Wikileaks: Stell Dir vor, die Presse würde tatsächlich die Bürger informieren

Veröffentlicht auf von Katharina Heidrich

[caption id="attachment_1854" align="alignright" width="307" caption="Foto: Anders Sandberg, CC Lizenz"][/caption]

Die Angelegenheit Wikileaks ist empörend. Mit welchem Recht machen diese Leute die Arbeit, die die Zeitungen nicht machen? Merken sie denn nicht, dass es einen guten Grund hat, wenn die Zeitungen keinen neutralen Journalismus betreiben?

Das Pentagon macht es genau richtig, wenn es seinen Leuten verbietet, diese linksgerichtete Seite zu lesen. Stell Dir vor, was passieren würde, wenn all diese zwanzigjährigen Soldaten verstehen würden, welchen Zwecken sie eigentlich dienen. Stell Dir vor, sie würden herausfinden, was hinter dem Streifenbanner, dem Apfelkuchen und dem amerikanischen Traum wirklich steht. Vielleicht würden sie alle umschulen und Whopper braten gehen. Stell Dir vor, wie peinlich, wenn der mächtigsten Armee der Welt das gute Personal ausgehen würde, das eine gesüßte Lüge lebt; es würden nur noch fanatische Bewaffnete übrig bleiben.

Hier muss sich das Komitee des Friedensnobelpreises streng zeigen und sich etwas einfallen lassen, um den erbosten Kommunisten, der für Wikileaks verantwortlich ist, ins Gefängnis zu sperren. Denn, wie die Machtinhaber der Rechten und Linken ganz richtig sagen, das Recht auf freie Meinungsäußerung muss seine Grenzen haben. Deine Freiheit hört dort auf, wo meine Lobby beginnt (oder, im Falle der Presse, die politischen und vertraglichen Verpflichtungen meiner Inserenten). Denn wenn die seriösen Medien all das publizieren würden, was auf dem Tisch ihrer Direktoren landet, würde keiner mehr dem anderen trauen, und das ist das Letzte, was die Börsen im Moment brauchen können.

Die Wirtschaft baut auf Vertrauen auf, das heißt, auf der Fähigkeit der Personen, die reden können, dies nicht zu tun. Niemand schafft es auf den Chefsessel, wenn er nicht fähig ist, den Mund zu halten. Doch dann kommen die Internetfreaks daher und fangen an, das zu veröffentlichen, was so viele mächtige Münder während so vielen Monaten verschwiegen haben. Wo bleibt da die Nationale Sicherheit?

Die Nationale Sicherheit ist extrem wichtig, deshalb werden auch beide Wörter groß geschrieben. Alles, was groß geschrieben wird, ist extrem wichtig: der König, Gott, ETA… Stell Dir nur vor, ohne die Nationale Sicherheit würden die Reichen tun und lassen, was sie wollen, die multinationalen Konzerne ebenso und die reichen Länder würden aus rein wirtschaftlichen Interessen in arme Länder einmarschieren. Das Gesetz des Dschungels. Ohne Nationale Sicherheit würde der Internationale Währungsfond die Reichen noch reicher machen und die Armen noch ärmer, anstatt gegen die Armut anzukämpfen, wie es seine Satzung vorgibt.

Stell Dir vor, alle folgen diesem Beispiel und die Zeitungen fangen an, Nachrichten ohne die Einverständnis der politischen und wirtschaftlichen Macht zu veröffentlichen. Stell Dir vor, was in Spanien passieren würde. Stell Dir vor, dass all die Praktikanten, die diesen Monat die Zeitungen schreiben,  ihren Vorgesetzten kurz vor Dienstschluss die Hände fesseln und zwei oder drei schändliche Wahrheiten veröffentlichen.

Stell Dir das nur vor.
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