Die verschiedenen Aspekte der Gewalt gegen Frauen
[caption id="attachment_8193" align="alignleft" width="300" caption="Foto: Sasha Wolff / Flickr / CC Lizenz"]
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Manchmal sagen Leute Dinge, die mich sprachlos machen. Zum Beispiel, wenn irgendein Bekannter, und das kann sogar gut gemeint sein, Zweifel am Sinn der Fortführung eines feministischen Kampfes äußert und gleichzeitig hinterfragt, ob es bei der Allgegenwärtigkeit der Gewalt in unserer Welt Sinn macht, mit einem Internationalem Tag (dem 25. November) nur auf einen "Teilaspekt", nämlich auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen zu wollen.
Mit der globalen Verdammung von Gewalt bin ich völlig einverstanden. Das Ding ist halt, dass ich nie daran geglaubt habe, dass sich der Feminismus "nur mit einem Problem" beschäftigt und sich selbst genügt, ohne starke und direkte Verbindungen zu grundlegenden Erklärungen für den Zustand der Welt, in der wir leben, zu bieten. Deswegen bedeutet der Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen mehr als einfach die Forderung nach einer Welt, in der Frauen freier sind und mehr Rechte haben. Vielmehr beinhaltet er auch einen Aufruf gegen die Gewalt, die allgemein gegen die Schwächeren ausgeübt wird (die die große Mehrheit darstellen), und das in einer Gesellschaft, die dank der allgemeinen Gleichgültigkeit (teilweise auch der Opfer) zunehmend unmenschlicher wird.
Es kann nicht oft genug gesagt werden (zumindest bis unsere Gesellschaft sich aufrafft und es verhindert): Es kann nicht sein, dass in Spanien bis zum 14. dieses Monats bereits 73 Frauen ermordet wurden, in Beziehungen und Partnerschaften, die auch die Kinder aus diesen Familien prägen werden.
Es kommt "wirtschaftlicher Gewalt" gegen Frauen gleich, wenn die großen "Möglichkeiten", die diese Krise dem Finanzkapital und den Bossen bietet, auf Kosten der Frauen gehen. Diese müssen ungleiche Bezahlung akzeptieren und ihre Unsichtbarkeit wird gefördert, besonders, wenn sie schwarz sind oder aus Lateinamerika stammen (zum Beispiel in den USA). Es soll keiner sagen, dass bei den Kürzungen der Sozialleistungen, im Gesundheitsbereich und bei den "frauenfreundlichen politischen Entscheidungen", die nur den Reichen dienen, entstehende Spannungen keine Gewalt bedeuten.
Wenn man die Vernunft so verdreht, dass es als akzeptabel und "normal" erscheint, dass in bestimmten öffentlich finanzierten religiösen Organisationen Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten und Rechte wie Männer haben, dann ist auch das eine Form von Gewalt gegen Frauen.
Im Gesundheitsbereich zeigt sich die tägliche Gewalt gegen Frauen durch das geringe Interesse, bestimmte - vor allem Frauen treffende - Krankheiten entsprechend zu erforschen und darin, dass die betroffenen Frauen in viel zu vielen Fällen a priori Kandidatinnen für endlos lange Wartelisten sind... oder gleich in die Psychiatrie geschickt werden... (wir wissen genau, wovon wir reden!). Dazu gehören auch Versuche, das Gesetz, das das Recht auf Abtreibung garantiert, enger zu fassen, und den Gebrauch von Kondomen, mit denen sich Frauen schützen, lächerlich zu machen bzw. zu verbieten...
Es ist Gewalt gegen Frauen im Bereich der "Politik" und der "Kultur", wenn jemand wie Berlusconi trotz seiner Macho- und frauenverachtenden Sprüchen, Präsident eines Landes im "kultivierten" und "fortschrittlichem" Europa sein kann. Dasselbe gilt für die Versuche, die frauenfeindlichen Aussagen von Pseudointellektuellen als "Literatur" oder als "private Gespräche" darzustellen.
