten in einen Topf, sie erklärt, dass alle Nicolas Sarkozy und die Regierung kritisieren.

Aber weiß Nadine Morano überhaupt, was Journalisten verdienen? Nicht diejenigen, die sie bei Fernsehauftritten oder bei den großen Rundfunkanstalten trifft. Nein, mir geht es um die Mehrheit der 33.000 Journalisten in Frankreich.

Was verdienen Journalisten in Frankreich wirklich?

Um das zu wissen, gibt es nichts einfacheres als einen Blick auf die Gehaltstabellen zu werfen, die von der Journalistengewerkschaft veröffentlicht wurde. Und was sieht man? Ein Chefredakteur einer Pariser Tageszeitung verdient 5.238,97 € im Monat. Der Chefredakteur einer Pariser Wochenzeitung bekommt 3.453,74 € pro Monat.
Der Chefredakteur einer Regionalzeitung bekommt jeden Monat 4.991,92€. Der Chefredakteur einer regionalen Wochenzeitung begnügt sich mit 2.198,30€
Natürlich reden wir hier vom Minimalgehalt.

Aber die 3.500 oder 4 000€ im Monat sind weit entfernt von den 10.000 €, die die Ministerin jeden Monat verdient, da gibt es noch viel Marge…Nadine Morano verdient dreimal mehr als die Chefredakteure.

Nadine Morano bekommt als Staatssekretärin ganz genau 10.274 € im Monat, dazu kommen Vorteile wie kostenlose Zugfahrten in der ersten Klasse, Autos mit Chauffeur, eine Dienstwohnung, die Übernahme von Telefonkosten...10 274€, also zwei- bis dreimal mehr als das Gehalt eines Chefredakteurs. Nicht eines Journalisten, der zu der großen Mehrheit gehört, die weniger als 3.000 € im Monat verdient, sondern wirklich eines Chefredakteurs.

Wenn sie von Journalisten spricht, meint Nadine Morano nur die Stars, die sie kennt: die Nachrichtensprecher, die bekannten Interviewer in den Morgensendungen im Radio... Nur ein paar hundert Personen unter den mehr als 33.000 Journalisten, die heute in unserem Land arbeiten.

Nadine Morano : die falsche einfache Frau
Also, war das ein Fehler von Nadine Morano ? Ja, ein Fehler, der Bände spricht.
Die Ministerin stellt sich seit jeher als einfache Frau dar, "die in [der Kleinstadt] Vesoul lebt", ein Frau mit gesundem Menschenverstand, mit Volksnähe, die redet und lebt wie ein normaler Mensch. Das ist falsch. Wie viele andere, die mit der Macht zu tun haben, ist sie von der Wirklichkeit entkoppelt. Von der Welt, in der man für sein Auto zahlen muss, für seine Wohnung, sein Telefon, seine Zugfahrkarten. Von der Welt, in der man eher 3.000 € als 10.000 € im Monat verdient. Von der Welt, in der die große Mehrheit der Journalisten nicht im Fernsehen auftritt und nicht dreimal mehr als sie verdient.

Diese Übersetzung ist eine gekürzte Version, den kompletten Text kann man hier auf Französisch lesen.
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