Das Web 2.0 ist weiblich

Veröffentlicht auf von Katharina Heidrich



[caption id="attachment_4791" align="alignright" width="300" caption="Koro Castellano, Generaldirektorin von Tuenti. Foto Wlappe/Flickr (CC)"][/caption]

Das Web, die neue digitale Gesellschaft, wächst schneller als alle anderen sozialen Gebiete. Im letzten Bericht von ComScore (Women in the Web: How Women are Shaping the Internet - Frauen im Netz: Wie Frauen das Internet gestalten) wird deutlich, dass 46% der weltweiten Webuser Frauen sind. Diese neue Verteilung verdankt man hauptsächlich den BRIC-Staaten und den Ländern mit wachsender Wirtschaft. Die Frauen in China, Indien, Brasilien und Südkorea gleichen die globale Waage aus. Aber in Hinsicht auf die soziale Nutzung der Technologie bemerkt man einen eindeutigen Unterschied: Die Frauen verbringen viel mehr Zeit im Internet und sind die Hauptnutzer der sozialen Netzwerke wie Facebook - sehr bald wahrscheinlich auch auf Twitter. Das Web 1.0 war männlich, das Web 2.0 wird immer weiblicher. In Europa ist die Anzahl der weiblichen Webuser schneller als die der Männer gestiegen: 76,6 Millionen Frauen sind im Web aktiv, laut einer weiteren Studie von ComsCore, diesmal für das Frauenportal auFeminin.com (“Mujeres e Internet en Europa”). Laut diesem Bericht ist die Altergruppe mit dem grösstem Wachstum die der 55+jährigen.

Obwohl mehrere digitale Klüfte zu überwinden sind (wie das Kapitel zum Thema Gleichberechtigung in der Informationsgesellschaft des Berichts Informe eESpaña 2010 de la Fundación Orange zeigt) bestätigt sich in Spanien die Verweiblichung des Netzes. Die digitalen Entrepeneure verstärken diesen Trend.  Ellas 2.0, zum Beispiel, ist eine soziale und professionelle Internet-Community, die die Tätigkeiten von Frauen auf technischer Basis fördert. Dasselbe gilt für Initiativen wie Startup Weekend, die immer mehr weibliche Mitbewerber haben.

Entrepeneure… und digitale Führungskräfte. Zwei Frauen leiten zwei der grössten sozialen Netzwerke in Spanien: Irene Cano, Direktorin von Facebook España, und Koro Castellano, Generaldirektorin von Tuenti. Auch Elena Gómez, Präsidentin der  Federación Española der digitalen Wirtschaft (FECEMD), tut sich hervor. Oder, unter vielen anderen,  María Garaña, Präsidentin von Microsoft España und Rosalía Portela, Verwaltungsratsmitglied von Ono.

Elena Gómez trägt zu der Präsenz von weiblichen Führungskräften in diesem Sektor bei, in dem laut ihr  “das Organigramm flacher wird und die Teamarbeit gefördert wird”. Wie ich in einem meiner Artikel bemerkte (Crisis y liderazgo femenino): “Die Präsenz von Frauen in Führungspositionen ist von grosser Bedeutung, zum Beispiel für das Wirtschaftswachstum. Dennoch sind die Frauen noch immer unterrepräsentiert wenn es um wichtige wirtschaftliche Entscheidungen geht. Lediglich der wirtschaftliche Zusammenbruch hat zu einer radikalen Änderung in der männlichen Hegemonie der wirtschaftlichen Führung geführt, wie vor einigen Monaten in Island, als die einflussreichsten weiblichen Führungskräfte die finanzielle Leitung des Landes übernahmen.

Und sie können nicht nur die Schäden beheben oder vermeiden: Die Führung von Frauen in den einflussreichsten finanziellen Positionen ist eine Garantie für seriöse Verwaltung und gute finanzielle Ergebnisse.

Meiner Meinung nach können wir sechs fundamentale Änderungen im Führungssektor beobachten, die ich während des She Leader 2.0 Kongresses aufschrieb:

1. Eine tiefgreifende Änderung im Managementkonzept.

2. Die hierarchische Position  innerhalb der Organisationen verschafft einem nicht mehr automatisch Autorität (und auch nicht unbedingt einen entsprechenden Ruf).

3. Das Management sollte innerhalb sowie ausserhalb der Organisation gebildet werden.

4. Führen bedeutet nicht mehr, Befehle zu geben.

5.Führen bedeutet nicht mehr, lediglich je nach Ergebnissen Verantwortungen zu verteilen.

6. Führen bedeutet Nachdenken sowie Selbsterkenntnis erzeugen und umsetzen.

Fünfzehn Jahre nach der  IV. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking (ein politischer Meilenstein dessen Bedeutung mit der vom Kyoto-Protokoll vergleichbar ist) schreitet die Gleichberechtigung weiter voran, wenn auch langsam. Eine überwältigende Tatsache: Lediglich drei der 27 Staaten der EU, die politisch und demokratisch fortgeschrittenste Gemeinschaft der Welt, haben mehr als 40% weibliche Regierungsmitglieder. Dies wurde während dem letzten "Europäischen Frauen Forum: Peking +15" betont, welches mit der spanischen EU-Ratspräsidentschaft übereintraf.

Während sich die Parität entwickelt und die Verweiblichung der Strukturen der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Macht fortschreitet, öffnet sich in der digitalen Welt eine neue Realität. Das Netz bietet Szenarien, Beziehungen, Aktivitäten und Modelle, die viel offener als die der analogen Gesellschaft sind, die so vertikal, hierarchisch und machistisch ist. Es existieren so viele Möglichkeiten, die wir nutzen sollten, um ein Netz freier Personen zu bilden, Verbindungen zu knüpfen und zu erhalten.

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Veröffentlicht in Gesellschaft

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