Es ist Gewalt gegen Frauen, dass die Vergewaltigung eine Waffe im Krieg ist, die mit Sadismus eingesetzt wird, ohne dass irgendeine globale Macht etwas dagegen tut. Lest einfach diese Zeilen eines Vergewaltigungsopfers:
erzählt zitternd die 80-jährige Anna Burano, eine der 284 Frauen, die in einer Nacht im Juli letzten Jahres von Hutu-Rebellen und Milizionären in Luvungi im Osten der Demokratischen Republik Kongo vergewaltigt wurden (laut der UN gab es in den letzten Julitagen 500 Vergewaltigungen).
Auf die Spitze getrieben wird die Gewalt gegen Frauen, wenn in manchen Städten der Welt die Ermordung von Frauen wiederholte und straffreie Praxis ist, die alle Frauen und die gesamte Gesellschaft verzweifeln lässt. Dieser kurze Abriss der Geschichte der Frauenmorde in der mexikanischen Stadt Ciudad Juarez aus Anlass der Ausstellung 400 Frauen (eine Sammlung anklagender Bilder von Künstler_innen über die ermordeten und verschwundenen Frauen von Ciudad Juarez) zeigt deutlich, wie die Methoden der Kriminellen in Ciudad Juarez sich bei völliger Straffreiheit und Gleichgültigkeit gegenüber der gegen Frauen gerichteten Gewalt mit den Jahren "entwickelt" haben:
[/caption]Manchmal sagen Leute Dinge, die mich sprachlos machen. Zum Beispiel, wenn irgendein Bekannter, und das kann sogar gut gemeint sein, Zweifel am Sinn der Fortführung eines feministischen Kampfes äußert und gleichzeitig hinterfragt, ob es bei der Allgegenwärtigkeit der Gewalt in unserer Welt Sinn macht, mit einem Internationalem Tag (dem 25. November) nur auf einen "Teilaspekt", nämlich auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen zu wollen.
Mit der globalen Verdammung von Gewalt bin ich völlig einverstanden. Das Ding ist halt, dass ich nie daran geglaubt habe, dass sich der Feminismus "nur mit einem Problem" beschäftigt und sich selbst genügt, ohne starke und direkte Verbindungen zu grundlegenden Erklärungen für den Zustand der Welt, in der wir leben, zu bieten. Deswegen bedeutet der Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen mehr als einfach die Forderung nach einer Welt, in der Frauen freier sind und mehr Rechte haben. Vielmehr beinhaltet er auch einen Aufruf gegen die Gewalt, die allgemein gegen die Schwächeren ausgeübt wird (die die große Mehrheit darstellen), und das in einer Gesellschaft, die dank der allgemeinen Gleichgültigkeit (teilweise auch der Opfer) zunehmend unmenschlicher wird.
Es kann nicht oft genug gesagt werden (zumindest bis unsere Gesellschaft sich aufrafft und es verhindert): Es kann nicht sein, dass in Spanien bis zum 14. dieses Monats bereits 73 Frauen ermordet wurden, in Beziehungen und Partnerschaften, die auch die Kinder aus diesen Familien prägen werden.
Es kommt "wirtschaftlicher Gewalt" gegen Frauen gleich, wenn die großen "Möglichkeiten", die diese Krise dem Finanzkapital und den Bossen bietet, auf Kosten der Frauen gehen. Diese müssen ungleiche Bezahlung akzeptieren und ihre Unsichtbarkeit wird gefördert, besonders, wenn sie schwarz sind oder aus Lateinamerika stammen (zum Beispiel in den USA). Es soll keiner sagen, dass bei den Kürzungen der Sozialleistungen, im Gesundheitsbereich und bei den "frauenfreundlichen politischen Entscheidungen", die nur den Reichen dienen, entstehende Spannungen keine Gewalt bedeuten.
Wenn man die Vernunft so verdreht, dass es als akzeptabel und "normal" erscheint, dass in bestimmten öffentlich finanzierten religiösen Organisationen Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten und Rechte wie Männer haben, dann ist auch das eine Form von Gewalt gegen Frauen.
