Spanien: Schützt Jugendliche vor der Sensationsgier der Medien!
[caption id="attachment_2005" align="alignright" width="360" caption="Foto: Berts @idar / Flickr (cc)"]
[/caption]Laut der andalusischen Staatsanwaltschaft ist es illegal, Fernseh-Beiträge zu verbreiten, in denen Minderjährige in Begleitung ihrer Eltern oder alleine über verbrecherische Tätigkeiten sprechen, an denen sie beteiligt waren oder zu denen sie Information beitragen können.
Diese Stellungnahme hat sich bereits seit dem Verschwinden von Marta del Castillo, deren Ermordung von gerichtlicher Seite noch immer nicht erwiesen ist, angekündigt. Zurückführen lässt sie sich auf ein zu geschützter Sendezeit* ausgestrahltes Fernsehinterview mit zwei 14-jährigen Mädchen, in dem über Marta del Castillo gesprochen wurde. Ganz sicher, um die Sensationsgier der Medien zu füttern und um den Familien der Mädchen ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen. Es wurden “Themen angesprochen, die den Kern der Intimität betreffen, wie zum Beispiel das Verhalten und die Sexualpraktiken der Minderjährigen mit einem Erwachsenen, dem der Mord zur Last gelegt wird, ihre Schwangerschaft usw”.
Den Minderjährigen wurden Fragen gestellt wie zum Beispiel ob sie “im Zuge sentimentaler Beziehungen mit dem Mörder schwanger gewesen wäre”, ob sie wussten, “dass ihr Ex-Freund sie mit anderen Minderjährigen betrogen habe”, ob sie “sich schämen würden, mit einem mutmaßlichen Mörder intime Beziehungen unterhalten zu haben”.
Die Staatsanwaltschaft meint, dass die Medien “davon absehen sollten, Aussagen und Bilder zu verbreiten, die die Ehre, Intimsphäre oder das Image eines Minderjährigen angreifen, der freiwillig Aussagen macht, selbst wenn dieser bereits die entsprechende geistliche Reife besitzt und dessen Eltern oder Vormund seinem Erscheinen in den Medien zustimmen”. Laut Artikel 158.4 des spanischen Zivilgesetzbuches kann das Einstellen der Fernsehsendung erwirkt werden.
Anmerkung der Editoren:
* In Spanien gilt von 6:00 bis 22:00 die geschützte Sendezeit, während der u.a. Gewalt und Sex in Sendungen vermieden werden sollen.
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