Wird Europa GVOs ohne wissenschaftliche Bewertung erlauben?

Veröffentlicht auf von Ingmar Link

Um die Gefahr eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO), der für die Ernährung bestimmt ist, einzuschätzen, gibt sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer 42-tägigen Studie zufrieden, die an Hühnern durchgeführt wurde. Eine Studie, die sich auf den Nährwert der Produkte beschränkt! Völlig ungeniert...

SmartStax. Das ist der lustige Spitzname, den Monsanto und Dow AgroSciences ihrem neuen GVO verliehen haben. Diese Pop-Corn-Pflanze hat eine einzigartige Eigenschaft: Sie kombiniert acht verschiedene veränderte Gene (2 Herbizide und 6 Insektizide). Sorry, mehr war nicht drin.

Diese Chimäre ist in den USA und in Kanada erlaubt. Wir hatte uns ja prächtig amüsiert, als im letzten Jahr die kanadische Gesundheitsministerin, Leona Aglukkaq, auf Fragen der Verbände antwortete und ernsthaft behauptete, dass das Gesundheitsministerium des Landes, Santé Canada, erwartet, "dass die Saatguthersteller komplette Studien ihrer Saatsorten durchführen, um zu garantieren, dass es keine unerwarteten Effekte gibt". So soll es sein... Dem Volk bleibt also nichts übrig als zu beten, dass besagte Effekte nicht eintreten, denn nie wurde von den Samennutzern irgendeine wissenschaftliche Rechtfertigung gefordert.

Der Mais der Zwietracht

Diese revolutionäre Satzung hat anscheinend Nacheiferer gefunden. Laut TestBiotech, einem unabhängigem Münchner Institut, das auf Biotechnologien spezialisiert ist, hat sich die EFSA (dessen Chefin uns verschwiegen hatte, dass sie Mitglied des Aufsichtsrates eines der größten Lobbyverbände der Nahrungsmittelindustrie ist) vor kurzen positiv zu einer Vermarktung von SmartStax geäußert, sowohl für die menschliche als auch für die tierische Ernährung. Das Problem: Die Agentur hat dabei keine einzige wissenschaftliche Studie von den Produzenten verlangt. Sie hat lediglich eine 42-tägige Studie in Empfang genommen. Diese wurde an Hühnern durchgeführt und befasst sich mit dem Nährwert des SmartStax, nicht mit den gesundheitlichen Risiken!

Wie Kanada begnügt sich Europa mit alten Tests an Maissorten, die für die Herstellung des SmartStax genutzt wurden. Klar gesagt: Die EFSA behauptet, dass die Gene bereits auf unabhängige Art und Weise getestet wurden - bei anderen Sorten, die nur eine einzige genetische Veränderung vorweisen.

Das ist ein bisschen so, als ob man euch sagen würde, dass ein Auto völlig ungefährlich ist, weil seine Bestandteile (Motor, Bremsen, Scheiben, usw) vor dem Zusammenbau unabhängig voneinander getestet wurden. Testbiotech ruft die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten dazu auf, die Meinung der EFSA abzulehnen und eine eigene Risikobewertung vorzunehmen.

Im letzten April hatte Testbiotech bereits gewarnt, dass die EFSA-Bewertung des "Mais 1507" (eine der Sorten, die für die Herstellung des Smartstax dienten) "grobe Lücken" aufweise. Die EFSA hat es immer noch nicht geschafft, sich zu rechtfertigen... Aber eigentlich ist uns das ganz egal, oder?
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Veröffentlicht in Frankreich

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