Im Gesundheitsbereich zeigt sich die tägliche Gewalt gegen Frauen durch das geringe Interesse, bestimmte - vor allem Frauen treffende - Krankheiten entsprechend zu erforschen und darin, dass die betroffenen Frauen in viel zu vielen Fällen a priori Kandidatinnen für endlos lange Wartelisten sind... oder gleich in die Psychiatrie geschickt werden... (wir wissen genau, wovon wir reden!). Dazu gehören auch Versuche, das Gesetz, das das Recht auf Abtreibung garantiert, enger zu fassen, und den Gebrauch von Kondomen, mit denen sich Frauen schützen, lächerlich zu machen bzw. zu verbieten...
Es ist Gewalt gegen Frauen im Bereich der "Politik" und der "Kultur", wenn jemand wie Berlusconi trotz seiner Macho- und frauenverachtenden Sprüchen, Präsident eines Landes im "kultivierten" und "fortschrittlichem" Europa sein kann. Dasselbe gilt für die Versuche, die frauenfeindlichen Aussagen von Pseudointellektuellen als "Literatur" oder als "private Gespräche" darzustellen.
Es ist Gewalt gegen Frauen, dass die Vergewaltigung eine Waffe im Krieg ist, die mit Sadismus eingesetzt wird, ohne dass irgendeine globale Macht etwas dagegen tut. Lest einfach diese Zeilen eines Vergewaltigungsopfers:
Sie brachten mich hinters Haus, zogen mich aus und warfen mich auf den Boden. Ich war mir sicher, mein Ende sei gekommen,
erzählt zitternd die 80-jährige Anna Burano, eine der 284 Frauen, die in einer Nacht im Juli letzten Jahres von Hutu-Rebellen und Milizionären in Luvungi im Osten der Demokratischen Republik Kongo vergewaltigt wurden (laut der UN gab es in den letzten Julitagen 500 Vergewaltigungen).
Auf die Spitze getrieben wird die Gewalt gegen Frauen, wenn in manchen Städten der Welt die Ermordung von Frauen wiederholte und straffreie Praxis ist, die alle Frauen und die gesamte Gesellschaft verzweifeln lässt. Dieser kurze Abriss der Geschichte der Frauenmorde in der mexikanischen Stadt Ciudad Juarez aus Anlass der Ausstellung 400 Frauen (eine Sammlung anklagender Bilder von Künstler_innen über die ermordeten und verschwundenen Frauen von Ciudad Juarez) zeigt deutlich, wie die Methoden der Kriminellen in Ciudad Juarez sich bei völliger Straffreiheit und Gleichgültigkeit gegenüber der gegen Frauen gerichteten Gewalt mit den Jahren "entwickelt" haben:
Von den 90er Jahren des XX. Jahrhunderts bis 2006 waren die Opfer jung. Die meisten waren zwischen 14 und 22 Jahre alt und arbeiteten in den Maquilas, die Textilien und elektronische Bauteile für den Export in die USA herstellen. Sie hatten schwarze Haare, sahen gut aus, und stammten aus armen Familien. Man entführte sie, vergewaltigte sie, folterte sie, erwürgte sie und ließ die Körper halb versteckt zurück, damit sie gefunden werden würden. Zwischen 2007 und 2008 ändert sich das Vorgehen und die Körper der jungen Frauen verschwinden. 2009, und das setzt sich dieses Jahr fort, ändert sich die Methode erneut, was wahrscheinlich mit dem allgemeinen Anstieg der Gewalt vor Ort zu tun hat. Die Körper der Frauen werden jetzt mit Klebeband auf dem Mund und auf den Augen gefunden und den Leichen werden die Hände zusammengebunden. So als wollten die Verantwortlichen ihre Unterschrift hinterlassen, ihren Feinden eine Nachricht schicken und ein Klima der Angst in der Bevölkerung erzeugen. In den letzten Monaten hat es bei der Strategie ein paar Anpassungen gegeben. Viele der Opfer werden jetzt geköpft, wobei man die Köpfe neben den Leichen platziert. Andere Male haben die Opfer Plastiktüten über dem Kopf, um zu zeigen, dass sie erstickt wurden.
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