Italien: "Ich unterstütze die öffentliche Schule!"
Gestern war Elternabend an der Schule meiner Tochter Dafne, und obwohl mir alle meine Freundinnen davon abgeraten haben, habe ich mich als Elternsprecherin der Klasse aufstellen lassen.Das habe ich nicht nur aus masochistischen Gründen getan, auch wenn mir bewusst ist, dass all dies in einem Akt der Selbstverstümmlung enden könnte. Ich tat es, weil mir schien, dass ich es meiner Tochter ‘schuldete’: Ich fühle, dass ich ihr viel Zeit und ein aktives Engagement schulde, das nicht nur aus Hausaufgabenkontrolle und dem Schmieren von Pausenbroten, sondern aus Argumenten besteht, die sie jetzt vielleicht noch nicht versteht, die aber für den Aufbau ihrer Zukunft nützlich sein werden.
Natürlich habe ich damit noch nicht die Welt gerettet. Ich habe ein ganz normales, banales Amt übernommen, wenn man so will, und das macht mich noch nicht zu einer besseren Mutter. Ich habe einfach nach einer Gelegenheit gesucht, ‘dabei zu sein’, die Dinge ‘von innen’ zu sehen.
Gestern ist mir klar geworden: Die öffentliche Schule ist stärker in ihrer Existenz bedroht, als ich dachte. Der Staat kümmert sich nicht, sie schafft es allein nicht, es gibt keine Gelder. Sie streicht Einrichtungen, Stunden, Lehrmaterialien und Personal, wie man die trockenen Zweige eines Baumes absägen würde. Unterschiedslos. Was mich sehr an diese Megamanager der Megaunternehmen erinnert, die auf der Grundlage von Excel-Tabellen Stellen streichen und Menschen als ‘Kosten’ und nicht als ‘menschliche Mittel’ wahrnehmen.
Und ich, was kann ich bei alldem nur ausrichten? Gestern Abend, während die Lehrerin redete, ging mir diese Frage im Kopf herum. Was kann ich tun, ICH in der ersten Person?
Ich kann das System nicht verändern, ich kann nicht gegen den Staat ankämpfen, ich kann meine Stimme nicht zu denen da oben durchdringen lassen. Ich zähle doch nichts.
Aber ich gebe nicht auf, das reicht mir nicht. Es tröstet mich nicht, zu hören, dass ‘man ja eh nichts machen kann‘…
Ich habe mich also entschieden: Ich kann mein Engagement, meine Zeit, meine Hingabe, mein Geld, meine Mittel einbringen. Ich kann eine Verbindung ins Leben rufen - eine Zusammenarbeit zwischen Familie und Lehrern - und ihnen helfen, das, was für die Erziehung und Bildung meiner Tochter nötig ist, auch verfügbar zu machen.
Aber es ist nicht gerecht. Eigentlich müssten nicht ich, nicht wir als Eltern, eine solche Aufgabe übernehmen. Aber wenn wir es nicht tun - der Staat wird es nicht tun. Und wenn also Farbstifte fehlen, ist es da wohl besser, über den Staat zu schimpfen und auf Stifte zu warten, die nie kommen werden oder diese vermaledeiten Stifte selbst zu kaufen?
Ich weiß, es ist nicht die DIE Lösung. Es ist EINE Lösung.
Es bedeutet, sich einzusetzen, um die Mängel des Staates auszugleichen, auch wenn es nicht gerecht ist und wir es eigentlich nicht machen müssten. Aber wir müssen es um der Zukunft unserer Kinder willen tun.
Helfen wir den Lehrern also. Sorgen wir dafür, dass sie nicht an zwei Fronten kämpfen müssen: Die gegen die Behörden und die gegen den Familien. Sorgen wir dafür, dass die Familien Teil des Lehrkörpers werden, sorgen wir dafür, dass Inseln der Seligen entstehen, die auch ohne die Hilfe des Staates blühen und glückliche und intelligente Kinder hervorbringen.
Sicherlich taugt das nicht als Leitphilosophie, aber ich werde mich trotzdem dafür einsetzen.
Ich kann einfach nicht darauf warten, dass der Staat seine Fehler einsieht und aufhört, die Erziehung meiner Tochter mit Hypotheken zu belasten.
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