
Aktuell gibt es
3 besonders heiße Themen in der kleinen Welt der Technophilen und Geeks aller Art:
- die neue Version der Facebook-Profile (ein Rat: Wartet ein bisschen, bis ihr auf das neue Modell umsteigt)
- Wikileaks (ein Rat: Falls ihr nur einen Artikel zu dem Thema lesen wollt, lest den von Dominique Cardon und probiert auch gleich diese schöne App aus)
- und der Launch von Google Edition
Meine Studenten werden es bestätigen, ich hatte 2006 bereits angekündigt, dass Google eines Tages Bücher verkaufen würde. Und ich hatte ebenfalls darauf hingewiesen, dass es spätestens 2010 so weit wäre. Es war also knapp (25 Tage), aber ich habe meine Wette gewonnen :-)
Der 6. Dezember ist das offizielle Startdatum von Google Edition:
http://books.google.com/ebooks.
Der Service ist derzeit nur in den USA verfügbar, der Start in Europa (und Frankreich?) wird für Anfang 2011 angekündigt ("first quarter 2011"). Erstmal eine Frage.
Wieso kommt Google Edition jetzt und in (relativ großer) Eile? Weil bald Weihnachten ist... Die Beobachter sind sich einig: Dieses Jahr wird es unter den Weihnachtsbäumen von Tablet PCs und e-Readern nur so wimmeln. Laut einer Studie von Forrester,
hier erwähnt, ist der US-Markt für diese Geräte "
im Jahr 2010 ungefähr 1 Milliarde Dollar schwer und wird sich bis 2015 verdreifachen".
Hier wird ausserdem bemerkt: "
Der Markt des elektronischen Buches entwickelt sich weiter : +200% an Verkäufen im Jahre 2009 in den USA".
Die Frage der Zahlen. Schwierig. Für manche, die sich auf die
offizielle Kommunikation des Unternehmens verlassen
, für manche also bedeutet Google Edition "
3 Millionen Büchern von den 15 Millionen Werken, die bisher von der Suchmaschine digitalisiert wurden, aus Katalogen von 35.000 Herausgebern und mehr als 400 Bibliotheken"
. Die Wahrheit ist wahrscheinlich bei der
Beilage der Los Angeles Times zu finden:
2,7 Millionen gemeinfreie Werke + 250.000 Werke unter Lizenz = fast 3 Millionen Werke, von den 15 Millionen, die laut Google digitalisiert wurden, unter denen nicht weniger als 60% verwaiste Werke sind. Letztere gehören zurzeit nicht zum Google Edition Angebot, da das Unternehmen noch auf eine gerichtliche Entscheidung in Hinsicht auf die neueste Version der Google Richtlinien wartet.
Die Frage der Konkurrenten: na ja... Es gibt so einige Konkurrenten: Amazon, Apple, Amazon, Apple, Amazon, Apple. Vielleicht auch Barnes&Noble (die größte Buchhandlung in den USA).
Die Frage der (kleinen) (unabhängigen) Buchhandlungen. Na klar. In der etwas verrückten Welt des Buchhandels ist das böse Google von gestern heute im Begriff,
das Rettungsboot unabhängiger Buchhandlungen zu werden. Google wird ihnen die nötigen Bausteine liefern, um digitale Buchhandlungen aufzubauen. Außer es handelt sich in der Wahrheit um Teer und Federn, die dazu dienen, ein erstklassiges Begräbnis vorzubereiten. So behält Amazon den Titel des größten Feindes der unabhängigen Buchhandlungen. Googles Ruf bleibt also ziemlich unversehrt, ausserdem bekommt der Internetgigant so qualifizierte Arbeitskräfte, die Google dabei helfen werden...
seine eigenen Bücher zu verkaufen. Auf diese Art macht Google die Buchhändler mit geringem Kostenaufwand zu Franchisenehmern. Wir erinnern daran, dass es in Frankreich soviele unabhängige Buchhandlungen gibt wie in ganz Amerika.
Die Nachricht wurde vom amerikanischen Verbund unabhängiger Buchhandlungen mit großer Freude empfangen, die Begeisterung wird beim "Syndicat de la Librairie Française" (französisches Pendant) wohl weniger groß sein...
Die Frage der Trägers. Man wird bei Google Edition gekaufte Werke
auf fast allen Tablets /
Smartphones / e-Readers / Ipads lesen können...außer auf dem Kindle von Amazon :-)
Die Frage wie der Kuchen aufgeteilt wird. Uiuiui. Haltet euch fest (hier gibt es die "
pricing options") Es gibt also mehrere Optionen. Man weiß, dass bei Werken unter Lizenz und nur bei diesen:
- der Herausgeber bis zu 52% des Preises erhält, wenn das Werk "bei" Google Edition verkauft wird (bis zu 45% wenn er von einem Händler - oder einer Partnerbuchhandlung verkauft wird)
Wir erinnern dabei daran, dass seit der Google-Regelung (auch wenn diese immer noch nicht von der amerikanischen Justiz begutachtet wurde) in Bezug auf verwaiste Werke Folgendes gilt: Wenn man weiss, wer die Rechteinhaber sind, so dürfen diese bestimmen, zu welchem Preis das Werk verkauft wird. Doch in den allermeisten Fällen sind die Rechteinhaber nicht bekannt. In diesem Fall - es sei denn, es gibt ein besonderes Abkommen wie im Fall von Hachette -
bestimmt Google allein den Verkaufspreis (in einem Preisbereich von 12 Preiskategorien zwischen 1,99 $ und 29,99 $)
Die Frage nach der Aufteilung des Kuchens (nochmal). Ich wette seit 2009 immer und immer wieder mit meinen Studenten, dass Google bei Google Edition ein Adword-ähnliches Modell einführen wird, bei dem die Autoren nicht nur "prozentual an den Verkäufen" beteiligt werden, sondern auch - und vielleicht vor allem - an den Einnahmen, die durch Seitenaufrufe erzielt werden.
Andere Beobachter (ein Analyst bei Forrester) sind ganz ähnlicher Meinung und stellen die Hypothese der Entwicklung eines "
ad-supported publishing model" auf, in dem Google gesponserte Links verkaufen wird (= Adwords-Kampagnen), die sich auf den Inhalt der Werke beziehen werden.
Ich hätte es fast vergessen: Die komische Maschine, die in 5 Minuten 300 Seiten ausdruckt und bindet,
kommt nach Europa. Sie ist bereits in 53 Bibliotheken und Buchhandlungen in den USA verfügbar. Hatte ich Euch bereits erzählt, dass
Google Partner der Espresso Book Machine ist?
Moral: Google
Edition ist eigentlich eine
Buchhandlung. Google
Print war eigentlich eine
Bibliothek. Jetzt müssen wir nur noch auf den Launch von Google
Library warten - ein Service, der eigentlich ein Verlag sein wird. Das könnte ich mir in 2 Jahren gut vorstellen ;-)
Dieser Artikel wurde mit Erlaubnis des Autors gekürzt.
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