Ein Weinlesetag im Bordelais

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Letzte Woche haben  Audrey, Joëlle und ich eine tollen Tag in Château Coutet verbracht.

Ein großes Dankeschön an Aline Baly und Jeanne für den freundlichen Empfang. Die beiden haben ihr Wissen und vor allem ihre Leidenschaft für ihre Weine mit uns geteilt, für ihr Terroir, kurz gesagt: diese kleine Stückchen Paradies, ungefähr 30 km von Bordeaux entfernt, in Barsac, auf dem linken Ufer der Garonne.

Château Coutet ist ein Grand Cru de Sauternes (Bordeaux-Klassifizierung von 1855).

Im Herzen eines Dreiecks, das von Garonne, Ciron (Nebenfluss der Garonne) und den Landes de Gascogne gebildet wird, herrscht ein Mikroklima, in dem morgendliche Nebel und warme und sonnige Nachmittage herrschen.  Diese begünstigen den Botrytis, die Edelfäule.

Während die Rohfäule von den Winzern gefürchtet wird, ist es hier die Edelfäule, die die Weine bereichert. Diese gibt den Sauternes Weinen ihr Aroma und ihre Komplexität.

Die Weine aus Barsac, die die Bezeichnung Sauternes tragen dürfen, unterscheiden sich von den Weinen aus Sauternes selbst aufgrund ihres frischeren, stärkeren Charakters. Château Coutet ist da ein gutes Beispiel, da Coutet im Gaskognischen "Messer" heißt.

Es ist keine Zufall, dass man auch im Namen dieses Guts die starken und schneidenden Eigenschaften wiederfindet.

Dieser Unterschied im Geschmack liegt an den verschiedenen Bodenzusammensetzungen. Hier in Barsac enthalten die Böden weniger steinhaltige Erde als in Sauternes.

Gelände mit steinigem Boden nehmen jedoch mehr Wärme auf, was wiederum direkt die Eigenschaften des Weines beeinflußt. Ein Sauternes aus Barsac wird normalerweise mehr Frische im Mund hinterlassen als ein Sauternes aus Sauternes.

Hier in Château Coutet gibt es 3 Rebsorten: Sémillon (75 %), Sauvignon blanc (23 %), und  Muscadelle (2 %). Jeanne hatte drei Traubengelees vorbereitet, um uns den Geschmackunterschied zu zeigen.

Wir ihr feststellen könnt, sind die Farben sehr unterschiedlich. Der Geschmack ist auch ganz anders. Als ob man in einen Golden, einen Granny und einen Renette Apfel beißen würde. Den Unterschied merkt man sofort.

• Der Sémillon gibt dem Wein eine rauchige Aprikosen-Nektarseite, die den Wein strukturiert.
• Der Sauvignon blanc hat seinerseits Zitrusfruchtaromen. Er bringt Frische und Stärke.
• Muscadelle bringt Pfeffer- und Würzearomen, rundet den Wein ab und macht ihn komplexer.

Die Weinlese geschieht normalerweise in einem Dutzend Durchgängen (Auslesen). Das heißt, dass bei der Ernte quasi jede Traubenbeere oder jede Traube einzeln gepflückt wird. Dieselbe Traube kann nämlich unterschiedliche Reifestadien aufweisen.

Die Weinpflücker ernten die Trauben und bringen sie zu den Sortierern, die die Traubenbeeren auswählen.


Wie ihr feststellen könnt, ist das Ameisenarbeit. Am Ende wird jede Weinrebe, bis zu 40 Jahre alt, nur ein einziges Glas Wein ergeben.


Château Coutet ist ein Premier Grand Cru Sauternes. Der Guide des Vins de France 2011 (Weinführer für französische Weine) hat im September folgende Noten gegeben: Château Coutet 2007 — 17,5/20 und Château Coutet 2006 —18/20.
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Veröffentlicht in Frankreich

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