Der katastrophale Einfall von Telefónica in die sozialen Netzwerke

Veröffentlicht auf von Katharina Heidrich





Ich kann es nicht verstehen. Ich kann nicht verstehen, wie Telefónica solch fatale Fehler begehen kann, die dem spanischen Unternehmen viel Geld kosten. Fehler, die ein jeder, der ein klein wenig Fachwissen besitzt, im Voraus hätte sehen und vermeiden können. Fehler, die die Aktionäre des Unternehmens zahlen werden.

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte des Unternehmens: Vor weniger als zwei Jahren kündigte Telefónica mit Pauken und Trompeten an, mit Hilfe der gerade neu entwickelten Anwendung Keteke in die sozialen Netzwerke  einzufallen. Die neue soziale Plattform erforderte eine Investition von 10 Millionen Euro und wurde (in Anwesenheit der „einzigartigen“ Paris Hilton) als „Paradebeipiel für Facebook, Myspace und Tuenti“ vorgestellt.

Ich bezeichne mich nun wirklich nicht als Guru der sozialen Medien (möge Gott mich davor bewahren, diese Stellung anderen wegzunehmen) aber ich habe immer den Standpunkt verteidigt, dass es keinen Sinn macht, ein neues soziales Netzwerk zu gründen, wenn man statt dessen die bereits existierenden für seine Zwecke nutzen kann. Die Kosten, die bei der Werbung von Mitgliedern für ein neues Netzwerk anfallen, können eingespart werden wenn das Unternehmen dorthin geht, wo die Kunden (oder die potentiellen Kunden) bereits sind. Aber gut, anscheinend wusste Telefónica das nicht.

Das Ergebnis? Eine verlorene Investition von wirtschaftlicher Bedeutung und knapp zwei Jahre verlorener Zeit. Heute ist Keteke ein kaputtes Spielzeug, das von Telefónica vergessen wurde.

Aber dem spanischen Telefonanbieter hat sein “triumphaler” Einzug in die sozialen Netzwerke nicht gereicht. Es scheint, dass er endlich verstanden hat, dass seine Strategie gänzlich falsch war. Nach einiger Zeit (und zahlreichen Gerüchten) wurde offiziell angekündigt, dass Telefónica 90% von Tuenti zu einem Preis von 70 Millionen Euro aufgekauft hat. Ja, ganz recht, Tuenti. Eines der sozialen Netzwerke, die im Schatten von Keteke stehen sollten.

Das ist schon etwas anderes. Meiner Meinung nach hat Telefónica hiermit ins Schwarze getroffen. Ein Einzug durch die grosse Tür in die sozialen Netzwerke für das Unternehmen - und für Tuenti eine grosse Hilfe bei der geplanten Expansion ausserhalb Spaniens (vor allem für den iberoamerikanischen Markt).

Aber dieser Schachzug kommt sehr spät. Wenn Telefónica vor zwei Jahren, anstatt Keteke zu gründen und hierfür 10 Millionen Euro aufzuwenden, Tuenti beigetreteten wäre (was zu diesem Zeitpunkt wesentlich weniger als 70 Millionen gekostet hätte), wäre dies von grossem Vorteil für die Aktionäre gewesen und Telefónica hätte zum heutigen Zeitpunkt bereits zwei Jahre Erfahrung in den sozialen Netzwerken.

Ausserdem, und was viel wichtiger ist, hätten wir uns den Spanienbesuch von Paris Hilton erspart.
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